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Der politisch-mediale Komplex und seine Feinde

8. September 2023

Es war vor wenigen Wochen ausgerechnet einer dieser „Asisender“, der zeigte, wie man als Medienunternehmen mit Lügnern und Betrügern in den eigenen Reihen umgeht: RTL trennte sich frist- und schmerzlos von Maurice Gajda, nach dem dieser einen gefälschten Twitter-Beitrag der ehemaligen AfD-Chefin Frauke Petry in der Sendung „Explosiv Weekend“ präsentierte. Gajda ist einer von vielen, vielen Journalisten, die dem verfemten Begriff Lügenpresse – geadelt zum Unwort des Jahres 2014 – seine Daseinsberechtigung geben.

Bevor unser Staat dazu ansetzte seinen Untertanen jedes wohlbegründete Ressentiment und jede gesunde Skepsis abzuerziehen, war der Journalismus im ganz Allgemeinen eine verruchte Zunft, nicht einmal Journalisten hätten das bestritten. Das Vorurteil gegen sie ist wohlbegründet, der sich daraus ableitende Abstand zum Gelesenen, Gehörten und Gesehenen unterscheidet den mündigen Bürger von der unmündigen Arbeiter- und Konsumdrohne.

Wie bereits erwähnt, die Sache mit Gajda ist abgehakt. Man verliert kein Wort mehr darüber. Grund dafür ist die enorm hohe Dichte medial produzierter Skandale, die in diesem Sommer auf Ottonormalmichel einprasseln: Da ist etwa die Causa Lindemann, die Affäre Aiwanger und eben – brennend heiß! – der Fall Böhmermann/Schönbohm/Faeser.

All diese drei Fälle haben im Kern eines gemeinsam: Medienmenschen verbreiten Behauptungen, die im besten Falle nicht gedeckt, im schlimmsten Falle glatt erlogen sind. Diese Behauptungen richten sich gezielt gegen eine Person mit hohem gesellschaftlichen oder funktionellem Status. Dieser Person wird nicht einfach irgendetwas unterstellt, nein: Sie wird als Zielobjekt markiert und dann mit einem politisierten Problemfeld in Verbindung gebracht, an dem sich dann eine regelrechte Industrie aus Sozialingenieuren, Pseudoexperten und (angeblich) Betroffenen abarbeiten kann. Es gibt ein Problem „das uns alle betrifft“ – aber zum Glück auch eine passende Lösung.



Wäre Lindemann einfach nur betrunken Auto gefahren – stattdessen zwang er weibliche Fans angeblich systematisch zum Sex. Es geht also um patriarchalische Unterdrückung, die nur vom Feminismus beseitigt werden kann. Lindemanns Unschuld ist zwar mittlerweile juristisch bestätigt, aber seine Verleumder halten das an ihm statuierte Exempel trotzdem für richtig und wichtig.

Hätte Aiwanger doch bloß einen Pfandbon unterschlagen – stattdessen dichtete ihm die „Süddeutsche“ an, dass er als Schüler ein neonazistisches Flugblatt verbreitet hätte. Zeugen: Ein bis in die Wolle rot gefärbter Lehrer. Rassismus, Antisemitismus, Nationalsozialismus – in unserem Land sind das die schwerwiegendsten Anklagepunkte. Wie entfernt man diesen braunen Fleck? Natürlich mit Antifaschismus.

Und dann wäre da noch der Präsident des Bundesamts für Sicherheit und Informationstechnik, Arne Schönbohm. Über diesen breitete Böhmermann – der sich genau wie seine Genossin Bosetti „Satiriker“ nennen lässt – ein boshaftes Lügennetz aus. In Zeiten des Ukrainekrieges lag es auf der Hand irgendeine „russische Verbindung“ herbeizureimen. Spionagealarm! Bleiben sie wachsam!

Allein dieser Beitrag war für Innenministerin Nancy Faeser Anlass genug, um sich von unliebsamen Personalie Schönbohm zu trennen. Ob Böhmermanns Sendung für Faeser unverhofft kam, oder ob es konkrete Gründe für Telefonate zwischen Faesers Staatssekretärin und dem ZDF-„Satiriker“ wenige Monate vor der Sendung (Ausstrahlung am 7. Oktober 2022) gab, das wird noch zu ermitteln sein.

Doch Schönbohm wehrte sich, vor allem die regierungskritischen Medien griffen den Skandal auf und schließlich tagte der Innenausschuss zu dem Thema. Faeser, die im Herbst als SPD-Spitzenkandidatin für die hessische Landtagswahl antritt, ließ sich im Ausschuss entschuldigen, sie sei krank. Eine glatte Lüge, dreist dazu, denn sie nahm am selben Tag nachweislich andere Termine war. Jetzt drückt sie sich weiter, noch sind ihre Schafe nicht im Trockenen. Die CDU wütet ein bisschen, aber wir wollen an der Stelle nicht vergessen, dass Thomas Haldenwang, Chef des Verfassungsschutzes und ausführendes Organ von Faesers sozialdemokratischem Gesinnungsapparat, ein schwarzes Parteibuch innehat.

Glaubwürdigkeit stellt eben nicht nur im Journalismus, sondern auch in der Parteienpolitik eine Währung dar, die mit Tatsachen gedeckt werden muss. Und das bringt uns dann zur Moral der Geschichte: In der durch Angela Merkel restlos transformartierten Republik sind Politik und Medien in einem Komplex zusammengeschmolzen. Faeser hat gute Chancen die Sache auszusitzen und Böhmermann wird natürlich nicht von seinem Sender gefeuert – im Gegenteil: Er wird auch weiterhin mit den von uns abgepressten Zwangsgebühren fürstlich alimentiert. Sein Auftrag: Echte und vermeintliche Systemgegner verleumden, sie – salopp gesagt – mit Scheißdreck bewerfen und dabei zwischen „Satire lol“ und Investigativanspruch herumlavieren.

Wenn RTL mehr journalistische Standards pflegt als das ZDF, dann zeigt das einmal mehr, was für ein Bild die Staatsmedien nicht nur von sich selbst, sondern auch von ihrem Publikum haben. Das hat auch für die Zukunft wenigstens die eine Gewissheit: Es läuft weiter wie bisher…

Bildvorlagen:
BerthasEnkel: CC BY-SA 4.0
Suberbass CC BY-SA 4.0

Friedrich Fechter

Fechter studiert im Herzen Deutschlands und muss sich an seiner linksversifften Universität den typischen Gängelungen aussetzen. Er interessiert sich für Kunst, Geschichte und ist Meister der Halbsätze. Als Fechter das erste Mal ein Cover der Krautzone sah, hielt er das pixelige Layout für eine durchtriebene Werbestrategie. "Bestimmt", dachte er sich beim Durchblättern, "hier sind verschlagene Profis am Werk."


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