EU – Statt Weltmacht ein Vasall der USA

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Wenn heute von „Europa“ die Rede ist, dürfte in der Regel die EU gemeint sein. Diese „Europäische Union“ reicht mit ihren gegenwärtig 27 Mitgliedern von der Küste des Atlantiks bis zur russischen Grenze. Geopolitisch kommt sie damit der 1904 von Halford John Mackinder entwickelten „Herzland-Theorie“ nahe, die zur Erklärung der Weltpolitik auch des 21. Jahrhunderts hilfreich sein kann.

Der britische Geograph Mackinder (1861-1947), Mitbegründer der London School of Economics and Political Science, entwickelte seine Theorie in einer Rede mit dem Titel „Der geographische Dreh- und Angelpunkt der Geschichte“ vor der Royal Geographical Society. Um die Weltherrschaft zu erringen, so Mackinder, reiche nicht die Macht zur See. Vielmehr müsse man das „Herzland Eurasien“ dominieren, die riesige Landmasse zwischen französischer Atlantik- und russischer Pazifikküste. Damit sich dieser eurasische Kontinent nicht zum Konkurrenten und Mitspieler im „Great Game“ um die Weltherrschaft entwickle, müßten die Angloamerikaner eine Allianz zwischen Deutschland als dem führenden Industriestaat und dem an Rohstoffen reichen Rußland verhindern.

Diese Geostrategie vertiefte George Friedman, Gründer eines Beratungsinstituts, im Februar 2015 vor dem Chicago Council on Global Affairs. Wenn die USA ihre Position als führende Weltmacht behalten wollten, müßten sie ihren Einfluß auf Eurasien sichern und ausbauen. Friedman: Sie sollten die Ukraine in die westliche Einflußsphäre eingliedern und perspektivisch das Intermarium des einstigen litauisch-polnischen Großreichs wiederherstellen. Vor allem aber müßten sie jegliche Kooperation zwischen Deutschland und Rußland verhindern, die die Dominanz der Vereinigten Staaten im technisch-industriellen Sektor der Weltwirtschaft gefährden könnte.

Wie die letzten Wochen zeigen, haben die USA einmal mehr über die Europäer triumphiert. In der bedauernswerten Bittsteller-Figur der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrumpfte der sonst so beredte Moralapostel EU zur demütigen Befehlsempfängerin. Was blieb ihr auch anderes übrig? Schließlich gehören ihre 27 Mitgliedsstaaten gleichzeitig der NATO an, weil sie alle auf den atomaren Schutzschirm der Amerikaner angewiesen sind. Was Donald Trump als „großartigen Deal“ feiert, ist für die Europäer eine Blamage, eine fast bedingungslose Kapitulation. Über die aufgezwungenen Importzölle von 15 Prozent hinaus versprach die EU, Flüssigerdgas (LNG), Nuklearbrennstoffe, Öl und Kohle im Wert von 750 Milliarden Dollar bis zum Ende von Trumps Amtszeit zu kaufen und 600 Milliarden Dollar bis 2028 in den USA durch hiesige Unternehmen zu investieren.

Noch nie wurde der Hochmut der EU so bloßgestellt wie auf dem historischen Treffen Ende Juli in Trumps Golf-Resort Turnberry an Schottlands Südwest-Küste. Als „zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt“ rühmt sich die Brüsseler Union und mit ihren 450 Millionen Verbrauchern als Heimat des „größten Binnenmarkts der Welt“. Die Wahrheit sieht anders aus: Statt einer Volkswirtschaft handelt es sich um die Addition von 27 Volkswirtschaften aus mehr als 27 Völkern mit jeweils unterschiedlichen ökonomischen Interessen, auch der Markt setzt sich aus diversen Märkten zusammen. Dominiert in Frankreich die Landwirtschaft, sind es in Deutschland der Auto- und der Maschinenbau.Die Einheitswährung Euro täuscht eine Gleichheit vor, die es nicht gibt und nie geben wird, solange es das politische Bestreben ist, die jeweilige nationale Souveränität aufrechtzuerhalten.

Energiepolitisch hat sich die EU, vornehmlich aber die Bundesrepublik, in eine Sackgasse manövriert, indem alle diplomatischen Drähte nach Moskau gekappt wurden. Daß freiwillig auf billiges russisches Gas verzichtet wird, bedeutet, daß jetzt 60 Prozent zu höhere Preisen importiert werden müssen. Auch die deutschen Massenexporte nach China gehören der Vergangenheit an, denn Pekings Unternehmen haben sich zu ebenbürtigen Konkurrenten entwickelt, die bessere und billigere E-Autos und preiswertere Elektronikprodukte herstellen. Europas Zukunft, mithin auch jene Deutschlands, entspricht längst nicht mehr dem rosigen Bild, das ihre Propagandisten trotz allem noch immer so gern verkünden.