Es ist bei Weitem kein Geheimnis mehr, dass die evangelischen Landeskirchen jeglichen Bezug zum traditionellen Glaubensverständnis verloren oder absichtlich begraben haben. Einige wenige konservative Ausnahmen wird es noch geben, aber ansonsten sind sie völlig auf Abwegen: So wurde auf der Bühne des Kirchentages vor drei Jahren mit Stolz und unter Jubel verkündet, dass Gott „queer“ sei – und noch viele Absurditäten mehr. Wer nun aber glaubt, dass die römisch-katholische Kirche in Deutschland besser dran sei, der irrt – das hat sie beim katholischen Pendant zum Evangelischen Kirchentag, dem Katholikentag, einmal wieder mehr als deutlich bewiesen. Der Katholikentag fand zwischen dem 13. und 17. Mai unter dem Motto „Hab Mut, steh auf!“ in Würzburg statt und bot seinen Besuchern ein irritierendes wie verstörendes Angebot an Vorträgen und Veranstaltungen an, die denen des Evangelischen Kirchentages nicht nachstehen dürften.
Allein die allüberfassende Botschaft des Kirchentages „Hab Mut, steh auf!“ dürfte in dem geneigten Zwischen-den-Zeilen-Leser gewissen Unmut erwecken. Denn wer damit angesprochen werden soll und was mit diesen Worten gemeint ist, wird schnell klar: Jene Klientel, die den Kern „unserer Demokratie“ und der sogenannten „Zivilgesellschaft“ bildet, die für ein ewiges Weiter-so steht und jegliche Reformideen von rechts zu verhindern versucht.
Die Kirchen sind sich ihres schwindenden Einflusses bewusst, doch wissen sie keine Antwort auf die Frage, wie sie für die Gesellschaft wieder attraktiv sein könnten. Über leere Floskeln kommen die Kirchen-Obersten in Deutschland selten hinaus: Der Gastgeber des Katholikentages, Bischof Franz Jung, sagt angesichts der schwindenden Kirche, dass man bereit sein müsse, „in der Gesellschaft als Kirche Gesicht zu zeigen“ und „sich den Fragen der Menschen zu stellen“.
Wie immer hat er damit nichts gesagt. Aber um deutlich zu machen, wie sehr sich diese Nichtssagerei auch in den Projekten niederschlägt, hier einmal das Beispiel der „Demokratiekirche“: Dies war ein interaktives Projekt in der gotischen Marienkapelle, bei dem Besuchern verschiedene Workshops zu „Menschenwürde, Teilhabe und Verständigung“ angeboten wurden. Man dürfte dabei nichts großartig anderes erfahren haben als das, was einem ohnehin sonst auch um die Ohren gehauen wird: Demokratie und Menschenwürde sind das höchste Gut, zum Glauben gehören irgendwie alle, egal, was sie tun oder nicht tun, und rechts ist abgrundtief böse. Organisiert wurde das Projekt übrigens nicht vom Bistum Würzburg alleine, sondern mithilfe der „Jugendbildungsstätte Unterfranken“, einer von EU- und Steuergeldern finanzierten, linksradikalen NGO, oder wie es bei der „Tagesschau“ heißt: „einem Player der Zivilgesellschaft“.
Dass die offizielle – und ich betone: offizielle – katholische Jugend in Deutschland den Linkskurs ihrer Kirche nicht nur mitträgt, sondern noch vorantreibt, ist leider keine große Überraschung. Die Geistliche Leiterin des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Lisa Quarch, spricht sich etwa für eine besondere Methode aus, um mehr junge Menschen der katholischen Kirche vertraut zu machen: Man solle doch die Sängerinnen Ikkimel und Nina Chuba einladen. „Die haben beide Songs im letzten Jahr herausgebracht, wo christliche Motive drin waren“, sagte Quarch laut „Spiegel“. Das mag stimmen, aber dass das Christentum bei diesen Damen nicht besonders gut wegkommt, dürfte Frau Quarch doch allerdings ebenfalls aufgefallen sein, oder? Mir ist zudem nicht klar, inwiefern eine vor der Gottesmutter twerkende Ikkimel jungen Menschen die katholische Lehre vermitteln soll.
Der Vatikan ist mit der Entwicklung der katholischen Kirche in Deutschland angesichts all der Irrwege eher weniger zufrieden. Schon der synodale Weg, dessen Erfolg den deutschen Katholizismus wohl in eine evangelische Kirche 2.0 verwandeln würde, ist in Rom ungern gesehen. Nun steht auch die Segnung von homosexuellen Paaren oder Paaren mit einem geschiedenen Partner einem ruhigen Verhältnis mit Rom im Wege. War Papst Franziskus in dieser Hinsicht noch halbwegs tolerant, so ist Leo XIV. strenger. Tatsächlich ist Leo wesentlich entspannter im Umgang mit den konservativen Strömungen innerhalb der katholischen Kirche und auch offener im Gespräch mit konservativen oder rechten Politvertretern.
Während etwa die AfD samt ihren Abgeordneten vom Katholikentag von vornherein ausgeschlossen war, empfing Leo am 15. Mai den AfD-Bundestagsabgeordneten Malte Kaufmann in Rom. „Ich habe ihm erklärt, dass die AfD für die Familie und christliche Werte kämpft. Er war froh, dies zu hören, und hat sich dafür bedankt“, schrieb der Politiker auf seinem Twitter-Profil. Das ist vielleicht nichts Weltbewegendes, aber immerhin ein gutes Zeichen.
Und wer noch eine weitere, sogar größere weiße Pille nach dem Katholikentag braucht: Die diesjährige Chartres-Wallfahrt, eine von katholischen Traditionalisten organisierte und stets zu Pfingsten stattfindende Pilgerwanderung von Paris ins nordfranzösische Chartres, zog in diesem Jahr 20.000 Wallfahrer an – ein neuer Rekord. Und das Beste ist: Das Durchschnittsalter der Teilnehmer ist unglaublich jung. Es ist also vielleicht noch nicht alles verloren…

