Quo vadis, CDU?

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Der CDU geht es nicht gut. Ihr momentaner Kanzler ist so unbeliebt wie keiner seiner Vorgänger, bei der letzten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gab es bekanntermaßen eine heftige Wahlklatsche, und nun zeigen auch die neuesten Umfragen zur Bundestagswahl, dass der Kurs der Merz-Union nur talwärts geht: Laut der Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung (GMS) bleibt die Union bei 20 Prozent, während die AfD erstmals in einer bundesweiten Umfrage 30 Prozent erreicht, bei YouGov fallen die Unionsparteien sogar auf 18 Prozent – womit sie sich dem Wahlergebnis aus Sachsen-Anhalt angleichen.

Geht man davon aus, dass, wie üblich, etwa ein Fünftel bis ein Viertel der Unionswerte durch die nur in Bayern antretende CSU beigesteuert wird, so muss man davon ausgehen, dass die CDU allein gerade noch auf ungefähr 15 Prozent der Stimmen kommt. Dementsprechend verwundert es einen wenig, dass es in der Union ordentlich rumort: Die Wochenzeitung „Die Zeit“ berichtete jüngst von Plänen innerhalb der CDU, einen Kanzlersturz vorzubereiten und die Regierung möglicherweise in einer Minderheitsregierung ohne den Koalitionspartner SPD fortzuführen.

Solch ein Vorhaben wird aber vehement dementiert. Die schwache Reaktion des Kanzlers auf den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt während der Generaldebatte hat ihr Übriges dazu getan, den Unmut seiner Parteigenossen auf sich zu ziehen. In Sachsen-Anhalt gibt es derweil die Spekulation, dass einige Untreue in den Reihen der CDU zur AfD wechseln könnten, um ihr somit die Parlamentsmehrheit für eine mögliche Regierung zu ermöglichen – aber auch hier werden solcherlei Pläne geleugnet.

Doch wie soll es sonst weitergehen? Der jetzige – also der bereits spätestens unter Merkel begonnene – Kurs hat die Union erst in diese für sie so ungünstige Lage gebracht. Eine Veränderung müsste eigentlich her für die Partei. Das denken sich bestimmt auch viele unter den jungen Leuten in der Union – die jungen Leute sind ohnehin keine begeisterten CDU-Wähler mehr, denn bei der Wahl in Sachsen-Anhalt erreichte die Partei lediglich fünf bis sechs Prozent der Wähler unter 35 –, von denen sich eine Dame in den letzten Tagen besonders einen Namen gemacht hat: Clara von Nathusius.

Sie ist die Bundesschatzmeisterin der Jungen Union (JU) und betreibt Accounts auf Instagram und Twitter, mit denen sie jeweils um die 100.000 Menschen erreicht. Nun war sie im „Bericht aus Berlin“ zu Gast, wo sie klar und deutlich macht, dass der bisherige Weg der „Brandmauer“, also die konsequente Abgrenzung von „extremistischen Parteien“ und besonders von der AfD, der falsche Weg war/ist:

„Ich glaube, dass die Brandmauer, und ich kann da jetzt nur für mich sprechen, ein gescheitertes Projekt ist. Wir haben die letzten Jahre explizit nur damit verbracht, zu definieren, gegen wen oder was wir sind, und nicht zu definieren, wofür wir stehen.“

Das mag stimmen: In Worten hat die Union tatsächlich nie eindeutig definiert, wofür sie steht, abseits von schwammigen Begriffen, aber umso mehr in ihren Taten bzw. Nicht-Taten – und dafür wird sie jetzt an der Wahlurne bestraft. Sondierungsgespräche mit der AfD schließt von Nathusius explizit nicht aus: „Ich finde, wenn wir eingeladen werden, sollten wir erst mal mit jedem sprechen. Und dann muss man schauen, was bei diesen Gesprächen tatsächlich bei rauskommt“, sagt sie.

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Weiterhin soll man die jüngeren Menschen da abholen, wo sie sich aufhalten: im Internet. Was allerdings weder beim „Bericht aus Berlin“ noch bei so manchen Axel-Springer-Medien erwähnt wird, ist die Loyalität von Clara von Nathusius, die bei Weitem nicht so festgefahren scheint wie der Kurs der CDU-Spitze: Anfangs war sie noch erklärte „Merkel-CDUlerin“, ehe sie später Merz für den „richtigen Mann zur richtigen Zeit“ hielt.

Wollen wir mal schauen, inwiefern sich die Gedanken einer Clara von Nathusius in der Partei durchsetzen werden. Sie hat ja recht, dass die Partei in den nächsten Jahren Opfer der überalterten Demografie und ihrer mangelnden Attraktivität für jüngere Leute sein wird – und das ist auch genau das, worauf ich hoffe.

Aber ein wenig liegt in ihr auch die Gefahr, dass sich ihre Ideen vielleicht doch durchsetzen könnten oder auch bei manch kurzsichtigem AfD-Politiker anklingen könnten: Sollte sich die CDU dazu durchringen, einen Kurswechsel zu machen und vielleicht sogar eine Koalition mit der AfD einzugehen, dann hätte dieses Bündnis das Potenzial, die Bestrebungen nach Remigration und der geistigen Erneuerung Deutschlands ernsthaft zu gefährden.

Wir konnten ja an unseren Nachbarn in Österreich mehrfach sehen, wie eine Koalition zwischen einer traditionellen, christdemokratischen und einer rechten/rechtspopulistischen Partei ausgehen kann, und wir dürfen es auf keinen Fall riskieren, dass es bei uns auf dasselbe hinausläuft: dass uns die CDU um des Machterhalts willen aussaugt, die Koalition durch einen fadenscheinigen Skandal zerbricht und wir am Ende die Wahl verlieren wie die FPÖ im Jahre 2019.

Daher erhoffe ich mir, dass sie an der Bräsigkeit und Schwerfälligkeit ihrer eigenen Partei scheitern wird – und wir es dann mit einer noch weiter geschwächten oder völlig bedeutungslosen CDU zu tun haben. Alles andere wäre mit einem Risiko behaftet, dessen Eingehen zu viel aufs Spiel setzen könnte.


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