Friedensdemo in Berlin

2. Mรคrz 2023
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Vergangenen Samstag fand in Berlin eine wahre Boomer-Wallfahrt statt: Der von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer organisierte โ€žAufstand fรผr den Friedenโ€œ lockte mehrere Tausend Menschen in die verdreckte Bundeshauptstadt โ€“ wie viele genau, weiรŸ man wohl selbst nicht: Die Polizei sagt 13.000, unser Rosa-Luxemburg-Abklatsch sprach von 50.000 Teilnehmern an der Demo. Nun ja, die Wahrheit liegt, wie man so schรถn sagt, wohl irgendwo dazwischen (vielleicht warenโ€™s 14.000?). Doch wollen wir uns dem quantitativen AusmaรŸ dieser Veranstaltung nicht lรคnger widmen, dafรผr aber umso mehr der Qualitรคt: Die Friedensdemo stellt einmal mehr und so deutlich wie lange nicht die Dimension der Absurditรคt im besten und schรถnsten Deutschland aller Zeiten dar: Es versammeln sich also jede Menge Boomer, die in ihrer naiv-pazifistischen 80er-Jahre-Mentalitรคt Friedensverhandlungen mit dem Aggressor eines vielleicht nicht unbegrรผndeten Angriffskrieges fordern, nur um dann von der geballten Presse als Nazis und Rechte bezeichnet zu werden. Ja, klar, nichts Neues unterm bundesrepublikanischen Himmelszelt, aber doch immer wieder befremdlich.

Nun ist es ja so: Die Demo war nicht nur wegen des Themas und der Botschaft โ€žumstrittenโ€œ (also vom Establishment nicht gern gesehen), sondern sowohl Schwarzer als auch Wagenknecht sind wegen ihrer ร„uรŸerungen zum Frauenbild (junger) muslimscher Einwanderer beziehungsweise ihrer Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung in Ungnade gefallen. Mit ihren Ansichten zum neuen Krieg im Osten und der ja durchaus richtigen Erkenntnis, dass der US-gefรผhrte Westen eine Mitschuld an der Eskalation trรคgt, beziehungsweise der Weigerung, in den Falkenmodus einer Marie-Agnes Strack-Zimmermann zu gehen, wurden sie auf die Abschussliste der Medien gesetzt โ€“ die รผblichen Diffamierungen folgten rasch.

Die Reaktion der beiden altlinken Damen war, wer hรคtte es gedacht: eine deutliche Distanzierung von rechts. Es ist natรผrlich nicht verwunderlich, sie sind ja auch nicht rechts, sondern links. Nur halt hรคretisch links. Daher war das auch keine รœberraschung, doch wirkt allein der Versuch so naiv und unschuldig: Als wollten sie versuchen, sich dadurch noch mal bei den Medien beliebt zu machen. Eine gern gewรคhlte Methode von Cucks und Schwรคchlingen, die โ€“ Gott sei Dank โ€“ in den seltensten Fรคllen funktioniert. Gerade Alice Schwarzer gรถnne ich den Druck des Establishments aus tiefstem Herzen; ich schaue gern zu, wenn Altlinke oder Zweite-Welle-Feministinnen von ihrer eigenen Revolution gefressen werden und nicht damit umzugehen wissen.


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Apropos โ€žumzugehen wissenโ€œ: Wie hat unsere Hauspartei eigentlich auf die Demo reagiert? Tja, man ist ihr in der AfD รคuรŸerst wohlgesonnen. Tino Chrupalla kรผndigte zum Beispiel an, das zwei Wochen vor der Demo erschienene โ€žManifest fรผr Friedenโ€œ zu unterzeichnen. Er baut damit das Image der Partei als Friedenspartei maรŸgeblich auf. Anfangs hielt ich das fรผr Dummheit und Naivitรคt, doch spรคtestens nach Hรถckes Aufforderung an Wagenknecht, sie solle doch โ€žzu uns kommenโ€œ, wenn sie sich denn wirklich fรผr einen Frieden zwischen Russland und der Ukraine einsetze, kann ich mir vorstellen, dass hinter all dem Friedensgemurmel und der Anschmeichelung an die Pazifisten eher kaltes Kalkรผl steckt: Wenn man das leprakranke Kind ist, mit dem niemand spielen mรถchte, dann kommt man eben zu jenen, mit denen man spielen mรถchte, nicht? Um diese holprige Metapher nรคher zu erlรคutern: Indem man sich als medialer Buhmann einer Seite annรคhert, hinter der ein nicht geringer Teil der Bevรถlkerung steht, und diese Seite dadurch ebenfalls ins Kreuzfeuer zieht, kann man einen gewissen Keil zwischen die einst einigermaรŸen geeinten Feinde treiben.

Ob das wirklich den Berechnungen einiger Politiker der AfD, insbesondere des Oberindianers aus Thรผringen, entspricht oder am Ende des Tages doch nur Boomer-Naivitรคt ist, sei mal dahingestellt: Eine mediale Wirkung hat es auf alle Fรคlle, und einige Stimmen von entnervten Unpolitischen kรถnnte es einbringen โ€“ sofern das alles nicht nach hinten losgeht, Wagenknecht ihre eigene Partei grรผndet und damit der AfD wieder wankelmรผtige Stimmen abgrรคbt, die, im vรถlligen Glauben an das parlamentarische System, ihre verschrobenen โ€žMeinungenโ€œ รคhnlich wie bei der Basis-Partei รผber die Parteirรคson stellen.

Zu guter Letzt: Ich bin froh, kein Pazifist zu sein. Mich hat der Glaube an das โ€žEnde aller Kriegeโ€œ und an โ€žFrieden schaffen ohne Waffenโ€œ schon immer ein wenig angeekelt, ohne groรŸartig darรผber nachzudenken, wieso. Mittlerweile betrachte ich den Krieg als eine unvermeidbare menschliche Konstante, als eine Art Naturgewalt: Herbeirufen will ich ihn nicht, doch wenn er kommt, so seien wir besser darauf gefasst โ€“ mit stoischer Ruhe. Klar lรคsst sich das leicht von einem Schreibtisch in einem warmen Zimmer sagen. Dennoch: Das ist doch allemal besser als die Falknerei des Establishments oder die Kindlichkeit des Pazifismus, oder? Zumal: Was ist, wenn wir als Rechte wirklich mal das Sagen haben und ein รคuรŸerer Feind, zum Beispiel China, in unsere Interessenssphรคre eindringt? Sollen wir dann unsere Waffen zu Pflugscharen machen oder den Atomkrieg eskalieren lassen? Wohl kaum. Ich glaube ja, dass beide Optionen in Zukunft ohnehin immer unrealistischer werden. Der Krieg wird lernen, die Atomwaffen zu umgehen โ€“ beispielsweise mit Drohnen. Und dann sollten wir auf die alten Rรถmer hรถren, die schon sagten: โ€žSi vis pacem, para bellumโ€œ.