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Die Neuordnung der Welt hat begonnen

13. Januar 2026
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Das Schicksal Venezuelas und seines Machthabers Nicolas Maduro dรผrfte auf der anderen Erdhalbkugel eines Tages auch die als โ€žRepublik Chinaโ€œ firmierende Insel Taiwan und deren Reprรคsentanten treffen โ€“ nur Zeitpunkt und Umstรคnde sind noch ungewiรŸ. Was Pekings Regierung heute den USA vorwirft, dรผrfte Washington eines Tages mit nahezu denselben Argumenten der Volksrepublik zur Last legen: Anfang dieser Woche, am 5. Januar, verurteilte Sun Lei auf der Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates die amerikanische Militรคraktion aufs Schรคrfste. Die USA, so Chinas Vize-Vertreter bei den Vereinten Nationen, hรคtten die Sicherheit und die legitimen Interessen Venezuelas mit FรผรŸen getreten sowie die Grundsรคtze der souverรคnen Gleichheit aller Staaten und der Nichteinmischung in deren innere Angelegenheiten schwerwiegend verletzt. Sun Lei: China fordere die USA nachdrรผcklich auf, โ€žder รผberwรคltigenden Stimme der internationalen Gemeinschaft Gehรถr zu schenken, den Sturz der venezolanischen Regierung zu beenden und auf den Weg politischer Lรถsungen durch Dialog und Verhandlungen zurรผckzukehrenโ€œ.

Natรผrlich bleibt auch dieser Appell ohne Echo, denn die Trump-Regierung ist lรคngst auf dem Weg, Amerika gemรครŸ dem 2023 verรถffentlichten โ€žProject 2025โ€œ nicht nur innenpolitisch, sondern auch auรŸenpolitisch auf neue Bahnen zu lenken. Die konservative Denkfabrik โ€žHeritage Foundationโ€œ hatte besagtes Projekt gemeinsam mit rund 400 Wissenschaftlern und mehr als 50 Organisationen erarbeitet. Gedacht war und ist es als Handlungsanweisung fรผr einen erhofften republikanischen Prรคsidenten, der dann im Februar letzten Jahres tatsรคchlich Donald Trump wurde.

Im Vorwort des 2025 im โ€žDeutschland Journalโ€œ von Manfred Backerra vorgestellten Projekts heiรŸt es:

โ€žDer nรคchste konservative Prรคsident hat die Mรถglichkeit, die Verteidigungs- und AuรŸenpolitik neu zu strukturieren und die Rolle der Nation in der Welt neu zu bestimmen.โ€œ

Dann folgen Empfehlungen, โ€žwie der Prรคsident die riesigen Ressourcen der Bundesregierung nutzen sollte, um genau das zu tunโ€œ. Selbst zur Bolivarischen Republik Venezuela finden sich Hinweise, wie deren linksradikale Regierung, die sich China und dem Iran angenรคhert habe, zu behandeln sei:

โ€žUm Venezuela einzugrenzen, muรŸ die nรคchste Administration betrรคchtliche Schritte unternehmen, um dem venezolanischen Volk zu helfen und die Hemisphรคre gegen diese bedeutende, aber unterschรคtzte Bedrohung zu einen.โ€œ

Genau diesen Rat hat Prรคsident Trump befolgt. DaรŸ es sich um einen klaren Bruch des Vรถlkerrechts handelt, sehen Vertreter des US-Rechts anders, denn ihm zufolge ist es Strafverfolgern expressis verbis erlaubt, Flรผchtige auch jenseits der Landesgrenzen festzunehmen und vor Gericht zu bringen. Bereits 2020 wurde die erste Anklage gegen Maduro erhoben. Seit mehr als 25 Jahren, so heiรŸt es in der Anklageschrift, hรคtten venezolanische Staatschefs ihre Position miรŸbraucht, um Rauschgift in die USA zu schmuggeln. Im รผbrigen, so merkte die โ€žMรคrkische Allgemeineโ€œ an, marschierten US-Truppen 1989 unter dem damaligen Prรคsidenten George Bush senior in Panama ein, um den Machthaber Manuel Noriega wegen Drogenvorwรผrfen festzunehmen. Damals rechtfertigte Washington die Aktion als MaรŸnahme der Strafverfolgung, die internationales Recht aushebele.

Der Fall Maduro mag rechtlich umstritten sein, fรผr Trumps Regierung zรคhlen indes nur die Fakten, und die sind eindeutig: Venezuela ist kein Problemfall mehr. Sorgen mรผssen sich jetzt Grรถnlรคnder und Dรคnen machen, denn Trump macht kein Hehl daraus, daรŸ er die rohstoffreiche arktische Insel nicht zuletzt aus geostrategischen Grรผnden in US-Besitz nehmen will. Dรคnemarks Regierungschefin Mette Frederiksen weist derartige Ansinnen scharf zurรผck: โ€žDie USA haben kein Recht dazu, einen der drei Landesteile des Kรถnigreichs zu annektieren.โ€œ Nicht minder empรถrt reagierte Jens-Frederik Nielsen, Chef der grรถnlรคndischen Regionalregierung:

โ€žDie aktuelle und wiederholte Rhetorik der USA ist vรถllig inakzeptabel. Wenn der Prรคsident der USA sagt, daรŸ er Grรถnland brauche und uns mit Venezuela und militรคrischen Interventionen in Verbindung bringt, dann ist das nicht nur falsch. Das ist respektlos.โ€œ

Was kรผmmertยดs Trump und die Seinen? Da immer hรคufiger neben Russen auch Chinesen am Arktis-Kreis auftauchen, gilt es fรผr die USA, wachsam zu sein, denn das โ€žProject 2025โ€œ spricht es รผberdeutlich aus:

โ€žDie bei weitem grรถรŸte Gefahr fรผr die Sicherheit, Freiheit und Prosperitรคt der Amerikaner ist China. China ist in jeder Hinsicht neben den USA der mรคchtigste Staat der Welt. Anscheinend strebt es danach, Asien zu dominieren und von der Position aus global รผberragend zu werden. Kรถnnte Peking dieses Ziel erreichen, kรถnnte es Amerikas Kerninteressen dramatisch untergraben, einschlieรŸlich der Beschrรคnkung des Zugangs der USA zum wichtigsten Markt der Welt. Das zu verhindern, muรŸ hรถchste Prioritรคt fรผr die amerikanische auswรคrtige und Verteidigungspolitik haben.โ€œ

Weiter heiรŸt es:

โ€žChina vergrรถรŸert und verbessert seine Nuklearstreitkrรคfte, was dazu fรผhren kann, daรŸ sie denen der USA gleichkommen oder ihnen รผberlegen sind. Pekings unmittelbarste militรคrische Bedrohung allerdings gilt Taiwan und anderen Alliierten der ersten Inselkette des westlichen Pazifiks. Wenn China Taiwan unterwerfen kรถnnte oder Alliierte wie die Philippinen, Sรผdkorea und Japan, dann kรถnnte es jede Koalition zerbrechen, die Pekings Hegemonie รผber Asien verhindern soll. Deshalb mรผssen die USA sicherstellen, daรŸ Peking keinen Erfolg hat.โ€œ

Damit ist die Konstellation klar: Taiwan, seit Jahrzehnten ein geographischer und politischer Teil Chinas, wurde erst 1949 im chinesischen Bรผrgerkrieg zur Fluchtburg der Truppen des unterlegenen Generalissimus Tschiang Kai-schek. Nach dessen Tod entwickelte sich die zur โ€žRepublik Chinaโ€œ deklarierte Insel zu einem demokratischen Gemeinwesen, das indes bis heute international nur von einer Handvoll Staaten anerkannt wird. Sowohl die Vereinten Nationen als auch die Mehrzahl der Lรคnder, darunter die USA und Deutschland, folgen der Ein-China-Politik und rufen Peking auf, nur auf friedlichem Weg eine Wiedervereinigung anzustreben. Es bleibt abzuwarten, ob und wie lange Prรคsident Xi Jinping bereit ist, diesen Appellen zu folgen.

2 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Die Rhetorik der neuen Weltordnung: Die Keyplayer USA, China und Russland werfen sich gegenseitig vor, was sie selbst praktizieren (wollen). Das abseitige Europa, unterwegs auf sakraler Missionsreise ins Nirwana, beschwรถrt derweil seinen Fetisch Vรถlkerrecht.

    Es bleibt unterhaltsam.

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