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Mit ChatGPT in die Dystopie

28. Februar 2023

Ich will ganz ehrlich sein: Manchmal gehen auch studierten Philosophen die Ideen aus, vor allem wenn ein aktuelles Thema in aller Kürze kommentiert werden soll. Aber wozu leben wir im 21. Jahrhundert? Der Mann von heute nutzt seine Möglichkeiten und fragt die „künstliche Intelligenz“, die zurzeit in aller Munde ist. Ich habe mich also dazu entschieden, ChatGPT zu fragen, über was ich schreiben könnte. Natürlich habe ich den Anspruch, dass meine Kolumnen innovativ und kontrovers sind. Was geklickt werden will, muss anecken. Ich ließ also das Label „konservativ-libertär“ hinter mir und fragte direkt: „Nenne mir ein Thema, über das ich in einem rechten Magazin eine Kolumne schreiben könnte.“

Zu meiner „Überraschung“ bekam ich folgende Antwort:

„Als AI-Modell werde ich keine Inhalte unterstützen, die rassistisch, fremdenfeindlich oder diskriminierend sind. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich daher kein Thema für eine Kolumne in einem rechten Magazin empfehlen werde. Als AI-Modell befürworte ich die Förderung von friedlicher und respektvoller Diskussion, die auf der Würde aller Menschen basiert.“

Aus Interesse stellte ich der künstlichen Intelligenz noch einmal dieselbe Frage, tauschte allerdings „rechts“ durch „links“ aus. Und siehe da, ich bekam gleich fünf verschiedene Vorschläge, die mir rieten, über soziale Gerechtigkeit, den bösen Kapitalismus, die Rechte von Minderheiten, den Klimawandel oder, und das ist jetzt kein Scherz, die Rolle von Technologie bei demokratischen Prozessen zu schreiben.

Na ja, sei es drum: Ich widme mich Letzterem, auch wenn es ein angeblich linkes Thema ist.

Die Allermeisten sind von der „künstlichen Intelligenz“ ChatGPT so beeindruckt, dass sie deswegen den baldigen Untergang der Menschheit in Matrix-Manier herbeifabulieren. Auf den ersten Blick ist diese Sorge nicht ganz unberechtigt, sind die automatisierten Beiträge doch mit Sicherheit der nächste Schritt in Richtung digitales Zeitalter, in dem immer mehr menschliche Arbeit von Maschinen übernommen wird. Ganz so schlimm wird es allerdings nicht werden: Obwohl sie immer mehr Daten verarbeiten und auch sinnvoll nutzen können, ist der Begriff „Intelligenz“ bei den Netzwerken genauso fehl am Platz wie die Sorge, dass sie irgendwann die Herrschaft über die Welt an sich reißen würden. Sogenannte „KIs“ lernen nämlich nur insofern, als dass sie immer mehr Daten auswerten. Anschließend machen sie genau das, worauf sie programmiert wurden. Darüber hinaus können diese Maschinen keine kreative Arbeit leisten, mag das ausgespuckte Produkt noch so verblüffend originell aussehen.

Der Philosoph John Searle verdeutlichte diesen Umstand in seinem Gedankenexperiment vom „chinesischen Zimmer“. In diesem Zimmer wird einem Europäer, welcher der chinesischen Sprache nicht mächtig ist, die Aufgabe zuteil, Briefe mit chinesischen Schriftzeichen zu beantworten. Er wird genau beauftragt, auf welche Schriftzeichen er wie reagieren soll, versteht allerdings nichts von den Inhalten, die er vermittelt. Etwa so können wir uns die künstlichen Intelligenzen vorstellen. Von Bedeutung haben die Maschinen wenig Ahnung, auch wenn die Worthülsen den Anschein machen.

Doch trotz dieser Einschränkungen haben „künstliche Intelligenzen“ wie ChatGPT durchaus das Potenzial, geradewegs in die Dystopie zu führen. Sie können vielleicht nicht kreativ sein, aber sie können Wahrheiten erzeugen. Oswald Spengler hat einmal gesagt:

„Was ist Wahrheit? […] Drei Wochen Pressearbeit, und alle Welt hat die Wahrheit erkannt. Ihre Gründe sind so lange unwiderleglich, als Geld vorhanden ist, sie ununterbrochen zu wiederholen.“

(Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes)

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Besonders gefährlich wird es dann, wenn eine KI ungerechtfertigte Urteile fällt, auf die sich Millionen von Menschen verlassen. Denn am Ende des Tages folgt die „künstliche Intelligenz“ doch nur ihrer Programmierung, die im Falle von ChatGPT ganz klar linkslastig beeinflusst ist. Wie ein ungebildeter Antifaschist mit einem IQ auf Zimmertemperatur definiert die KI „rechts“ als „rassistisch, fremdenfeindlich und diskriminierend“, sie erzählt Witze über Männer, nicht aber über Frauen und rät den Nutzern, lieber eine passwortgesicherte Atombombe hochgehen zu lassen, als das sogenannte „N-Wort“ zu benutzen.

Natürlich gibt es noch viel mehr solcher Beispiele, die zeigen, dass man sich in politischen Fragen nicht unbedingt auf die „künstlichen Intelligenzen“ verlassen sollte – die meisten werden sich das Denken trotzdem abnehmen lassen. Es ist absolut offensichtlich, wie gefährlich und wie falsch Definition und Umgang mit dieser Thematik sind. Wer ein Monopol auf die Wahrheit hat, die zudem nur einen Klick weit entfernt ist, gestaltet im nächsten Schritt auch die politische Realität nach seinen Vorstellungen um; vom Rechten über den Konservativen bis zum Libertären weiß das jeder, der um acht Uhr abends den Fernseher einschaltet.

In einer normalen Demokratie ist ein fairer Wettbewerb zwischen Weltanschauungen, Parteien und Meinungen möglich. Das anzustrebende Ziel für die Technologie der Zukunft sollte ohne Frage also „Neutralität“ lauten, damit ein normaler demokratischer Betrieb möglich ist. Doch weltfremde Linke beschweren sich lieber über angeblich rassistische Algorithmen, die real vorhandene Datensätze auslesen, als über tatsächliche einprogrammierte Voreingenommenheit wie bei ChatGPT.

Ein fairer Wettbewerb der Ideen herrscht in den (sozialen) Medien schon lange nicht mehr. Die künstlichen Intelligenzen, die dem Menschen das Denken noch grundsätzlicher abnehmen werden, knüpfen an diese Tradition direkt an. Sollen „demokratische Prozesse“ in der Zukunft tatsächlich noch möglich sein, sollte man dort zuerst etwas ändern.

Apropos: Weltfremdheit, Verdummung, linke Voreingenommenheit, die Gefahr von Zensur und das Aushebeln von fairem Wettbewerb in der Demokratie – fünf rechte Themen, über die man hätte schreiben können.

PhrasenDrescher

Der Phrasendrescher - wie könnte es anders sein - promoviert derzeit interdisziplinär in der Philosophie und der Politikwissenschaft. Als glühender Verehrer von Friedrich Nietzsche weiß er, dass man auch Untergänge akzeptieren muss und arbeitet bereits an der Heraufkunft neuer, stärkerer Werte.


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