Der peinliche Poschardt

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In seinem neuesten Kommentar in der „Welt“ beklagt Poschardt das „peinliche Vorfeld der AfD“, im Netz wurde der Kommentar noch zu „unappetitlich“ umgeändert. Heulsusig sei die Rechte, traumatisiert durch Ausgrenzung und Anklage, längst nicht mehr tragbar für eine AfD, die Regierungsverantwortung übernehmen wolle. Auf insgesamt vier Spalten tobt sich Poschardt mit spitzer Feder aus und beweist, dass er stilistisch doch einer der stärksten Kolumnisten der Trümmerrepublik ist. Und auch inhaltlich hat er einige Argumente: Tatsächlich krankt die AfD daran, bürgerlich nicht anschlussfähig zu sein. Das Auftreten diverser Orts-, Kreis- und Landesverbände mag für eingefleischte Patrioten überzeugend sein, für Vertreter der ominösen Mitte oder des Bürgertums ist es schlichtweg abschreckend. Es erinnert wahlweise an unorganisierte Rentnertreffs, eine Modeschau der schlechtesten Schneider Deutschlands oder ehemalige NPD-Stelldicheins. Zuletzt sprach ich mit Boris von Morgenstern im Podcast auch über den Europa-Politiker Arno Bausemer, der nicht nur seinen Lebenslauf fälschte und trotzdem ins EU-Parlament einziehen konnte, sondern auch noch Deutschlands Wahlplakatfreiheit mit dem Baseballschläger verteidigte und zuletzt gut betankt in einer Polizeikontrolle rausgezogen wurde. Das Gleiche gilt für das ominöse Vorfeld der AfD: In ewig ermüdenden Twitter-Diskussionen werden im Sektensprech Großmachtfantasien propagiert und Geschichtslarp betrieben. Seit Elon Musk Twitter von der linken Zensur befreit hat, dreht sich das „rechte Lager“ im Kreis – anstatt das Blatt zu wenden.

Wie auch immer: Die AfD und das ominöse Vorfeld, zu dem laut Campact auch unser Magazin zählt, haben ihre Schwächen. Doch das ist nichts, aber auch gar nichts gegen liberalkonservative Besserwisser, die sich in der ersten Hälfte ihres Lebens die Tinte vom Mainstream bezahlen ließen – nur um in der zweiten Hälfte genau diesen zu kritisieren und sich ihre Tinte trotzdem weiter von ihm finanzieren zu lassen.

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Der zweite Teil des Artikels war höchst therapeutisch. Eine gnadenlos und völlig korrekte Abrechnung mit Poschardt
    Dem ersten Teil widerspreche ich: die angeblich NPD-ähnlichen Verbände werden höchstens mediale so dargestellt. Es sind absolute Ausnahmen. Ich empfehle hier mal selbst einen Besuch bei einem besonders abschreckend wirkenden Verband. Da wied einem selbst klar wie sehr man getäuscht wird.

  2. Die Poschardts, Fleischauers, Reichelts etc. konnten eigentlich aufgrund ihres von mir unterstellten IQs schon in ihrem „früheren“ Berufsleben erkennen, wem sie dienten und wohin die Reise mit Unterstützung ihres jeweiligen Arbeitgebers führen würde. Heute sind sie die nützlichen Feigenblätter, um aufwachende CDU-, FDP- und sonstige sich bürgerlich nennende Wähler vom Kreuz bei der Schwefelpartei fernzuhalten. Ein guter Beitrag, der lange überfällig war und diese Figuren zu entkleidet, wie es ihnen zukommt.

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