Dass die CDU fรผr den kulturellen, รถkonomischen und demografischen Untergang eine Mitverantwortung trรคgt, dรผrfte bereits jeder treue Leser der KRAUTZONE verinnerlicht haben. Und es sei daran erinnert, dass nicht nur die 16 Jahre unter Angela Merkel schuld an der Misere sind: Die Probleme, die uns heute รผberwuchern, waren fรผr ein waches Auge schon in den 80er-Jahren unter Helmut Kohl absehbar โ die CDU hat dagegen nie etwas Ernsthaftes getan. Und auch Konrad Adenauer hat mit bestem Wissen und Gewissen die deutsche Seele an den anglo-amerikanischen Westen verkauft.
Was die Union in allen drei Epochen auszeichnete, in denen sie die Regierung stellte โ also Wirtschaftswunderzeit, die Kohl-รra und schlieรlich Merkels bestes Deutschland aller Zeiten โ, war ihr ungebrochener, dreister und aus rein funktionalem, bรผrokratisch-seelenlosem Machttrieb heraus geborener Opportunismus. Wer glaubt, die Beharrlichkeit des alternativlosen โWeiter so!โ habe erst unter unserer geistlos dreinblickenden FDJ-Sekretรคrin das Licht der Welt erblickt, der irrt: Schon in den 50er-Jahren hieร der Kurs โWeiter so!โ, denn er hat ja funktioniert. Die Wirtschaft spross, und die Bรคuche waren fett, also warum etwas รคndern?
In den 80ern sprach man dann eben jene Leute an, die sich 30 Jahre zuvor besagte Bรคuche fett gefressen hatten: Die Renten mรผssen sicher sein (die olle SPD ist der Aufgabe nรคmlich nicht gewachsen!), der Rest ist ja erst mal nebensรคchlich. Ein Werbegesicht der Kohl-CDU war damals die Schauspielerin Katharina Brauren, die in einem Wahlwerbespot eine der SPD gegenรผber skeptische, aber Adenauer vergรถtternde Rentnerin verkรถrperte.
Ein paar Jahre spรคter sollte sie in einer รคuรerst ironischen Wendung der Geschichte eben jenes Bรผrgertum in Loriots Klassiker โรdipussiโ persiflieren, welches sie eben noch fรผr die Union zu mobilisieren gedacht hatte. Man kรถnnte tatsรคchlich meinen, Frau Winkelmann sprรคche in dem Kohl-Werbefilmchen zu einem, kurz nachdem sie die Tietzes verรคchtlichen Blickes aus ihrer Wohnung geekelt hat โ wie ist doch die Erde so schรถn, so schรถn!
Dieses Erfolgsrezept hat Merkel ebenfalls aufgegriffen, nur eben in modifizierter Form. Einerseits wurde die mediale Stimmung (ich betone: die mediale Stimmung, die sich von der eigentlichen รถffentlichen Meinung deutlich unterscheiden kann) ausgenutzt, andererseits hat man dem treudoofen Rentner das Blaue vom Himmel und den Grill im Garten versprochen. Inhalt, wortgewaltige Reden โ fehl am Platze! Wer braucht das schon in einer vor sich hindรผmpelnden Demokratie? Jeder, der einmal ernsthaft einer Merkel-Rede lauschte, sollte danach begriffen haben, dass das Gebaren von โDiskussionโ, โInhaltโ und โDebatteโ lediglich Schall und Rauch ist. Den Leuten war es entweder egal, was sie sagte, oder sie haben es wirklich nicht besser gewusst. Funktioniert hat die nichtssagende Vielschwafelei wieder einmal: drei Wiederwahlen beweisen es.
Und was versucht die CDU nun? Ganz klar: Die Alternative zur Alternative soll sie mimen. Mit Friedrich Merz hat man da auch den idealen Kandidaten zur Verkรถrperung des Mummenschanzes: Der Sauerlรคnder mit bitterkalter Managerattitรผde wird von den Medien zum Prototyp des knallharten Konservativen aufgebaut, um wankelmรผtige Wรคhler von der AfD wegzulocken. Der neueste Taschenspielertrick der Merz-CDU fรผr diesen Zweck: die Distanzierung vom Satz โDer Islam gehรถrt zu Deutschlandโ. Wie die โJunge Freiheitโ berichtet, findet sich dieser Grundsatz so nicht mehr im Parteiprogramm der Union. Viele Mainstreammedien, wie โBildโ, sprechen vom Bruch mit der Merkel-Politik, besonders linke Schmierblรคtter unterstellen sogar eine Anbiederung an die AfD. Doch was steht denn nun stattdessen drin im Grundsatzprogramm? โMuslime, die unsere Werte teilen, gehรถren zu Deutschland.โ Oha, oha, wie radikal! Endlich haut die CDU mal auf den Tisch! Das also soll der โradikale Bruchโ mit dem Merkel-Kurs sein? Wie lรคcherlich. Dieser Satz ist mindestens so inhalts- und charakterlos wie eine Rede der Altkanzlerin.
Und da ist sie wieder: Die uralte Strategie der Union โ schwรคtzen, betรถren und hoffen, dass man durchkommt. Und man kommt durch! Momentan liegen die Unionsparteien bei 32 Prozent laut den neuesten Umfragen. Fragt sich aber nur, wie lange das noch gut geht: Merz und seine Mitblender werden nรคmlich hauptsรคchlich von รคlteren Menschen gewรคhlt, die nur noch fรผr eine begrenzte Zeit die Mehrheit stellen werden โ das mag berechnend und kalt klingen, aber so ist es. Bei den jรผngeren Semestern liegen andere Parteien vorne: etwa die Grรผnen oder die AfD. Und wenn die Babyboomer in Rente gehen und von dieser nicht leben kรถnnen, kann auch die CDU ihr schnelles Ende finden. Sollte das so geschehen, werden wir wieder ein Parteisterben der schรถnsten Sorte erleben โ dann wird endlich eine Partei zu Grabe getragen, die maรgeblich fรผr die Grablegung des Vaterlandes verantwortlich ist. รhnlich wie bei โDie Linkeโ werden dann auch wir freudig die Grabesrede halten…
