Buchkritik: Ruf der Wölfe (Robert Habeck)

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Unser geschätzter Autor U. B. Kant hat einige Bücher von Robert Habeck zusammengeklaut, um sich ein eigenes Bild von dessen schriftstellerischen Künsten zu verschaffen. Ausgangspunkt dieses Vorhabens war die Frage, weshalb sich die etablierten Medien – immerhin offene Unterstützer des schöngeistigen Wirtschaftsministers – mit Rezensionen zu dessem Œuvres bisher zurückgehalten haben. Nun, Kant stieß schnell auf die Antwort…

Ruf der Wölfe“ ist ein Kinderbuch von Robert Habeck und Andrea Paluch aus dem Jahr 2020. Protagonist und Ich-Erzähler ist der am Rande zur Pubertät stehende Schüler Jan aus der schleswig-holsteinischen Gemeinde Hasenmoor, Landkreis Segeberg. 

Handlung (Vorsicht, Spoiler!):

Dezember 2017, wenige Tage vor Heiligabend. Schnee ist gefallen. Noch unbemerkt zieht ein Wolf seine Kreise durch die Wälder Hasenmoors. Jan hat die undankbare Aufgabe, nach dem Kinobesuch von „Star Wars: Die letzten Jedi“ die anstehende Geburtstagsfeier seiner kleinen Schwester vorzubereiten. Die wünscht sich eine Schnitzeljagd mit ihren Freundinnen im Wald. Jan verabschiedet sich von seinem Freund Lasse, kauft Marzipanschweine und radelt allein zum Waldesrand. Die Dunkelheit ist bereits angebrochen, als Jan dem Wolf begegnet. Er lässt den Rucksack mit den Marzipanschweinen fallen und flüchtet sich aus dem Wald zu seinem Fahrrad. Unversehrt erreicht Jan sein Elternhaus. Dort klingelt ein Polizist und informiert die Familie über das Raubtier, welches die Wälder heimsuche. Nun muss Jan zugeben, das Biest gesehen zu haben. Der Polizist beruhigt die Familie. Schon morgen schwärmten die ersten Jäger aus, um das Biest zu erlegen.

Am nächsten Tag ist der Wolf Gesprächsthema Nummer Eins auf Pausenhof und Schulflur. Der Biologielehrer fordert Jan auf, seine Begegnung mit der Bestie zu schildern, was Jan gern und voller Übertreibungen tut. Doch da hat Jan die Rechnung ohne seine Mitschülerin, die kluge Clara, gemacht. Clara, die selbst dem Biologielehrer Flora und Fauna erklären kann, entlarvt Jan als Märchenonkel. Der Wolf fürchte sich vor dem Menschen mehr als umgekehrt und sei ein im Grunde harmloses Wesen. Nur der Mensch töte aus Vergnügen. Jan und Clara kommen sich rhetorisch heftig in die Haare, derweil die kichernden Klassenkameraden munkeln. Zu Recht, denn bereits in der folgenden Pause beschließen Clara und Jan, die bevorstehende Englischstunde zu schwänzen und gemeinsam den einsamen Wald aufzusuchen. Indes zerstreitet sich Jan mit Lasse. Unter einer Kastanie finden Clara und Jan Wolfsspuren im Schnee. Den Spuren folgend, begegnen Clara und Jan einem finster dreinblickenden Polizisten, einen nicht minder bedrohlichen Jäger und einem Spießgesellen mit Hornbrille und Parka. Die drei Unholde geben Clara und Jan zu verstehen, sie sollten das Weite suchen. Daraufhin lädt Clara Jan in ihr veganes Lieblingscafé ein, in dem die beiden rätseln, ob ein Wolf wohl unter Tierschutz stehe. Ihre Internetrecherche erleichtert und bedrückt zugleich. Nein, Wölfe dürften grundsätzlich nicht abgeschossen werden, es gäbe aber Ausnahmen. Um die zu erfahren, ruft Clara bei der Gemeinde Hasenmoor an und erkundigt sich nach dem zuständigen Sachbearbeiter für Jagdrecht, einem gewissen Herrn Nocke. Der sei im Moment aber nicht erreichbar.

Am darauffolgenden Schultag verliert Jan nicht lediglich das Volleyballspiel gegen Clara. Er gibt der Lokalzeitung ein Interview, dieses Mal faktentreu. Überdies machen Clara und Jan die Bekanntschaft mit einem modernen Großwildjäger, Herrn Dr. Koopmann. Der möchte den Wolf retten, indem er ihn lebend fängt und in dessen eurasische Heimat zurückverfrachtet. Aber Dr. Koopmann ist pessimistisch, den das Umweltministerium in Kiel brauche noch etwas, um das Schießverbot zu erwirken. Bis dahin könnten ausgeschwärmten Jäger vollendete Tatsachen schaffen.

In diesen verschneiten Vorweihnachtstagen planen Clara und Jan einen gemütlichen Abend zu zweit. Die Mediathek des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bietet eine Dokumentation über Wölfe an, die sich das das junge Noch-nicht-ganz-Pärchen ansehen möchte. Aber es soll anders kommen. Zufällig sehen Clara und Jan, wie die Polizei unter großem Einsatz den Hof des Bauern Jessen umstellt. Angeblich habe der Wolf dort Hühner gerissen. Doch Clara weiß es besser. Die Hühner, ohnehin skandalös eng eingepfercht, sind einem Iltis oder Wiesel zum Opfer gefallen. Die verriegelte Stalltür hätte ein Wolf nicht durchbrechen können. Erneut bildet sich eine Phalanx aus Jägern und Polizisten. Sie frohlocken, da Bauer Jessens gerissene Hühner die willkommene Erlaubnis zum Abschuss der Bestie mit sich brächten.

Auf dem Heimweg wirft Clara Jan Verrat an der gemeinsamen Sache, Desinteresse am Wolf und Selbstgerechtigkeit vor. Nicht einmal die Verlockungen der ARD-Mediathek können Clara aufmuntern. Daheim berichtet Jans Vater, wie sich der Pöbel bereits auf dem Marktplatz zusammenrotte, um den Wolf zur Strecke zu bringen. Herr Nocke von der Gemeinde habe den Schießbefehl erteilt.

Und es kommt noch schlimmer. Am nächsten Morgen titelt die Lokalzeitung mit Jans Interview. Die Schmierfinken reißen Jans Aussagen aus dem Zusammenhang und dramatisieren wie einst Jan im Biologieunterricht. Nun sieht Jan seine Felle bei Clara endgültig davon schwimmen. Nur eins kann Claras Herz zurückerobern: Die Rettung des Wolfes. Auf einer verschneiten Waldlichtung findet Jan ein Autowrack, das den Wolf angelockt hat. Mensch und Tier stehen sich kurz gegenüber, ehe Jan den Wolf vertreiben kann. Keine Sekunde zu früh, denn die Bluthunde der Treibjäger haben bereits Witterung aufgenommen. Unter Lebensgefahr lockt Jan die Treibhunde aus dem Wald. Zurück im Gehölz findet Jan einen großen Fangkäfig, in dem der Wolf seinen Jägern wehrlos ausgeliefert wäre. Jan versucht, den Köder zu entfernen, schließt sich dabei aber selbst in der Falle ein und bricht sich einen Arm. Die Nacht zieht herauf. Noch einmal begegnen sich Jan und der Wolf. Sicher im Käfig, reicht Jan dem Wolf das Fleisch durch die Gitterstäbe, ehe er ohnmächtig wird.

Als Jan erwacht, trägt er einen Gips und liegt im warmen Krankenhaus. Clara wartet am Bettrand auf ihn. Sie und Dr. Koopmann hatten Jan zwischenzeitlich gefunden und den Wolf per Betäubungsschuss vor den Jägern gerettet. Der Wolf befindet sich auf dem Weg in seine eurasische Heimat.

Clara erzählt ihre Version der Geschichte. Als Jan nicht zur Schule erschienen war, fuhr sie mit Dr. Koopmann ebenfalls in den Wald. Das Autowrack hatte Bauer Jessen bewusst im Wald abgestellt, um den Wolf eine Todesfalle zu stellen. Nur Jans Ablenkungsmanöver für die Treibhunde rettete den Wolf vor den Flinten seiner Jäger. Da flog die Verschwörung auf: Herr Nocke von der Gemeinde ist der Spießgeselle mit der Hornbrille und dem Parker. Der Verantwortliche für die Erteilung der Jagderlaubnisse ist selbst ein Jäger!

Den Käfig aber hatte Dr. Koopmann aufgestellt, um den Wolf lebend zu fangen. Ironie der Geschichte: Die Falle für den Wolf wurde zur Falle für den Menschen. Bauer Jessen geht es jetzt an den Kragen. Die Tierschutzbehörde hat Wind von seiner Tierquälerei bekommen und wird ihm das Handwerk legen. Doch Clara weiß: Es gibt noch viele Bauer Jessens da draußen. Genug zu tun für unser junges Liebesglück.

Stil:

Die Gattung des Kinderbuches wird literarisch oft unterschätzt. Sie untergliedert sich in echte und unechte Kinderbücher. „Harry Potter“, „Momo“ oder „Der kleine Prinz“ haben zwar kindliche Helden, bleiben aber unechte Kinderbücher. Das Kind ist im unechten Kinderbuch zwar idealerweise ein Charakter, sein Alter aber lediglich der Aufhänger einer Handlung, die über den kindlichen Horizont hinausgeht.

„Ruf der Wölfe“ ist ein unechtes Kinderbuch. Und zwar eines der stumpfesten Sorte. Wie schon in „Zwei Wege in den Sommer“ und „Sommergig“ bleibt Habeck seiner Unart treu, tote Marionetten als lebende Kinder zu verkleiden. Dabei gleicht eine der anderen.

Jan wird später genauso ein Versager werden wie Max aus „Zwei Wege in den Sommer“ und insbesondere Tom aus „Sommergig“. Alle negativen Eigenschaften und Idiotien der Oberstufenschüler Max und Tom sind beim Mittelstufenschüler Jan angelegt. Jan hat nicht einen männlichen Freund. Lasse, den einen Pseudo-Freund, vergrault er noch dazu. Wie immer der Grund: Ein Mädchen mit pastoralem Charakter. In Habecks Büchern hebt der Junge das Mädchen stets auf ein goldenes Podest, ordnet seine Interessen den ihrigen unter und glaubt, sie durch Gefolgschaft zu beeindrucken. Die Schuld für ihre Launen und Stimmungsschwankungen sucht er stets bei sich. Nie können Jungen in sportlichen Wettkämpfen Mädchen schlagen. Sie können den Beruf ihres Vaters nicht beschreiben und sich allgemein nur schlecht artikulieren. Ihr Rumpeldeutsch bleibt hölzern. Derartige Jungenfiguren sind bei Habeck Helden.



Wo Habecks Hirnwäsche sich nicht schlüssig aus der Handlung ergibt oder Habeck einfach nur abstrakte Bewerbungsschreiben an die Pflichtstoffkommissionen der Kultusministerien abschicken will, da muss auch Jan mal wieder innere Monologe führen:

„Er [Anm. der Red.: Herr Franke, der Erdkundelehrer] meint auch, dass durch die Klimaveränderung die Winter in Zukunft milder werden. Auch Hitzewellen, Überschwemmungen und Dürren werden keine Seltenheiten mehr sein. Ich habe aber mal was anderes gelesen: Wenn die Eisberge am Nordpol schmelzen, weil es zu warm wird, dann verteilt sich das ganze Schmelzwasser im Meer und macht den warmen Golfstrom nieder, der von Amerika kommt und dafür sorgt, dass es hier keine Mammuts mehr gibt. Und ohne Golfstrom kühlt Europa aus wie eine gigantische Gefriertruhe. Ich denke an meinen Vater. Der hat neulich gesagt, dass weltweit immer mehr Menschen wegen der Klimakrise ihre Lebensgrundlagen verlieren und fliehen müssen. Er ist Volkswirt und rechnet die unmöglichsten Dinge aus. Meistens sitzt er in seinem Arbeitszimmer am Computer und schaut sich seitenweise Statistiken an. Als ich ihm das mit der Klimaverschiebung erzählt habe, hat er genickt und gesagt: „Vielleicht wird Deutschland ja wieder zur Steppe.“ Aber ich glaube, er hat unrecht. Ein Teil des Landes säuft ab, der andere wird zu einer riesigen Schneewüste.“

Und dabei sind wir erst auf Seite 17 angekommen. In einer Ausgabe, die erst auf Seite neun mit dem Prolog beginnt. Jans Ich-Erzählung setzt auf Seite elf ein. Und bringt der Sohn seine erste Freundin mit nach Hause, reden seine Eltern so mit ihr: 

„Mein Vater setzt sich später an den Tisch und redet mit ihr über seine neuste Statistik, nach der der Fünfjahresplan bald deutlich übererfüllt wird. Erika scheint das nicht langweilig zu finden. Im Gegenteil. Sie taut richtig auf. „Ich habe mal gelesen, dass auch die Lehrer für Marxismus-Leninismus zur Planüberfüllung beitragen“, erklärt sie eifrig. Mein Vater nickt. „Ja, dadurch entstehen eine Menge Arbeiter und werktätiger Bauern.“ Schuldbewusst schielt er auf die Klassiker abendländischer Geistesgeschichte vor 1917 in seinem Bücherregal. „Und nachdem ich einen Film über die Ausbeutung der BRD-Arbeiterklasse im Ludwig-Erhard-Kapitalismus gesehen habe, ist mir der Unternehmergeist endgültig vergangen“, fährt Erika fort. „Seitdem esse ich keine Bananen mehr. Und bin Schild und Schwert der Partei.“

Ach nein, falsch. In der Bücherkiste schon wieder danebengegriffen. Das stammt aus der Pfarrhausbibliothek des „roten Kasner“ im brandenburgischen Templin der 1960er-Jahre.  An Habecks Küchentisch führen angeblich echte Menschen solche Gespräche:

„Mein Vater setzt sich später zu ihr an den Tisch und redet mit ihr über seine neuste Statistik, nach der Deutschland wieder zur Steppe wird. Clara scheint das nicht langweilig zu finden. Im Gegenteil. Sie taut richtig auf. „Ich habe mal gelesen, dass auch die Massentierhaltung zur Klimaerwärmung beiträgt“, erklärt sie eifrig. Mein Vater nickt: „Ja, dadurch entstehen eine Menge schädlicher Treibhausgase.“ Schuldbewusst schielt er auf die Salamischeibe auf seiner Pizza. „Und nachdem ich einen Film über Tiertransporte und Schlachthöfe gesehen habe, ist mir der Appetit endgültig vergangen“, fährt Clara fort. „Seitdem esse ich kein Fleisch mehr. Und bin Mitglied bei PETA.“

S. 66 f.

Ansonsten erfährt der Leser, dass Jan Clara insgeheim zustimmt, dass er sich bei „McDoof“ (S. 67) in Zukunft lieber Apfeltaschen statt Burger bestellen wird und die Schlagsahne auf dem Kakao in Claras veganem Lieblingscafé rein pflanzlich war. 

Immerhin: Nach der Lektüre von „Ruf der Wölfe“ wissen die Zielgruppenleser in den Kinderstuben mit den abgedrehten Heizungen, dass sie nur wegen des Golfstroms wie in einer Gefriertruhe hausen. Und immerhin weiß der inzwischen zum Bundeswirtschaftsminister aufgestiegene Habeck, dass ein Volkswirt „die unmöglichsten Dinge ausrechnet“.

Fazit:

Wie soll der Leser einen Helden mögen, der „Star Wars: Die letzten Jedi“ für einen guten Film hält? 

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