In Rheinland-Pfalz sind „ein bis zwei Drittel“ der ukrainischen Schüler „nicht angekommen“

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Als sich ab dem Februar 2022 Hunderttausende ukrainische Kriegsflüchtlinge auf den Weg nach Westen machten, eröffnete sich auch für die Bundesrepublik ein neues Kapitel: Hier waren sie nun, die echten Kriegsflüchtlinge, die Frauen und Kinder, die Schwächsten der Schwachen also, von denen der politisch-mediale Komplex in den sieben Jahren zuvor so viel geredet hatte (und die sich dann, in Deutschland angekommen, zumeist als „Gruppen junger Männer“ entpuppten). Nach sieben Jahren “Willkommenkultur” hatte sich die Stimmung deutlich abgekühlt: Wachsende Kriminalität, islamischer Terrorismus, grassierende Unsicherheit und die Plünderung der überwiegend von Deutschen gefüllten Versorgungskassen zersetzten das soziale Miteinander in unserem Land.

Im Frühjahr 2022 herrschte aber im Angesicht des fürchterlichen Krieges und der herzzerreißenden Schicksale für einen kurzen Moment stille Andacht – und kurz darauf tatkräftiges Anpacken, Spenden und Organisieren. Während im Osten der Krieg hin- und herwogte, wurden Wohnungen organisiert, neue Schüler in den Klassenzimmern vorgestellt und Arbeitsplätze vermittelt. Viele Konservative, denen seit 2015 das Entsetzen über den akzelerierenden Verfall ihres Landes nicht mehr aus dem Gesicht weichen wollte, waren sich nun einig: Lieber ukrainische Christen als nordafrikanische oder levantische Moslems. Lieber Frauen und Kinder als junge Männer. Lieber fleißige Mitbürger, die sich an ihren Arbeitsplätzen auf Ukrainisch unterhalten, als faule Abgreifer, die auf den Straßen arabisch sprechen.

Regierungsökonomen, wie etwa Marcel Fratzscher, frohlockten und erklärten uns, warum Deutschland von der Zuwanderung profitiert. Also diesmal wirklich, versteht sich. Das war die eine, die offizielle Seite. Die andere, private Seite klang zwar ambivalenter, aber auch hier war man von den Ukrainern zunächst positiv beeindruckt. Vielleicht lag das aber auch an der überwältigend schlechten Performance (gemessen an Kriminalität, Sozialleistungsbeanspruchung, Weltanschauung) der muslimischen Einwanderer, mit der verglichen jede erfolgreich besetzte Halbtagsstelle und jedes freundliche „Guten Tag“ ein wahres Integrationswunder sein musste.

Jedenfalls lüftet sich nun auch dieser Vorhang, und die nächste Gewissheit – oder besser: die nächste deutsche Lebenslüge – schwankt. Ukrainer integrieren sich wesentlich schlechter in den deutschen Arbeitsmarkt, als sich das Marcel Fratzscher oder Otto Normalmichel erhofft hätten.

Ja, das Bürgergeld als im wahrsten Sinne des Wortes „asozialer Fehlanreiz“ spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Wieso arbeiten gehen, wenn es für das Daheimbleiben mehr Geld gibt?



Da wäre aber noch etwas: Wie einem an uns weitergereichten Schreiben des „Hauptpersonalrats für die staatlichen Lehrkräfte an Gymnasien und Kollegs beim Ministerium für Bildung“ aus Rheinland-Pfalz zu entnehmen ist, gestaltet sich die Integration der ukrainischen Schüler in den deutschen Schulalltag schwerer als gedacht. Im mehrseitigen Dokument, das den sowjetisch anmutenden Betreff „HPR-Kurzinformation Nr. 10: Integration von Flüchtlingen: Organisatorisches und Ressourcen“ trägt, heißt es etwa:

Ein nicht unerheblicher Teil der Jugendlichen folgt der Denkweise, dass Deutschland nur ein vorübergehender Aufenthaltsort ist – mit der Konsequenz, dass dieser Teil der Jugendlichen kaum bis gar nicht motiviert ist, Deutsch zu lernen oder im hiesigen Bildungssystem etwas zu erreichen.

Und weiter:

„Grobe Schätzungen, die uns erreichen, besagen, dass ca. ein bis zwei Drittel der Flüchtlinge aus der Ukraine im rheinland-pfälzischen Schulsystem nicht angekommen sind sie verfügen auch nach knapp zwei Jahren Aufenthalt in Deutschland nicht über nennenswerte Deutschkenntnisse, finden daher im Regelunterricht keinen Anschluss und haben auch in den Fremdsprachen Englisch und Französisch kaum eine Chance. Darüber hinaus ist ein Teil der Schülerinnen und Schüler, wenn überhaupt, nur unregelmäßig im Unterricht anwesend.

Dass „grobe Schätzungen“ in Rheinland-Pfalz „ein bis zwei Drittel“ umfassen können, mag bei unseren unbedarften Lesern aus Bayern, Sachsen oder Baden-Württemberg vielleicht die Frage aufwerfen, wie beim Zehntplatzierten im Bildungsranking denn präzise Schätzungen aussehen könnten. Doch genug davon und zurück zum Schulbetrieb. Der Personalrat stellt fest:

Was derzeit passiert, dass nämlich Jugendliche über Wochen und Monate hin die Schule schwänzen, muss im Interesse dieser Jugendlichen gestoppt werden sie verlieren sonst komplett den Anschluss. Hierzu ist es trotz der außerordentlich hohen Arbeitsbelastung unerlässlich, dass Schulleitungen bei Absentismus reagieren. Handlungsoptionen zeigt das Pädagogische Landesinstitut auf. Die Schulbesuchspflicht sollte konsequent umgesetzt werden. In gravierenden Fällen kann das Ordnungsamt eingeschaltet werden, um den Schulbesuch durchzusetzen. Gibt es in Einzelfällen größere Probleme, ist die Schulaufsicht und ggf. die Gymnasialabteilung zu informieren; das Bildungsministerium hat zugesagt, sich der Einzelfälle anzunehmen.

Übersetzt bedeutet das: Die gesetzliche Schulpflicht kann von Seiten des Staates aus nicht mehr durchgesetzt werden, weshalb überlastete Schulleitungen sich darum kümmern sollen. Wie sie das machen, erfahren sie bei der Formblatt-A38-Behörde. Erst bei „gravierenden Fällen“ kann das Ordnungsamt eingeschaltet werden. Um die problematischen „Einzelfälle“ kümmert sich das Ministerium. Aha.

Aber wo Gefahr droht, da wächst das Rettende auch. Im letzten Absatz versichert der Hauptpersonalrat – auch so ein Formblatt-A38-Begriff – den Adressaten des Schreibens:

„Um die jetzige Herausforderung stemmen zu können und auf künftige Flüchtlingsbewegungen vorbereitet zu sein, sind dringend zusätzliche Ressourcen erforderlich und ein klares, verbindliches Konzept, damit unser Bildungswesen nicht kollabiert. Ein unterfinanziertes Bildungswesen, das zudem noch von fatalen bildungspolitischen Richtungsentscheidungen (sog. ‚selbstbestimmtes Lernen‘ etc.) gebeutelt ist, ist bereits am Rande des Kollapses.“

Liebe Leute, möchte man entgegnen, ihr seid nicht am Rande des Kollapses, ihr befindet euch bereits mittendrin. Ihr könnt die Schulpflicht, die Schul-PFLICHT, nicht mehr aufrechterhalten, und statt die Wurzel des Problems anzusprechen, statt auf die völlig vorhersehbaren Folgen ungezügelter Massenmigration zu sprechen zu kommen, stimmt ihr eure Leser auf „künftige Flüchtlingsbewegungen“ ein. Sicher, mehr Geld und ein bisschen Herumdoktern an „bildungspolitischen Richtungsentscheidungen“ (die ihr womöglich in der Vergangenheit noch selbst unterstützt habt) sind die Lösung für alles. Und wenn das nicht reicht, dann wird an diesen sehr deutschen, sehr fatalen Glauben an die Mobilisierung letzter, übermenschlicher Kräfte appelliert. Vielleicht fasst sich einer der Lehrer ein Herz und antwortet dem Hauptpersonalvorstand mit Gottfried Benn:

„Rechne mit deinen Defekten. Gehe von deinen Beständen aus, nicht von deinen Parolen.“