von Rolf Stolz
Was bedeutet der Wahlsieg von Péter Magyar für uns Deutsche? Einerseits leben wir „weit vom Schuss“, andererseits haben die Strippenzieher in Ungarn eine Methodik ausprobiert, die auch auf uns zukommen kann. Blicken wir kurz zurück: Als sich 1980 die westdeutschen Grünen gründeten, waren die USA die einzige ausländische Macht, die ihre Leute in Machtpositionen zu bugsieren versuchte. Die Brüsseler Bürokraten produzierten manchen Mist, aber in die Machtzentren reichte ihr Arm damals noch nicht wirklich. Inzwischen ist der Einfluss der Europäischen Kommission allerdings so weit gewachsen, dass man sie als eine Art zusätzliche Besatzungsmacht wahrnehmen kann.
Anscheinend haben vor längerer Zeit Brüsseler Strippenzieher in einem Casting – ob nun gestützt auf künstliche Intelligenz oder freihändig – einen Kandidaten gesucht, der jung, schön, eloquent, scheinkonservativ und beeinflussbar genug ist, um nach zwei Jahren Dauerpropaganda und unter der vagen Versprechung der Zahlung zuvor widerrechtlich verweigerter Milliarden Forint ins Budapester Statthalteramt zu gelangen. In der Tat ist dieser Modellversuch (alles ein bisschen wie „Deutschland sucht den Superstar“) erfolgreich verlaufen. Nach den Lerngesetzen fordert dies zur Wiederholung heraus. Zumal die Nachbereitung der ungarischen Wahlergebnisse durch die etablierten Trommler diesen die Chance für neue Lügen bot: Angeblich hätten zwei Drittel der Ungarn Herrn Magyar gewählt. In Wirklichkeit waren es lediglich 3,3 Millionen (52,1 %), die Magyars Tisza-Partei aufgrund eines speziellen Wahlsystems zwei Drittel der Parlamentssitze bescherten – gegenüber 2,225 Millionen Orbán-Wählern (39,6 %) und 5,7 % für die MHM (Mi Hazánk Mozgalom, „Unsere-Heimat-Bewegung“). (Die MHM gehört wie die AfD im Europa-Parlament zu der Fraktion „Europa der Souveränen Nationen“. Allein das sollte genügen, um am Verbellen der MHM als „rechtsextrem“, nur weil sie ein Referendum über einen EU-Austritt fordert und sich nicht für die ominöse „LGBTQ+-Community“ begeistern kann, Zweifel anzumelden.)
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