Das Problem der Entwicklungshilfe

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Von Karl Esche

Afrika ist arm und verschuldet, Europa ist es nicht. Alles in Afrika? Die zuvor genannte Behauptung trifft nicht auf alle Länder Afrikas zu, ebenso wie Europa leider nicht ausnahmslos wohlhabend ist. Dennoch fließt jährlich eine Summe von mehreren Milliarden Euro von Europa nach Afrika. Erstaunlicherweise führt diese Verschiebung von Finanzmitteln nicht zu einer Angleichung des Wohlstands. Umso erstaunlicher ist es, dass die afrikanischen Länder, die am meisten Geld empfangen, zu den ärmsten zählen. Häufig besteht ein Zusammenhang zwischen dem Einbruch des Wirtschaftswachstums und dem Beginn der geleisteten Entwicklungshilfe. Eine mögliche Ursache für die Armut mag darin begründet sein, dass jährlich Unsummen von Zinsen aus Staatsschulden aus Afrika an europäische und andere Gläubiger fließen, den beträchtlichen Sollsaldo zulasten Afrikas, welcher aus dem Austausch von Gütern zwischen beiden Kontinenten entsteht, nicht mitgerechnet. Die schädliche Wirkung der sogenannten Entwicklungshilfe soll an dieser Stelle näher betrachtet werden.

Zwar kann zeitlich begrenzte Hilfe eine Lage dauerhaft verbessern, etwa nach einer Katastrophe, als Starthilfe oder zur Überbrückung eines schwierigen Zeitraums. Doch dauerhaft schafft sie Abhängigkeiten. Schon das Wort „Entwicklungshilfe“ beinhaltet wörtlich, dass es sich um Hilfe, gegenüber Hilfsbedürftigen, zur Entwicklung handelt. Dass mittlerweile von „Entwicklungszusammenarbeit“ und in blumigsten Worten von Gleichheit und Kooperation gesprochen wird, verändert daran wenig. Doch Entwicklung wohin? In ein neues Europa, nur südlicher gelegen? Entwicklung zur sogenannten offenen Gesellschaft mit vor Kindern tanzenden Dragqueens, Incels und Masseneinwanderung?

Bedenkt man, dass etwa die Weltbank keine weiteren Kredite an Uganda ausgeben möchte, da dort seit 2014 Homosexualität strafbar ist und in Sonderfällen wie Missbrauch, Pädophilie und Vergewaltigung (auch bei heterosexuellen Tätern) die Todesstrafe angewandt werden kann, liegt der Verdacht nahe. Es ist die Sicht europäischer (und nordamerikanischer) Eliten, die bestimmen, was als entwickelt gilt. Die Vorstellungen und Werte anderer Völker zählen ebenso wenig wie die signifikanter Teile der eigenen Bevölkerung. Hier herrscht der Glaube vor, es gäbe nur eine richtige Entwicklung in der Menschheitsgeschichte, die idealerweise mit dem von Francis Fukuyama veranschlagten Ende der Geschichte abschließt. Wer sich dagegen stellt oder es anders möchte, sei rückständig, ungebildet und schlecht, kurz unterentwickelt.

Daher soll die an soziale Bedingungen geknüpfte Entwicklungshilfe die Empfänger in kleine woke Europäer verwandeln. In wirtschaftlicher Hinsicht zielen die Bedingungen für Zahlungen, weitere Kredite und Schuldenerlässe auf eine globale Öffnung nationaler Märkte ab. Was dazu führt, dass internationale Investoren, häufig aus den Geberländern, ehemals nationale Unternehmen und sogar Agrarfläche aufkaufen und damit dem Zugriff der Einheimischen entziehen. Ohnehin zielt ein wesentlicher Teil der Entwicklungshilfe darauf ab, die Interessen der Geberländer an günstigen Rohstoffen und Absatzmärkten für ihre Überproduktion zu befriedigen. Zumal selbst uneigennützige Hilfe aus weißer Sicht erfolgt und daher einheimische Gegebenheiten übersieht oder missachtet.

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Allzu häufig stützt die Entwicklungshilfe eine schlechte Regierung. Versäumte Verantwortlichkeiten der Herrscher werden von den Hilfsangeboten übernommen. Wodurch der politische Druck zur Veränderung abgemildert wird und Regierungen keine Notwendigkeit zur Verbesserung sehen. Von der Korruption, die durch die Geldschwemme entsteht, ganz zu schweigen. Die Zahlungen werden fester Bestandteil des Staatshaushalts der Empfängerländer. Auch die Privatwirtschaft leidet. Ein nationaler Unternehmer kann schlicht nicht gegen die kostenlose Konkurrenz aus einem Industrieland bestehen. So verwundert es wenig, dass unzählige Initiativen und Unternehmensgründungen daran zugrunde gegangen sind, dass genau ihr Produkt oder ihre Dienstleistung kostenfrei durch Entwicklungshilfe bereitgestellt wurde.

Die Folge ist, dass die Empfängerländer auf Zahlungen angewiesen sind, um sich ökonomisch überhaupt über Wasser halten zu können. Selbst die Entwicklungshilfe ist darauf angewiesen, dass die Empfängerländer arm und vermeintlich entwicklungsbedürftig bleiben. Denn wer braucht sonst ebenjene Hilfsorganisationen, welche allzu oft einen Networth von mehreren Millionen aufweisen? Daher verwundert es wenig, wenn die von Hilfsorganisationen bereitgestellten Daten Probleme aufzeigen, die nach eigener Analyse nur durch mehr Entwicklungshilfe gebändigt werden können.

Es sollte im Interesse der Europäer liegen, statt Geschenke zu verteilen und Anreize zum Auswandern zu setzen, die bestehenden Schulden zu erlassen und eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zu etablieren. Vorausgesetzt, dass die so oft erklärten Ziele, den Wohlstand der Welt anzugleichen und zu mehren, die Wirtschaftsmigration zu begrenzen und sich auf Augenhöhe zu begegnen, tatsächlich Ziele der Entwicklungshilfe sind. Darum erstaunt es, wenn unter anderem die EU afrikanischen Politikern wie Ibrahim Traoré feindselig gegenübersteht, welcher die Zahlungen aus Europa und den USA ablehnt und die nationale Wirtschaft Burkina Fasos ausbaut und diversifiziert.

Aber vielleicht liegt es auch daran, dass wir Europäer lieber günstigen Kaffee trinken, preiswerte Bananen essen, uns nicht um eine zukünftige Konkurrenz aus Afrika sorgen wollen und das wohlige Gefühl haben, als spendable Gutmenschen gebraucht zu werden.


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1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Zunächst einmal ist Europa auch hoch verschuldet; besonders die BRD.
    Und im Übrigen sollte die Entwicklungshilfe an Afrika komplett gestrichen werden.

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