Zündeten Israel und die USA die Migrationswaffe?

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Spaniens Mittelmeer-Exklaven, Ceuta und Melilla, wurden Ende letzter Woche von Zehntausenden Migranten überrannt. In diversen Videos ist zu sehen, wie Lastwagenladungen junger nordafrikanischer Männer systematisch an die marokkanische Grenze gekarrt werden. Die Regierung in Rabat schob die Migranteninvasion also mit an und trat sie aller Wahrscheinlichkeit nach sogar los. 

Spaniens linksgerichtete Regierung reagierte erwartbar irre: Sie entsandte unbewaffnete Soldaten an den Strand, die die eine oder andere Wasserflasche verteilen durften, während sie der Landnahme resigniert beiwohnen mussten.

Präsident Sánchez erklärte, 7.000 „Minderjährige“ auf dem spanischen Festland aufnehmen zu wollen. Zeitgleich bekundete man am Wochenende, die Situation leise und elegant bereinigt zu haben: Nahezu alle seien wieder in der Heimat.

Die zu erwartenden hässlichen Bilder, wenn das Militär Zehntausende hochaggressive und teils mit Hieb- und Stichwaffen ausgestattete Marokkaner zusammengepfercht und abgeschoben hätte, blieben jedoch aus. Und so überraschte es kaum, als Martin Sellner und Maximilian Märkl am Sonntagabend „Allahu akbar“ grölende Horden zeigten, die weiterhin ungestört durch Ceuta marschierten.

Doch wer ist verantwortlich? Normale Staaten (von denen im Westen wenige übrig sind) hätten selbstredend auf unschöne Bilder gepfiffen und augenblicklich (abschreckende) Tatsachen geschaffen. Und auch wenn die EU auf ein hartes Vorgehen verschnupft reagiert hätte, stellt das hier nicht den Kern von Madrids Beweggründen dar. Der liegt in seiner Weltanschauung, in mantraartig zur Vielfaltsliebe verklärtem Hass auf das Eigene.

Das anzuerkennen bedeutet aber nicht, blind gegenüber dem größeren Bild zu sein. Das da wäre: Diese Invasion ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von Trump und Israel abgenickt oder sogar in die Wege geleitet worden, um ein Exempel zu statuieren, weil Spanien in Sachen Gaza- und Irankrieg querschießt.

Marokko unterzeichnete 2020 zusammen mit vier anderen Regionalmächten das Abraham-Abkommen mit den USA und Israel, welches den Grundstein für vermehrten Handel, militärische Zusammenarbeit und ein gemeinsames strategisches Vorgehen legt. Sein BIP stieg seitdem von 121,4 auf 195 Milliarden Dollar an, was einem Zuwachs von 57 Prozent entspricht. Milliarden-Investitionen der amerikanischen Regierung, besserer Anschluss an westliche Märkte und eine Vervielfachung des Handels mit Israel dürften dies begünstigt haben.

Dass Rabat ohne den Segen Amerikas und Israels einen direkten Verbündeten Ersterer mit hybriden, paramilitärischen Mitteln angreift, ist fast ausgeschlossen. Die USA könnten durch die Weigerung, Ersatzteile und Software-Updates bereitzustellen, vereinfacht gesagt Marokkos Militär „abschalten“, das zu knapp 60 Prozent amerikanisches Gerät einkauft. Den dritten Platz seiner Rüstungsimporte belegt Israel.

Die Motivlage ist offensichtlich: Spanien torpediert sowohl Trumps Irankrieg als auch den israelischen Krieg in Gaza. Madrid untersagt die Nutzung spanischer US-Militärbasen und sperrt den spanischen Luftraum für amerikanische Jets. Nicht nur verursacht das Mehrkosten und Mehraufwand; diesen Ungehorsam zu tolerieren, wäre ein gefährlicher Präzedenzfall mit möglicher Sogwirkung auf weitere europäische Partner.

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Israels Gaza-Kampagne bezeichnet Sánchez unterdessen nicht nur beharrlich als Genozid, sondern er brachte 2025 ein Waffenembargo auf den Weg, das selbst die Passage von Treibstoff für Israel durch spanische Häfen unterbindet. Hier gilt selbiges: Kein kritischer Schaden für Netanjahus Kriegsbemühungen, jedoch wäre das Signal verheerend, wenn dieser Schritt dauerhaft ungesühnt bliebe.

Die mit Abstand beliebteste Nachrichtenseite Israels heißt „Ynet“. Nicht nur erreicht sie mehr als doppelt so viele Klicks wie die zweit- und drittplatzierten „Walla!“ und „Mako“, sie sticht selbst die Zahlen von Wikipedia und Instagram zusammen aus. 

Ihr Besitzer, Medienmogul Arnon Mozes, steht seit über fünf Jahren vor Gericht. Der Vorwurf: ein Deal mit der Netanjahu-Administration, der die Drosselung der Reichweite eines Konkurrenzmediums im Austausch für ausnahmslos regierungsfreundliche Berichterstattung vorsah. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens ist die allgemeine Wahrnehmung, dass „Ynets“ Artikel grob die Regierungslinie widerspiegeln.

Im April dieses Jahres erschien dort der Artikel „Abraham-Übereinkunft greift auf die Meerenge (von Gibraltar) aus: Wie Israel Marokko helfen kann, seinen Norden zurückzuerobern“. Und nicht nur wird dort das Geschehen der vergangenen Tage vorweggenommen, es wird durchaus stichhaltig mit israelischen Interessen begründet:

Spaniens Querstellen im Irankrieg versetze Israel in „eine einzigartige Druckposition“: Die Abraham-Übereinkunft habe eine „operative Dreiecksbeziehung zwischen Washington, Jerusalem und Rabat erzeugt, in der „Israels Stimme disproportionales Gewicht zufalle. 

Signale Israels hinsichtlich eines „Verschmelzens strategischer Interessen mit denen Marokkos entfalteten „in Washington, wo Israels Einfluss beträchtlich ist, große Kraft, weil Trump „die Erweiterung der Abraham-Übereinkunft in den Mittelpunkt seiner außenpolitischen Vision gestellt habe.

Dieser könne durch die Bestrafung eines abtrünnigen Bündnispartners signalisieren, dass die Treue neuer, außereuropäischer Partner reich belohnt würde, während Israel sich für die Anprangerung und Blockade seines Vorgehens in Gaza auf (der Eigenwahrnehmung nach) karmische Weise rächt:

Der Widerspruch, dass Spanien Israels Siedlungspolitik anprangert, während es Exklaven auf dem afrikanischen Kontinent besitzt, sei „potent und müsse „immer wieder auf internationaler Bühne wiederholt werden. Letztlich solle Marokko seine Territorialansprüche mit „nicht-militärischen, demografischen Mitteln durchsetzen, während Israel die Rolle eines diplomatischen Lautsprechers in einer Koalition, die Rabats Position ohnehin wohlwollend gegenübersteht einnimmt.

Dass Trump, dem viele weiterhin eine Überfremdungs-Umkehr betreffende Heilsversprechen abkaufen, ausgerechnet Masseneinwanderung einsetzt, um Europa durch ein Exempel an Spanien in geopolitische Geiselhaft zu nehmen, ist ein verheerendes Signal.


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