Es gab eine Zeit – lang ist es her –, als die Linke Hoffnungen auf eine bessere Welt auslöste, als ihre Verfolgung in der Nazizeit, ihre Blutopfer und ihr Widerstand sie von allen Vorwürfen reinzuschwemmen schienen. Und doch war der Aufstieg der Nazis nicht allein auf das Konto des Versailler Raubfriedens und der in- und ausländischen Gelder aus der Hochfinanz für die NSDAP abzubuchen. Verantwortlich waren ebenso die bürgerlichen Parteien inklusive der verbürgerlichten Sozialdemokratie, aber auch die KPD einschließlich der kleinen linken Sekten. Die Heldenverehrung für Georg Elser verstellt seit Jahrzehnten den Blick dafür, dass die beiden größten linken Parteien, nämlich SPD und KPD, trotz ihrer paramilitärischen Einheiten keinen ernsthaften Versuch machten, den Kopf des deutschen Faschismus abzuschlagen. Ein halbes Dutzend entschlossener Spezialisten, vielleicht sogar ein fähiger und gut bewaffneter Einzeltäter, hätte ausgereicht. Die bitter Lektion war, dass diejenigen, die wie der Politgangster Erich Mielke lieber unliebsame Polizisten umbrachten, nach 1933 in den KZs, Zuchthäusern und Strafkompanien einen unglaublichen Blutzoll erbringen mussten. Von dieser Niederlage hat sich die deutsche Linke nie wieder erholen können. Von den Russen 1946 in Ostberlin installiert, schaffte es selbst die teils durch Zwang, teils durch Korrumpierung, teils durch leere Versprechen vereinigte SED in den vier Jahrzehnten ihrer Regierungsexistenz nicht, mehr als allenfalls ein Viertel der Bevölkerung für sich zu gewinnen. Auch wenn es nach 1953 keinen Aufstandsversuch mehr gab, so sprechen die Fluchtbewegung und die weitverbreitete Unzufriedenheit eine deutliche Sprache. Ohne allen Zweifel wäre es das Beste gewesen, im November 1990 die SED und jeden Versuch einer Wiederbetätigung zu verbieten und zugleich alle Gelder und Besitztümer der Partei in einen Fonds für die SED-Opfer zu überführen.
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