„Citizen Vigilante“

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Er ist der wohl schlechteste deutschsprachige Regisseur unserer Zeit, und seine Filme gelten seit mittlerweile 30 Jahren als unterste Schublade und verfügen über keinen Tiefgang, geschweige denn über grundlegendes filmemacherisches Handwerk. Insbesondere seine Verfilmungen von Videospielen sind für ihre miserable Qualität berühmt-berüchtigt. Wenn überhaupt, taugen die Filme von Uwe Boll höchstens für einen Trash-Film-Abend mit starkem Alkoholkonsum. Nun macht Uwe Boll wegen seines jüngsten Machwerkes Schlagzeilen, des Action-Thrillers „Citizen Vigilante“ (zu Deutsch etwa: „der Milizionär“ im Sinne von „Angehöriger einer Bürgerwehr“).

Der wurde nämlich jüngst in der Bundesrepublik zensiert, wenn man es so nennen möchte, denn der Streifen bekam keine FSK-Altersfreigabe, wodurch er nicht mehr in öffentlichen Kinos gezeigt und im öffentlichen Raum beworben werden darf. Es gilt aber nicht, dass man ihn etwa wie indizierte Filme unter der Ladentheke verkaufen muss – er ist nach wie vor erwerbbar. Uwe Boll wittert hinter der Verweigerung einer FSK-Altersfreigabe ein politisches Manöver, offenbar ist das deutsche Establishment nicht über den Inhalt von „Citizen Vigilante“. Doch was macht einen Uwe-Boll-Film, abseits einer voraussichtlich schlechten Qualität, zu so einem Reizobjekt?

Offiziell heißt es, der Film bekomme deswegen keine Freigabe, weil er Selbstjustiz verherrliche und propagiere. Und das stimmt, es gibt Szenen im Film, in denen der Protagonist (der uns als Held der Geschichte mehr als sympathisch sein soll) ganz eindeutig seine Handlungen verherrlicht und auch überzeugend rechtfertigt – dazu gleich mehr. Doch das ist kein neuer Topos, es gibt genug Filme von einzelgängerischen Rächern, die sich der Schwachen in der Gesellschaft annehmen, ein mangelhaftes Justizsystem korrigieren oder einfach auf Rache sinnen – oder eine Mischung aus allen dreien –, und die waren in der Bundesrepublik grundsätzlich nie ein Problem.

Es ist vielmehr das Setting, das vielen Leuten im politischen Establishment ein Dorn im Auge sein dürfte. Der Protagonist Sanders, gespielt von Armie Hammer, ist ein Exsoldat der US-Armee und lebt in einer europäischen Großstadt, die an Symptomen leidet, an denen heutzutage so viele europäische Großstädte leiden: fortschreitender Bevölkerungsaustausch, in dem Zusammenhang eine erhöhte Kriminalität (insbesondere Sexualdelikte, eine Gruppenvergewaltigung ist ein zentraler Aspekt der Handlung) sowie eine anarchotyrannische Justiz, die entweder zu inkompetent oder nicht willens genug ist, der Lage Herr zu werden.

Angesichts dessen nimmt Sanders die Sache selbst in die Hand und führt einen Rachefeldzug durch: Er erteilt (migrantischen) Jugendlichen eine Lektion, die zuvor einen europäischen Jungen gepeinigt haben, indem er sie tasert und ihnen die Handgelenke bricht; er bringt einen Richter um, der sechs Gruppenvergewaltiger mit einer fadenscheinigen, gutmenschlichen Begründung laufen gelassen hat, und tötet schließlich diejenigen, die sich an besagter Gruppenvergewaltigung beteiligt haben.

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Der Film schreckt dabei weder vor dem Abwurf sogenannter „Truth Bombs“ noch vor der Darstellung skrupelloser Gewalt zurück. Als Sanders etwa den Richter entführt, der für die milde Behandlung der migrantischen Gruppenvergewaltiger verantwortlich ist, sagt er etwas zu dem Juristen, das so in aller Deutlichkeit noch nicht im Mainstream ausgesprochen wurde:

„Sie verursachen Kollateralschäden, Herr Richter. Es sind Leute wie Sie, die Täter mit Vergewaltigung und Mord davonkommen lassen, die deren Verhalten entschuldigen. […] Ich habe Ihr Interview vor dem Gericht gesehen. Ich habe Sie gesehen, wie Sie sagten, dass diese Jungs [die eine 14-Jährige vergewaltigt haben] lediglich Integrationsprobleme hatten, dass sie nicht wussten, wie man sich an die Gesellschaft anpasst. Was Sie nicht verstehen, ist, dass die Gesellschaft, an die sich diese Jungs ihrer Ansicht nach nicht anpassen können, auseinanderfällt und stirbt. Und Sie sind der Krebs, der sie umbringt.“

Das hat gesessen – es hätte nur noch eine weibliche Richterin um die 35 sein müssen, und die Szene hätte gepasst. Aber bei Uwe Boll ist es eben noch ein weißer, alter Mann – da kommt der Boomer in ihm durch. Ähnlich ist es bei der Szene, in der Sanders die Familie von einem der Vergewaltiger konfrontiert:

Er spricht die Schwester des Täters darauf an, dass sie in den sozialen Medien gepostet habe, das Opfer habe sein Schicksal angesichts seines Minirocks auch verdient – und fragt dann den Vater, ob das die „Werte sind, die er seinen Kindern vermittle“. Ob Uwe Boll zu viel NIUS schaut?

Neben diesem oberflächlichen LibKon-Gewäsch wird der Film wohl unter handwerklichen Mängeln leiden – wie alle Filme von Boll eben. Allein wie platt einem die moralische Botschaft teilweise ins Gesicht gedrückt wird, schreckt schon ab. Daher sollte diesem Film auch nicht mehr Aufmerksamkeit als unbedingt notwendig geschenkt werden. Und dass Uwe Boll auf den migrationskritischen Zug aufspringt, ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits heißt es, dass Boll schlicht Aufmerksamkeit will, und schlechte Aufmerksamkeit ist besser als gar keine, andererseits könnte die Tatsache, dass ein Opportunist wie Uwe Boll dieses Thema aufgreift, auch bedeuten, dass der Wind sich eben doch dreht. Hoffen wir nur, dass dieser Film weniger Schaden als Nutzen bringt…


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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Film nicht gesehen. Mit der Person Boll nicht beschäftigt. Aber für einen billigen Artikel reichts. Alles Andere als kostenlos für den Artikel wäre auch dreist.

    • „da kommt der Boomer in ihm durch“, „Ob Uwe Boll zu viel NIUS schaut“,…

      Tja, da überlegt man ob man sich nach längerer Pause doch mal wieder die Krautzone vom Kiosk holt, aber nach solch hochkarätigen Ergüssen ist das wieder mal nachhaltig beantwortet.

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