Das Wochenende รผber lieferten sich in Leipzig staatliche Sicherheitsorgane und staatliche Politaktivisten eine Keilerei. Staatsfunk und Staatspresse rahmten die Bilder vom Mรผll auf den Straรen und der viehischen Verrohung mit dem gewohnt seichten Hinweis darรผber ein, dass auf den ansonsten โfriedlichen Demonstrationenโ durchaus โSteine flogenโ, weil Steine das eben so tun und linksextreme Aufmรคrsche, wie jedermann weiร, stets familienfreundliche Straรenfeste sind. Solche Szenen und die dazugehรถrigen รberschriften bilden im Kontext rund um die Verurteilung von Lina Engel und den tolerierten Terrorismus von links also die passende Kulisse fรผr eine Auffรผhrung, in deren Rahmen der unbedarfte Bรผrger einmal mehr sehen kann, wie schlimm es um den Rechtsstaat mittlerweile steht.
Man beobachtet das also vom Rand aus und vor ein paar Jahren hรคtte man sich vielleicht noch gefragt: Was geht in so einem Polizisten vor, wenn ein paar Meter weiter vorne irgendein vermummter Typ, zerfressen von Hass und vergiftet von linker Ideologiescheiรe, ganz selbstverstรคndlich gedeckt, finanziert und geschult von gleich drei Parteien, zum Pflasterstein greift und dabei ganz genau weiร, was sein Geschoss heute und sein Hammer womรถglich morgen anrichten kann? Aber mittlerweile zuckt man nur noch mit den Schultern, denn fรผr die vielen Tausend Sicherheitskrรคfte scheinen diese โRรคuber und Gendarmโ-Spiele mit Verletzungsgefahr genauso zur Routine zu zรคhlen wie fรผr das oppositionelle Lager die dรผmmlich-naive Selbstversicherung, dass es sich bei der Antifa um die โwahren Faschistenโ handele.
Das alles hat etwas Simulationshaftes, das alles ist repetitiv und damit vorhersehbar. Interessanter als auf der Straรe war es daher am Wochenende im virtuellen Raum. Hier gelang es der deutschen Rechten mit einer Kombination aus grรผndlicher Planung, notwendiger Dreistigkeit und einem gehรถrigen Maร an waffenfรคhigem Autismus, die kulturmarxistische Kampagne des โPride Monthโ zu kapern. Aus dem wurde wie von Zauberhand der โStolzmonatโ, das Regenbogenbanner wurde durch eine abgestaffelte Deutschlandfahne ersetzt. Seit Tagen schon dominiert #Stolzmonat die Twitter-Trends. Kleine Auswahl:

Die Herrschaft des Volkes
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Da ist dieses Gefรผhl in der Luft, das zum letzten Mal wรคhrend des Trump-Wahlkampfs 2016 zu spรผren war. Auf Jiu-Jitsu-Art wird der gewaltige Schwung der kulturmarxistischen Tentakel umgeleitet. Eine dezentrale Netzguerilla unterminiert das Selbstverstรคndnis der linken Elite und (reโ) popularisiert das Symbol unserer nationalen Identitรคt – unsere Fahne. Die Inbrunst und der Witz, mit denen junge Aktivisten Memes kreieren und streuen, sind bemerkenswert, denn hinter ihnen steht keine Werbeagentur, kein Propagandabรผro, nichts. Hier wird endlich einmal all der aufgestaute Frust in schรถpferische Bahnen gelenkt, und auch wenn wir hier โnurโ von Digitalgewittern sprechen, sind es doch plรถtzlich die Linken, die reagieren mรผssen.
Und genau hier zeigt sich die Relevanz von Twitter: Seit der รbernahme durch Musk kann das System hier eben nicht mehr so leicht den Bannhammer kreisen lassen. Noch vor Kurzem wรคre eine solche Aktion von einem rasch programmierten Algorithmus ausgehebelt worden. Diese kalte, gesichtslose Netzdiktatur ist โ zumindest auf Twitter โ vorbei. Der Fuร ist wieder in der Tรผr. Jetzt muss nachgesetzt werden.
„Tausend fleiรge Hรคnde regen,
Helfen sich in munterm Bund
Und in feurigem Bewegen
Werden alle Krรคfte kund.“
Schiller, Das Lied von der Glocke

