Der peinliche Poschardt

in 4 min lesen

In seinem neuesten Kommentar in der „Welt“ beklagt Poschardt das „peinliche Vorfeld der AfD“, im Netz wurde der Kommentar noch zu „unappetitlich“ umgeändert. Heulsusig sei die Rechte, traumatisiert durch Ausgrenzung und Anklage, längst nicht mehr tragbar für eine AfD, die Regierungsverantwortung übernehmen wolle. Auf insgesamt vier Spalten tobt sich Poschardt mit spitzer Feder aus und beweist, dass er stilistisch doch einer der stärksten Kolumnisten der Trümmerrepublik ist. Und auch inhaltlich hat er einige Argumente: Tatsächlich krankt die AfD daran, bürgerlich nicht anschlussfähig zu sein. Das Auftreten diverser Orts-, Kreis- und Landesverbände mag für eingefleischte Patrioten überzeugend sein, für Vertreter der ominösen Mitte oder des Bürgertums ist es schlichtweg abschreckend. Es erinnert wahlweise an unorganisierte Rentnertreffs, eine Modeschau der schlechtesten Schneider Deutschlands oder ehemalige NPD-Stelldicheins. Zuletzt sprach ich mit Boris von Morgenstern im Podcast auch über den Europa-Politiker Arno Bausemer, der nicht nur seinen Lebenslauf fälschte und trotzdem ins EU-Parlament einziehen konnte, sondern auch noch Deutschlands Wahlplakatfreiheit mit dem Baseballschläger verteidigte und zuletzt gut betankt in einer Polizeikontrolle rausgezogen wurde. Das Gleiche gilt für das ominöse Vorfeld der AfD: In ewig ermüdenden Twitter-Diskussionen werden im Sektensprech Großmachtfantasien propagiert und Geschichtslarp betrieben. Seit Elon Musk Twitter von der linken Zensur befreit hat, dreht sich das „rechte Lager“ im Kreis – anstatt das Blatt zu wenden.

Wie auch immer: Die AfD und das ominöse Vorfeld, zu dem laut Campact auch unser Magazin zählt, haben ihre Schwächen. Doch das ist nichts, aber auch gar nichts gegen liberalkonservative Besserwisser, die sich in der ersten Hälfte ihres Lebens die Tinte vom Mainstream bezahlen ließen – nur um in der zweiten Hälfte genau diesen zu kritisieren und sich ihre Tinte trotzdem weiter von ihm finanzieren zu lassen.

Dieser Artikel geht weiter.
Für PLUS-Abonnenten.

Krautzone PLUS

✔ Schon ab monatlich 4 Euro
✔ Jederzeit kündbar (je nach Plan)
✔ Mit der Digitalausgabe kombinieren

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.