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Buchkritik: “Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf” (Robert Habeck)

24 Min lesen

Unser geschätzter Autor U. B. Kant hat einige Bücher von Robert Habeck zusammengeklaut, um sich ein eigenes Bild von dessen schriftstellerischen Künsten zu verschaffen. Ausgangspunkt dieses Vorhabens war die Frage, weshalb sich die etablierten Medien – immerhin offene Unterstützer des schöngeistigen Wirtschaftsministers – mit Rezensionen zu dessem Œuvres bisher zurückgehalten haben. Nun, Kant stieß schnell auf die Antwort…

„Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf“ ist ein Roman von Robert Habeck und Andrea Paluch aus dem Jahr 2005. Protagonistin und Ich-Erzählerin ist die dreifache Mutter und Witwe Helene. Im Jahr 2008 verfilmte der SWR den Roman unter der Regie von Matthias Luthardt.

Handlung (Vorsicht, Spoiler!):

Schon wieder ist jemand ertrunken. Dieses Mal Robert selbst. Er hinterlässt drei kleine Kinder und die trauernde Witwe Helene bei Aurich. Robert war Ingenieur. Kurz vor dem Beitritt Zyperns zur EU war Robert beauftragt, einen Windradpark im Mittelmeer zu errichten, das zentrale Schlüsselprojekt der EU. Beim Schiffstransport der gigantischen Rotorblätter kam ein Sturm auf. Die Rotorblätter lösten sich und rissen Robert angeblich von Bord. Seine Leiche wurde nie gefunden. Kritische Journalisten finden Anhaltspunkte für einen Mordanschlag der Öl-Bosse und Atom-Lobbyisten, um den Ausbau der erneuerbaren Energien zu sabotieren.

Anderthalb Jahre später ist Helene eine starke alleinerziehe Frau, die Beruf und Familie unter einen Hut bringt. Als Ingenieurin setzt sie Roberts Kampf für erneuerbare Energien fort. Aus England erreicht sie ein Großauftrag: Für ein Gezeitenkraftwerk im niedersächsischen Wattenmeer soll Helene einen Staudamm errichten, der von Borkum über Juist bis Norderney reicht.

Doch Helenes Kräfte schwinden. Da lädt ihr langjähriger Verehrer, der sie noch immer anschmachtende Matthias, Helene in die Hamburger Oper ein. Matthias ist ein großer, athletischer Dirigent, dem ein Haus in München gehört und dessen Karriere ihn von Basel und Freiburg über Frankfurt und Hamburg bis an die Opernhäuser in New York und Tokio führte. In New York und Tokio kann Matthias sich Hotels und Restaurants leisten, die viel zu teuer sind, als dass ein einziger Reiseführer sie auch nur erwähnte. Helene liest regelmäßig in der Zeitung über ihn. Selbstredend findet ein großer, athletischer Mann von solchem Status keine Frau. Er spart sich auf für eine gestresste Alleinerziehende, die stramm auf die vierzig zugeht, ihm bereits mehrere Körbe gab, einem anderen Mann drei Kinder geboren hat und unter ihren vielen Schwangerschaftsstreifen leidet. Auf Roberts Beerdigung spielte Matthias anrührend Klavier.

Nach langem, konfliktbeladenem Zögern entschließt sich Helene, Matthias‘ Einladung anzunehmen. Auf der Autofahrt nach Hamburg grübelt Helene über die vorbeisausenden Autofahrer nach. Was, wenn Helen unter ihnen eine dieser besten Freundinnen fände, mit der sie sich über ihre Menstruationsbeschwerden austauschen könnte?

Im Hamburger Opernhaus trifft sie Matthias, der frisch aus dem NDR-Studio herüberkommt. Beim Pausensekt nach dem ersten Akt der „Entführung aus dem Serail“ begegnen Helene und Matthias einem gutaussehenden Mann. Es ist Robert! Oder doch nicht? Er sieht Robert zum Verwechseln ähnlich, hat seine meerblauen Augen und Grübchen am Kinn, spricht mit seiner Stimme. Ihn begleitete eine höchst attraktive Blondine im engen roten Abendkleid. Sie ist um so viele Jahre jünger als Helene.

Während des zweiten Aktes schleicht Helene sich ins Foyer. Dort knickt sie auf ihren Pumps um. Eine Seitentür öffnet sich und der zweite Robert eilt zur Hilfe. Er nennt sich Torben. Helene sei ihm bereits in der Pause aufgefallen. Der Gong zur zweiten Pause ertönt und die höchst attraktive Blondine im enganliegenden roten Kleid stößt dazu. Torben stellt die beiden Damen einander vor. Die Blondine heißt Claudia. Helene beharrt darauf: Torben heiße Robert, sei ihr Mann und Vater ihrer drei Kinder! Torben verneint. Daraufhin verabredet sich Claudia mit Helene auf der Damentoilette. Beide Frauen sind sich auf Anhieb sympathisch. Claudia erzählt, sie kenne Torben erst seit drei Monaten. Beide arbeiteten in einem Unternehmen für Kommunikationsberatung.  

Torben gehöre zu jener Sorte Männer, wie sie die Firma brauche: Schnelle Kontakte knüpfen, eingeschliffene Erwartungen widerlegen, jederzeit in der Lage, seinen eigenen Tod vorzutäuschen. Wer sich gefälschte Urkunden besorgen könne, sei höher qualifiziert als derjenige, der sie rechtmäßig erworben habe. Außerdem habe Torben einen Flugzeugabsturz über dem australischen Busch überlebt, bei der europäischen Biolandbauvereinigung gearbeitet und im NATO-Hauptquartier. Claudia und Helene tauschen die Platzkarten, damit Helene im dritten Akt neben Torben sitzen und ihn besser begutachten kann. Während des dritten Aktes fordert Helene Torben auf, sich einem Gentest zu unterziehen.

Nach dem dritten Akt verlässt das vom bildungsbürgerlichen Dünkel geprägte Publikum den Saal. Bevor der Menschenschwall folgen kann und Claudia in Sichtweite gerät, zerrt Helene Torben ins Foyer. Da Torben davon ausgeht, seine Freundin werde ohne ihn nach Hause fahren, folgt er Helene hinter die Kulissen…

Im Foyer an der Bar treffen sie Claudia und Matthias wieder. Zwar hatte Matthias vor seinen Karrieresprüngen nach New York und Tokio auch in Hamburg dirigiert, Fotos seiner Hamburger Premieren schmücken noch an diesem Abend das Foyer, doch selbst nach dem dritten Akt erkennt kein einziger Operngänger den neuen Furtwängler wieder. Selbst unter den Sängern hinter der Bühne hat sich nicht herumgesprochen, wer heute Abend im Publikum saß. Matthias ist niedergeschlagen, doch Claudia unbesorgt. Im folgenden Gespräch stellt sich heraus: Weder Robert noch Torben haben Zwillingsbrüder. Immerhin diesen Plot-Twist erspart uns Habeck.

Claudia und Torben ziehen von dannen in eine Diskothek auf St. Pauli. Nachdem Helene Matthias beim gemeinsamen Abendessen in der öffentlichen Opernkantine abserviert hat, folgt sie Claudia und Torben. Auf der Tanzfläche freut sich Claudia darüber, ihre Nebenbuhlerin endlich wiederzusehen. Sie habe sich mit Torben gestritten, denn Torben sei Robert und Helene seine Frau! Abgang Claudia.  

Torben weint dem Fräulein Schiffer keine Träne nach, denn vorhin sei ihm etwas eingefallen. Vor zwanzig Jahren habe Torben in der Hamburger U-Bahn während eines Halts im benachbarten Zug ein wunderschönes Mädchen gesehen, in das er sich auf Anhieb verliebte. Das Mädchen habe einen grauen Wollpullover getragen und die Stirnsträhne um den Zeigefinger gewickelt. Die in unterschiedliche Richtungen abfahrenden Züge zerrissen das nur sekundenlange Liebesglück.  Heute Abend habe er das Mädchen von einst wiedererkannt. Da erinnert sich auch Helene wieder ganz genau: Vor zwanzig Jahren fuhr sie einmal in der Hamburger U-Bahn, trug dabei einen grauen Pullover und wickelte die Stirnsträhne um den Zeigefinger. An das Gesicht ihres verflossenen Liebhabers, mit dem sie während ihres Au-pair-Jahres in Kopenhagen zusammen war und den sie auch im anschließenden Studium wiedersah, kann sich Helene dagegen nicht erinnern.

Helene und Torben ziehen sich auf das Doppelzimmer eines Hotels zurück. Beim Einchecken stellt Helene die eindeutige Identität der Handschriften von Torben und Robert fest, obwohl Robert die Feder stets mit Eifer und verwischt führte, während Torben besonnen und deutlich schreibt. Die beiden haben Sex miteinander. Helene ist sich unsicher, ob sie mit demselben Mann schläft, von dem sie bereits drei Kinder empfangen hat. Die Erleuchtung kommt Helene, als sie gegenüber Torben ankündigt, noch heute Nacht Richtung Ostfriesland aufzubrechen. Doch Torben weiß: Helene ist nachtblind und kann jetzt nicht mehr fahren. Woher sonst könnte Torben von Helenes Nachtblindheit wissen?

Daher fährt Torben sie noch in derselben Nacht zurück. Und zwar mit 300 km/h. Im Morgengrauen erreichen sie das familiäre Haus.  In der Küche betrachtet Torben nur diejenigen Möbelstücke, welche Helene nach Roberts Tod anschaffte. Robert will die Polizei rufen, damit sie ihn verhaftet und den geforderten Gentest durchführt. Helene nimmt ihm das Handy aus der Hand. So viel Gewissheit verkraftet sie nicht. Auf der Treppe laufen drei aufgeregte Kinder zu ihnen herunter…


Die Herrschaft des Volkes

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Stil:

Ich habe die GEZ-Verfilmung nicht gesehen, doch während des Lesens liefen in meinem Kopfkino verschiedene Arten von Szenen ab:

Zunächst die Klamauk-Szenen:

„Der Elbtunnel schluckt mich mit leisem Plopp.“

S. 46

„Der leere Klappsessel neben mir kommt mir vor wie ein erhobener Mittelfinger.“

S. 54

„Der Sekt hüpft in meiner Kehle.“

S. 63

Dann die Horror-Szenen:

„In meinem Körper verlieren Muskeln und Sehnen ihre Spannung, verflüssigen sich Lipide und Knorpel. Mein Körper schmilzt an mir herab, bis ich nur noch ein Bündel von Nerven bin.“

S. 65

Seine Augen glühen, seine Wangen sind gerötet. Ich schließe die Augen. Keine Bilder zu sehen ist befreiend. Hinter den flackernden Mustern der Netzhaut versuche ich mich zu konzentrieren. Ich bin in ein paralleles Leben geraten. Als Jugendliche erlebte ich so etwas öfter.“

S. 85

Insgesamt überwiegen klar die melodramatischen Szenen. Sie verursachen einen 172 Seiten anhaltenden Fremdscham.

Insbesondere, wenn eine Figur ihrem Gegenüber unaufgefordert die eigene Pappkulisse erklärt.  

Zum Beispiel Matthias: Kurz bevor Helene ihn in der Kantine versetzt und noch ein Rosenverkäufer zur Steigerung der Spannung herhalten muss, erzählt Matthias ihr:

„Als ich dich heute sah, eigentlich schon, als ich beim Pförtner war und wusste, dass du die Karte abgeholt hast, da fühlte ich mich so, wie ich mich mit zwanzig gefühlt habe, weißt du, als wir Zimmernachbarn im Wohnheim waren. Damals war es so, als sei die Wirklichkeit eine einzige Chance, als könnte ich an jedem Tag die Richtung meines Lebens ändern, als wäre vieles möglich und wenig zu verantworten [hier unterbricht Helene und bittet ihn ausdrücklich um ein „Aber“, Anm. Redaktion] Aber in dem Moment, in dem du sagtest, Robert ist hier, war alles wieder weg. Mein Leben ist nicht mehr jung und unentschieden. Ich bin fast an der Hälfte meines Lebens angekommen. Die wichtigen Entscheidungen sind gefällt. Ich bin nicht ausgewandert und habe auch nicht Selbstmord begangen, ich werde nicht mehr mit vielen Frauen ins Bett gehen, ich habe keine Kinder.“

S. 116 f.

Wie, nicht ausgewandert? Also doch nicht den Sprung nach New York und Tokio geschafft? Das könnte erklären, weshalb Helene in ihrem ostfriesischem Käseblatt regelmäßig über Matthias liest. Und warum für Matthias das Waldorf Astoria in New York noch zu billig ist, er die Frau seines Lebens aber in eine öffentliche Betriebskantine ausführt, zu der selbst Rosenverkäufer Zutritt haben. Und selbst in der Opernkantine ist „Mister Metropolitan“ ein Niemand.

„Du weißt, dass ich in dich verliebt war und es noch immer bin und immer wieder bin.“

S. 117

Oder die Dame in Rot: Auf der Toilette erklärt sie erst die dubiosen Einstellungspraktiken ihrer Kommunikationsberatung Import/Export:

„Mein Job verlangt von mir unentwegte Distanzierung. Im gewissen Sinne haben wir eine derart kühne Spielanordnung, wie ich sie mir nie erträumt hätte.“

S. 81

… und erzählt anschließend einen Schwank aus ihrem Leben:

„Als ich fünfzehn war und alle ihre ersten Freunde mit nach Hause schleppten, als die Eltern sich nicht mehr trauten aus dem Haus zu gehen, weil ihre Töchter schon mit pickligen Halbstarken bereitstanden, die Bierdosen in einem Zug aussoffen, um danach Wettrülpsen zu veranstalten, suchte ich mir einen Brieffreund in Südafrika. Ich verliebte mich in ihn. Und weil ich wusste, dass wir uns nie sehen würden, beschrieb ich ihm nicht nur mein Leben, sondern auch meinen Körper. Ich hoffte nur, meine Mutter würde diese Briefe nie zu Gesicht bekommen. (…) Na ja, irgendwann stand er plötzlich vor der Tür. Und er war kein Typ, den ich mit gut mir Bierdose und Pickeln vorstellen konnte. Ich glaube, um zu lieben braucht man die Entfernung und die Ausweglosigkeit, sie zu überwinden. Ein bisschen habe ich bei Torben das Gefühl, dass er nie ganz da ist.“

S. 82

Was sagt Torben dazu?

„Mein ganzes Leben habe ich versucht, keine Spuren zu hinterlassen. Schon in der Schule wollten alle berühmt werden, Fußballer oder Rockstars, ich wollte mich nur immer wieder dünne machen können. Ich wollte auf keinen Fall etwas Bleibendes schaffen oder so berühmt werden, dass sich noch nach dreihundert Jahren irgendwer an mich erinnert. Ich habe mich nie an einen Beruf gebunden, ich habe immer nur so viel Geld verdient, wie ich brauchte, um mich wieder absetzen zu können Ich habe meine Wohnungen meist möbliert gemietet, häufig in Hotels, noch lieber aber unter freiem Himmel gewohnt. Irgendwann wusste ich, dass ich allein sein kann. Es war kein Abenteuer mehr (…) Kurz vor dem Aufprall der Cessna habe ich das Steuer doch rumgerissen (…) Irgendetwas hat mich im Leben gehalten. Ich habe zwar keine Ahnung, was es war, würde es aber gerne wissen (…) Ich bin hier, weil es das Beste ist, was ich tun kann.“

S. 163

Ja, Nahtoderfahrungen können zu den erstaunlichsten Erkenntnissen führen:

„Als ich in Australien zu den Sternen aufsah, wurde mir klar, dass die drei Weisen aus dem Morgenland die Krippe mit dem Heiland nur gefunden haben, weil sie aus dem Südosten kamen. (…) Verstehst du, wenn ein vierter König den Weihnachtsstern ebenfalls gesehen hätte, wenn er aber in Hamburg oder Bremen oder irgendwo nördlich von Bethlehem gewohnt hätte und er hätte sich wie die Weisen aufgemacht, ihm zu folgen, wäre er vermutlich nach Island oder Grönland gereist.“

S. 164

Alles klar: Torben ist Robert. Wenn in Roberts Geschichtsbild die Deutschen vor 1000 Jahren alle Bäume gefällt haben, dann existierten vor 2000 Jahren auch schon die Hansestädte Bremen und Hamburg.

Aber immerhin, solange die anderen reden, kann Helene keine inneren Monologe führen. Schlimm genug, wenn sie in den theologischen Diskurs einsteigt:

„Entweder bedeutet das, dass die Erlösung, die der Gott des Christentums auf die Erde brachte, nur für auserwählte Menschen gedacht war, oder aber, dass jeder, der sich auf den Weg macht und dem Stern folgt, irgendwo eine Krippe finden kann. (…) Wenn König Nummer vier aber keinen Stall und keine Krippe findet (…) und immer weiter dem Stern folgt, was dann?“

S. 165

Ich muss gestehen: Ich weiß es nicht. Dabei weiß Helene doch sonst so genau, wie Reisen für gewöhnlich enden:

„Ich bin die Frau, die ihren Mann nach langer Reise vom Bahnhof abholt, Liebende, die sich lange nicht gesehen haben, er der verlorene Sohn, der Gefangene aus einem sibirischen Straflager, der gerettete Robinson Crusoe mit Haaren, so lang, dass man einen Pferdeschwanz binden könnte.“

S. 74

Und das ist nur ihre aktuelle Selbsteinschätzung. Kaum eine Seite, auf der sie nicht in Erinnerungen schwelgt:

„Die gestutzten Rosen gaben dem Tag etwas Pathetisches. Ich dachte in Worten wie Wachstum, Blüte und Kraft, erlebte das Licht als Klarheit, fühlte die Gegenwart mit einer Mischung aus Dankbarkeit und der Sehnsucht nach Dauer. Alles war richtig. Mareike atmete tief, die Erde war schwer, die Katze lag auf den warmen Steinen und betrachtete mich mit schläfrigen Augen. So war unser Leben. Schlafwandlerisch glücklich. Wenn wir uns das klarmachten, Robert und ich, dann hatten wir Angst, irgendwelche antiken Götter würden uns beobachten und neidisch werden. Selbst dass wir älter wurden und die Zeit rasch verging, erlebten wir als Gemeinsamkeit und konnten es annehmen.“

S. 30

Und dann erst die Tage ihres gemeinsamen Studiums der Ingenieurswissenschaften. Dieses Studium bestand aus: Weintrinken, Zigaretten drehen, geheime Nachtische in der Wohnheimküche schmausen, israelische Soldatinnen flachlegen, israelische Soldatinnen für ihre Treue zur israelischen Regierung tadeln, eine progressive Hochschulgruppe gründen, die zuvor bestehenden sieben Hochschulgruppen links überholen, über den Hochschulrektor schimpfen, Brecht-Aufführungen im Theater ansehen, nach durchtanzten Nächten im kalten Fluss baden, nach kaltem Bade Roberts Glied beim Schrumpfen zusehen, die verflossene Liebe aus dem Au-pair-Jahr in Kopenhagen wiedersehen, heimliche Zeit mit der verflossenen Liebe verbringen, die Zeit vor den Semesterferien im Freibad verbringen, die Zeit während der Semesterferien in Irland verbringen, Eisenbahnfahrpläne für Reisen in den Norden studieren, wochenlang für die nächste Reise ein- und dann doch wiederauspacken, in der Schweiz wandern, nach Florenz trampen, nach Mailand trampen, nach Bologna trampen, nach Lucca trampen …

… sag mal Helene, bist Du Dir sicher, dass ihr nicht vielleicht doch Philosophie und Politikwissenschaften studiert habt?

Denn philosophieren kann sie ja, die Helene:

„Und trotzdem, trotzdem ist die verwirrende Ähnlichkeit zwischen beiden nicht der einzige Grund. Nicht mehr. Ich kann es mir nicht besser erklären, aber es liegt wohl daran, dass ich jetzt in Kategorien der Ähnlichkeiten denke und nicht mehr der Gleichheit.“

S. 162

Mit den Kategorien der Logik stehen sie und Robert dagegen auf Kriegsfuß:

„Aus den anderen Zimmern hörten wir die Kinder schlafen. Hanna atmete so lautlos wie immer (…).“

S. 7

Und mit denen der Physik auch:

„Wenn eine Nutzung der Gezeiten die Energie der Erdbewegung umwandelt, dreht sich die Erde dann wegen des Energieverlustes langsamer um ihre eigene Achse? Werden die Stunden länger, in Folge davon die Temperaturunterschiede extremer? Wird der Abstand zum Mond größer, weil die Rotation den Trabanten nicht mehr halten kann? Vielleicht würde eine Veränderung der Gezeiten sogar die Umlaufgeschwindigkeit um die die Sonne verlangsamen. Man könnte die Erde bremsen. Und mit der Erde würde schließlich die Zeit stillstehen. Wenn Roberts ertrunkene Seele im Wasser ist und meine auf der Erde, würde ich die Hilfskonstruktion eines Dammes befürworten, um seine Energie für mich nutzbar zu machen.“

S. 29

Fazit:

Ein Groschenroman für alle, die in einem wirren Frauenkopf gefangen sind.   

4 Comments

  1. Ich verstehe immer noch nicht, ist der neue Mann der Ehemann oder nicht? Und wenn nicht, was ist dann die Moral von der Geschichte? Jeder ist austauschbar?

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