Nein, die Science ist nicht deins

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Es ist noch nicht lange her, seit die Funk-Quotenwissenschaftlerin Mai Thi Nguyen-Kim ihren Zusehern den durch den GEZ-Zwangsbeitrag finanzierten Song „Science ist meins“ um die Ohren schmetterte. „Wissenschaft ist das, was uns die Richtung weist – anscheinend nicht so deins, aber Science ist meins“, heißt es dort.

Nicht nur dürfte die Inszenierung in jedem mündigen Bürger unsägliche Fremdscham ausgelöst haben, der ein oder andere ist über ihre Vereinnahmung der Wissenschaft bestimmt auch gehörig wütend geworden. Die Verantwortlichen für dieses Werk hat das mit Sicherheit nicht geschert: Emotionen gegen „die Wissenschaft“ wirken vom Plateau der „Science“ nun mal wie Schwurbelei. Auch deshalb wirken die als Wissenschaftler in Szene gesetzten Leschs, Scobels, Bosettis und Mais dieses Landes so arrogant, schließlich wollen sie dem dummen Volk die Wissenschaft der allwissenden Obrigkeit in strahlend weißen Laborkitteln auf dem Plastiktablett servieren, während sie auf den öffentlich-rechtlichen Kanälen so lustig durchs Bild hüpfen.

Schon klar, „die Wissenschaft“ ist in vielen Bereichen natürlich maßgebend für technischen Fortschritt und unser Verständnis der Welt. Laut dem Philosophen Karl Popper, dessen Ansicht man natürlich erst einmal widerlegen müsste, ist Wissenschaft immer falsifizierbar und deshalb gar nicht so eindeutig, wie sie uns präsentiert wird. „Die Wissenschaft“ gibt es nämlich gar nicht – man stellt Vermutungen in irgendwelchen Fachbereichen auf, die als Konsens gelten, bis man eben bessere Vermutungen aufstellt und die alten über den Haufen wirft.

Wenn man in den letzten Jahren ein wenig die Ohren gespitzt hat, lässt sich das ganz leicht beweisen. Diejenigen, die sich noch an den „R-Wert“, an „flatten the curve“ oder an die wissenschaftlich geprüften Ausgangssperren nach 22 Uhr erinnern können, werden wahrscheinlich nostalgisch. „Und nein, ein Buch auf einer Bank lesen ist nicht erlaubt!“

Ja, angebliche „Science“ kann sich eben auch irren. Klammheimlich springt man im Diskurs also lieber zum Klima, zur Atomkraft, zur Cannabislegalisierung oder zu anderen Themen (nicht Nord Stream 2!). Eine wichtige Angelegenheit löst die andere in ihrer Brisanz ab, und „die Wissenschaft“ sucht sich ein neues Opfer. Alte Behauptungen sind nicht mehr wichtig, denn da gibt es etwas Neues, das ebenfalls fürs Weltbild passend gemacht werden soll; der Paradigmenwechsel ist vollzogen.

„Wissenschaft“ ist nun mal selektiv, sie sucht sich ihre Probleme und Lösungen selbst aus und orientiert sich dabei am Alarmismus der Lautesten. Vom alles zerstörenden Ozonloch über die Geflügelgrippe, die Schweinepest und den Meeresspiegel, der schon bald bis in die Alpen steigt, wurde das in den letzten Jahrzehnten schon eindrucksvoll bewiesen. Nun gut, im Nachhinein ist die Welt noch nicht untergegangen, aber zu diesem Zeitpunkt wusste man es eben nicht besser. Wenigstens war man kein wissenschaftsleugnender „Schwurbler“ und konnte sich in der Selbstgefälligkeit des minimalen sozialen Aktivismus sonnen.

Dabei kann „Science“ sogar ganz einfach die Rollen tauschen – recht eindrucksvoll hat das ein YouTuber gezeigt, als er zwei Beiträge von „Spiegel TV“ verglichen hat. In einem Beitrag von 2021 wurden dort in einer Manier, die einem Erich Honecker die Schamesröte ins Gesicht gezaubert hätte, die Querdenker-Impfgegner durch den Schmutz gezogen. Natürlich immer mit dem Kommentar eines „Wissenschaftlers“, der die Ungefährlichkeit der Impfung außer Frage stellte. Im Beitrag von 2023 wurden dann ebenfalls mit höchst wissenschaftlicher Zustimmung die vielen Impfschäden thematisiert, welche wohl absichtlich verschwiegen wurden. Video und YouTube-Kanal wurden nach einiger Zeit übrigens gesperrt und sind von der Plattform verschwunden – warum auch immer.


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„Der Wissenschaftler“ ist eben, wie seine Plattformen und deren Betreuer, parteiisch. Besonders in irgendwelchen Funk-Formaten kann man davon ausgehen, dass er in allererster Linie ein Journalist oder ein Aktivist ist. Bei gesellschaftspolitischen oder philosophischen Themen ist das deshalb so gefährlich, weil es sich dabei eben nicht um empirische Wissenschaften handelt, sondern um das Zusammenleben, das von weltanschaulichen Mustern bestimmt wird. Selbstverständlich lassen sich dort nicht im gleichen Ausmaß „Wahrheiten“ finden, im Gegenteil: Man will seine Weltanschauung realisieren, sei sie auch noch so weltfremd. Dafür muss man gar nicht jede Diskussion zu Ende führen und auf die besseren Argumente hoffen – es reicht, dem Pöbel emotional das Gefühl zu geben, man wäre auf der Seite der Guten und der Wissenschaft.

Wen kümmert es, ob tatsächlich noch Krieg in Syrien herrscht? Da haben Kinder in den dafür eingerichteten Lagern und an den nicht vorhandenen Grenzen geweint. Trump? Ein bösartiger Idiot! Atomstrom? Kernexplosion. Gendern? Du hasst wohl Frauen! Tja, die „Science“ und ihre journalistischen Vermittler. 2014 war das Unwort des Jahres „Lügenpresse“, der Journalist des Jahres 2014 hörte auf den Namen Claas Relotius.

Wie aber soll man auf diese politische Aneignung von Wissenschaft reagieren? Als Erstes sollte man auf die Worte des lauteren Wirtschaftsjournalisten Peter Lustig hören: „Ihr wisst schon Bescheid: Abschalten!“ Als Nächstes muss man dieses Spiel aber mitspielen, denn sonst verliert man es. Wer einfach nur mit seinem Sohn im Garten Fleisch grillen will, macht das ansonsten bald mit seiner Tochter und Insektenhack.

Na gut, diese Aussicht ist vielleicht ein wenig von Emotionen geprägt. Aber vom Klima-Weltuntergang über das Sterben im Mittelmeer hin zum ungeimpften Oma-Mörder – die weißen Ritter auf dem hohen Ross kämpfen längst mit Emotionen, um sich „die Wissenschaft“ anzueignen. Warum sollten wir es unterlassen? Als Schwurbler genießt man wenigstens Narrenfreiheit. Mag der Kampf gegen die „Wissenschaft“ der großen Medienhäuser auch auf den ersten Blick unfair sein – es geht um nicht weniger als um unsere Zukunft. Wer sich in diesem Kampf scheut, Emotionen auszulösen, hat ihn bereits verloren. Holen wir uns also die „Science“ von Mai Thi Nguyen-Kim und Konsorten zurück!

4 Comments

  1. “2014 war das Unwort des Jahres „Lügenpresse“, der Journalist des Jahres 2014 hörte auf den Namen Claas Relotius”

    Exzellent. Allein dafür lohnt sich schon der Griff zur aktuellen Krautzone!

    Übrigens: In MaiTeachens gebührenfinanzierter Da”sains”berechtigung steckt die wissenSCHAFtshörigkeit drin.

  2. Việt cộng und BASF können mir gerne am Arsch lecken und das Land umgehend verlassen . Patente und deutsche Verfahrenstechnik bleiben hier .

    Fräulein Vorlaut soll ihre Döderonwäsche beim Zoll abgeben .

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