Labubus – Wie bescheuert darf’s noch werden?

9. September 2025
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In der Popkultur wird seit langer Zeit davon fantasiert, was in einem postapokalyptischen Zeitalter einmal als Zahlungsmittel dienen kรถnnte. Schenkt man der โ€žFalloutโ€œ-Reihe Glauben, werden es etwa Kronkorken sein, wรคhrend โ€žMad Maxโ€œ den Handel mit Schrottteilen von Autos vorhersagt. Was sich schon wรคhrend des Schwanengesangs der Zivilisation zur Ersatzwรคhrung mausert, scheint sich jedenfalls langsam herauszukristallisieren: Labubus.

Labubus sind auf niedliche Weise hรคssliche Plรผschmonsterchen. Sie kommen aus China und entspringen eigentlich Kinderbรผchern, wurden von Influencern aber von einem Spielzeug fรผr kleine Kinder zum Trend und Statussymbol emporgehoben. Der Gag ist dabei, dass man die Katze im Sack kauft: ร„hnlich wie bei Pokรฉmon-Karten vertreibt der Hersteller โ€žBlind Boxesโ€œ, deren Inhalt Hunderte Euro wert sein kann (die teuerste jemals verkaufte Puppe erreichte umgerechnet knapp 150.000 Euro), aber auch nur fรผnf. Zudem werden einzelne Modelle absichtlich verknappt, um ihren Preisen auf dem Weiterverkaufsmarkt und damit dem Hype weiteren Auftrieb zu geben.

In Berlin hat gerade das bundesweit erste Geschรคft erรถffnet, in dem Deutsche die chinesischen Plรผschtiere direkt vom Hersteller erwerben kรถnnen. Guckt man sich die Schlangen an, in denen zur Erรถffnung bis zu 15 Stunden lang ausgeharrt wurde, um zehn Minuten lang ins Geschรคft zu kรถnnen, fรคllt einem auf: Familien mit Kindern sind die absolute Seltenheit, die meisten dort sind wohlstandsverwahrloste Millennials. Schreitet er in seinen Zwanzigern und DreiรŸigern nicht auf einem logischen Lebensweg voran und stellt sich mit der Grรผndung einer Familie der nรคchsten echten Herausforderung, scheint der Mensch oft das Bedรผrfnis zu entwickeln, selbst wieder zum Kind zu werden, zumindest feierabends.

Selbst der Louvre in Paris verkauft inzwischen eigene Sondereditionen wie das โ€žMona Lisaโ€œ-Labubu oder eine dem Gemรคlde โ€žDas Mรคdchen mit dem Perlenohrringโ€œ nachempfundene Version. Frรผher waren es chinesische Fรคlschungen westlicher Produkte, die unsere Mรคrkte fluteten. Heute fรคngt der amerikanische Zoll am Flughafen von Seattle 11.000 als LED-Glรผhbirnen deklarierte Labubu-Fรคlschungen im Wert von einer halben Million Dollar ab. Die chinesische Regierung rรคt, die im Original vorhandenen neun Zรคhne zu zรคhlen und auf ihre Spitzheit zu รผberprรผfen, da die Fรคlscher gerne bei diesen Details schlampen.

Auch Skandinavien hat die Modeerscheinung wie ein Gรผterzug erfasst. In der Region Stockholm gibt es mit 27 Prozent den hรถchsten Anteil im Ausland geborener Einwohner in ganz Schweden. Der Untergang einer westlichen Gesellschaft dรผrfte an wenigen anderen Orten so greifbar sein. Eine Schule im Sรผden der Stadt macht nun mit Schlagzeilen auf sich aufmerksam, die zur Abwechslung aber nichts mit Islamismus, sexueller oder Messer-Gewalt oder dem grassierenden Granatenproblem (ja, Schweden hat ein Granatenproblem) zu tun haben, sondern mit Labubus.

Nicht nur ist dort ein betrรคchtlicher Hehler- und Fรคlschungsmarkt entstanden, es haben sich Labubu-Gangs formiert, die auf Basis der rarsten Modelle als Statusobjekte um Dominanz ringen: Es gebe โ€žMacht-Hierarchien und Klubs, in denen nur Kinder mit Labubus willkommen sindโ€œ, so der Rektor. Manche Kinder trauten sich daher ohne entsprechend begehrte Exemplare nicht mehr zur Schule. Zuletzt hielt man die Eltern an, mit ihrem Nachwuchs ein aufklรคrendes Gesprรคch รผber die Labubu-Gefahr zu fรผhren und ihm das Mitbringen der Stofftiere auszureden.

Wรคhrend die schwedische Jugend also mit einer Flut zu betrรคchtlichen Teilen feindselig eingestellter Migranten konfrontiert ist, hat sie an dieser Schule alle Hรคnde voll damit zu tun, ebendiesen geklaute oder gefรคlschte chinesische Plรผschmonster abzukaufen, um in der Puppen-Hackordnung nicht unter die Rรคder zu kommen. Generation Z wirkt ja manchmal schon in gruseligem MaรŸ entrรผckt von jedem unironischen Wertegerรผst und dem Ernstnehmen der Welt um sie herum; in einem Wort: abgestumpft. Doch durch wie viele Ebenen Zynismus und Ironie Kinder, die unter solch clownesque-dystopischen Umstรคnden aufwachsen mรผssen, die Welt einmal betrachten werden, kann man nur vage erahnen.

In den frรผhen 2000ern hรคtte man sich einen zunehmenden subversiven Einfluss von China auf westliche Kultur wohl anders vorgestellt, als sie in Form von Softcore-Pornografie auf TikTok und Sammlerplรผschtieren fรผr Erwachsene bislang Gestalt angenommen hat. Und wรคhrend sowohl durch Kurzvideos vorangetriebene Hypersexualisierung und Geschlechtsverwirrung als auch Infantilisierung durch Kinderspielzeug nach dem Dogma der im Westen herrschenden Mรคchte gar nicht als Bedrohung wahrgenommen werden kรถnnen, zielt EU-Kritik an TikTok grรถรŸtenteils auf unzureichende Zensur europรคischer Nationalisten ab.

China betreibt unterdessen eine eigene TikTok-Version fรผr den inlรคndischen Konsum, in der patriotische Inhalte die Norm darstellen und die gerade angesprochene Degeneration, mit der der westliche Konsument beschallt wird, gegen die Richtlinien verstรถรŸt. Als zerstรถrerischsten Akt gegenรผber den westlichen Konkurrenten erachtet man offenkundig, genau die Kultur und Weltanschauung zu befeuern, der unsere Herrscher ohnehin schon anhรคngen.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Siehe das Aufkommen von Tamagotchis und Pokemon wรคhrend meiner Schulzeit. Mein Elternhaus hat mich davor bewahrt und dafรผr danke ich. Es folgte und folgt Modeerscheinung um Modeerscheinung. Es steht und fรคllt mit dem Elternhaus und damit auch mit der Gesellschaft. Denn das Elternhaus ist die Wurzel der Gesellschaft. Alles verbieten, dass Kind vor allem bewahren, ist wohl genauso kontraproduktiv, wie alles erlauben, seinem Kind dem kompletten geisteskranken Aussetzen. Alles in maรŸen ist gesund, die Dosis macht das Gift. Vielleicht abgedroschene Sprรผche, aber oft auch passend.

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