Unser Volk löst sich selbst auf

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Anläßlich seiner ersten Kader-Nominierung als neuer Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sprach sich Jürgen Klopp für einen „positiven Patriotismus“ aus. In einer Grundsatzrede im Frankfurter DFB-Zentrum mit anschließender Pressekonferenz erklärte er am 17. September, er wolle den Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen:

„Ich würde mir oder uns gerne die Fahne zurückholen. Ich möchte, daß wir sie immer so schwingen, daß niemand denkt, was mit dir nicht in Ordnung ist. Sondern daß man einfach nur das Gefühl hat, du bist happy und verstehst, daß du Glück hattest, in diesem wundervollen Land geboren, aufgewachsen und zugezogen bist. Ich kann stolz darauf sein, deutsch zu sein und trotzdem offen und vielfältig und nett, freundlich.“

Unter der Rubrik „Endlich mal einer, der Tacheles redet“ stieß Klopps Appell bei 44 Prozent der Leserschaft bei FOCUS online auf Zustimmung. Viele erinnerten dabei an die gelöste Stimmung des „Sommermärchens“ von 2006 und sahen in Klopps Aussage, Nationalstolz nicht „den falschen Leuten“ zu überlassen, einen Beitrag zu gesellschaftlicher Zuversicht. Gleichzeitig verbanden manche Klopps Appell aber auch mit Kritik an linken Positionen, indem sie forderten, wer die schwarz-rot-goldene Flagge zeige, dürfe nicht automatisch stigmatisiert werden.

Vor einem Jahr schrieb der Autor dieser Zeilen an gleicher Stelle, das Deutschland der Gegenwart sei schon lange nicht mehr das seine, denn aus der einstigen Heimat sei für ihn mittlerweile nahezu eine Fremde geworden. Daran hat sich bis heute nichts geändert – natürlich nicht, denn es gibt keine Partei, die der Auflösung des deutschen Volkes Einhalt gebieten könnte. Das Gegenteil ist der Fall. Als banales Beispiel möge ein Artikel in der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) vom 1. Oktober dienen. In der Herbert-Tschäpe-Grundschule in Blankenfelde-Mahlow, so das Provinzblatt in einem Beitrag über rechts motivierte Straftaten an Brandenburgs Schulen, haben Kinder im Rahmen der Aktionsgemeinschaft „Schule ohne Rassismus“ im Flur eine Weltkarte gestaltet, die die Herkunftsländer der Schüler und ihrer Familien verzeichnet. Stolz teilte eine Pädagogin der MAZ mit:

„Wir haben Klassen, in denen wir 15 bis 17 verschiedene Herkunftsländer haben. Mit der Karte wollen wir zeigen, wie vielfältig wir als Schulgemeinschaft sind. Wir üben, Haltung zu zeigen und nicht wegzuschauen.“

Christian Demmelmeier, Mitglied des Brandenburger Verfassungsschutzes, hält derartige Initiativen für wichtig. Zwar, so räumt er gegenüber der MAZ ein, fallen Lehrpläne nicht in seinen Zuständigkeitsbereich, politische Bildung und Medienkompetenz an Schulen seien jedoch unverzichtbar. Man könne „auch mal einen Text von Goethe weglassen und sich lieber mal mit Memes und dem Erkennen von Fake News in den sozialen Medien beschäftigen“. (Da braucht man sich über die PISA-Resultate nicht zu wundern!)

In Berlin, einer Stadt mit fast vier Millionen Einwohnern, haben etwa 42 Prozent einen Migrationshintergrund. Bei der jüngsten Abstimmung zum Abgeordnetenhaus versprach die Linke, sich für ein Wahlrecht unabhängig vom Paß einzusetzen – für alle, die länger als fünf Jahre in der Hauptstadt leben. Von einer deutschen Identität kann längst keine Rede mehr sein.

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Der rapide Abstieg der Bonner Altparteien CDU, SPD und FDP zugunsten des kometenhaften Hochschnellens der AfD könnte trotz allem das ermutigende Zeichen einer allmählichen Kehrtwende sein; das ängstliche Zagen und das tägliche Versprühen von Haß und Hetze seitens der etablierten Eliten spricht dafür. Nicht umsonst warnte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 28. September anläßlich des 75jährigen Jubiläums des Karlsruher Verfassungsgerichts:

„Wir leben in einer Zeit, in der politische Kräfte erstarken, die Front machen gegen eine liberale Ordnung. Das Grundgesetz gilt für alle und in allen deutschen Ländern!“

Die Betonung dieser Selbstverständlichkeit sorgte angesichts einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt für besonders heftigen Applaus. Steinmeier fuhr fort, „Vulgärdemokraten“, die aus Mehrheiten und angeblichem Volkswillen Ansprüche auf „unbeschränkte Macht“ ableiten und von „illiberaler Demokratie“ reden, rufe er zu:

„Demokratie ist entweder liberal oder sie ist keine Demokratie.“

Selbstverständlich gibt es auch konservative Demokratien. Aber wer Politiker, die im Volk die Mehrheit der Stimmen erringen, als „Vulgärdemokraten“ abkanzelt, ist ein „Elitärdemokrat“, der gemeinhin als Autokrat bezeichnet wird. Kein Wunder, daß gerade jetzt eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe ein AfD-Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht anstrebt.


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