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Rentner, die auf E-Bikes starren

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Zur Ménage-à-trois des deutschen Straßenverkehrs gehören der Autofahrer, der Fußgänger und der Radfahrer. Die Beziehung ist geprägt von gegenseitigem Hass, Ekel und tiefempfundener sozialer Verachtung. Der Fußgänger springt aufgeschreckt vom Gebimmel des Fahrradfahrers zur Seite, der wiederum unterliegt im ungleichen Kampf der Knautschzonen gegenüber dem Automobilisten, welcher seinerseits ungeduldig auf sein Lenkrad trommelt, während Oma Erna ihren Rollator über den Zebrastreifen schiebt. Die wiederum hasst Autofahrer, kann sich aber nicht mehr erinnern, wieso.

Ich selbst bin meistens Fußgänger und pflege als guter Deutscher meine Ressentiments – Autos und ihre Fahrer gehen für mich so lange in Ordnung, wie das eine zum anderen passt. Hierarchien sind wichtig und ein Sozialhilfeempfänger hat nichts hinter dem Lenkrad eines Mercedes zu suchen. Auch wenn man mir die waghalsigen Finanzierungsmodelle erläutert hat, die sich so manche Großfamilie zu Nutze macht, um ihren Stammhaltern das dringend benötigte Statussymbol zu ermöglichen, so ist es mir weiterhin ein Rätsel, wieso Fachhändler, die etwas auf sich halten, Menschen im Jogginganzug bedienen. Ekelhaft, dieses Land geht vor die Hunde.

Jedenfalls, ich schweife ab, hasse ich Radfahrer durch die Bank weg. Das fing schon in Kindertagen an, als die Ausstrahlung der Tour de France, dieser todlangweiligen Massenveranstaltung von wadenkrampfgeplagten Dopern, meinem bevorzugten Sendeplan einen Strich durch die Rechnung machte. Weiter ging es über diverse Stürze mit dem eigenen Drahtesel bis zu heutigen Autofahrten über Landstraßen, die von Möchtegern-Jan Ullrichs blockiert werden, während sich zur rechten ein nagelneuer Fahrradweg durch die Felder zieht.

Aber dieser arschlochhaften Rücksichtslosigkeit wohnt man nicht nur bei getriebefreundlichen Durchschnittsgeschwindigkeiten von 40 Stundenkilometern bei – auch in Regionalzügen ist es zu einer Unart geworden, während der Stoßzeiten sein bescheuertes Fahrrad von Stadt A nach Stadt B zu transportieren. Die E-Bike-Manie hat das Ganze verschlimmert: Früher saßen Rentner in ihrem Garten, bastelten Vogelhäusschen oder aßen in irgendeinem Café Kuchen mit Schlagsahne.

Heute zwängen sie sich in neonfarbene Sportlerklamotten und verballern tausende Euros für E-Bikes, die so bleischwer sind, dass der Zugbegleiter erstmal die Rollstuhlrampe auslegen muss. Im Zug angekommen werden dann selbstverständlich die raren Sitzplätze blockiert, auf denen normalerweise die Rentenerwirtschafter platznehmen sollen. Die Jahreskarte gibt es natürlich zum Rentnertarif, damit hat sich dann wieder irgendeine Dreckspartei auf die nächsten Jahre hinaus ihre Wählerstimmen gesichert.

Während der Zugfahrt fallen dann zwei oder dreimal laut krachend die Räder um. Allgemeiner Ärger, Krach, Beschuldigungen, suchende Blicke nach verbündeten Untertanen. Man legt entnervt das Buch weg, lesen kann man sich für die nächsten 40 Minuten sparen. Am Ziel angekommen wird dann das Fahrrad mit vereinten Kräften durch den Bahnhof gewuchtet, wie seinerzeit die Panzerabwehrkanone durch die Straßen Berlins. Und dann wird man sie den ganzen Tag nicht mehr los.

Auf Schritt und tritt bimmeln und schimpfen sie sich ihren Weg durch die Fußgängerhorden. Zu den Neoprenrentern gesellen sich die Sojasörens und Lastenfahrrad-Luisas. Plärrende Mütter pflügen wie Enten über die Gehwege, hinter ihnen im zickzack fahrend eine Horde von behelmten Zwergen, die selbst an stark befahrenen Übergängen nicht vom Fahrrad steigen. Alle haben diesen selbstgerechten, überheblichen Blick in den Augen, der allenfalls den spanischen Konquistadoren angestanden haben mag. Aber genau das zeichnet unsere Zeit ja aus: Keiner weiß mehr, wo sein Platz ist.

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