Neue OECD-Zahlen: Deutschland, das libertäre Paradies

2 Min lesen

Jedes Jahr veröffentlicht die OECD Zahlen zur Steuer- und Abgabenlast. Der sogenannte “tax wedge” (Steuerkeil) setzt sich aus der Einkommenssteuer sowie den Sozialabgaben des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers zusammen. Dabei ist zu beachten, dass auch die Sozialabgaben des Arbeitgebers für einen Arbeitnehmer von ihm erwirtschaftet werden. Insofern ist es ökonomisch betrachtet Augenwischerei, zwischen den beiden Abgaben zu trennen.

Im April erschienen die neuen OECD-Zahlen. Und tatsächlich: Deutschland liberalisiert sich. Zumindest etwas. Im Vergleich zu den Zahlen von 2022 ist die Abgabenlast hierzulande um sage und schreibe 0,3 Prozentpunkte auf 47,8 Prozent gesunken. Damit verharren wir aber immer noch auf dem zweiten Platz, direkt hinter “Sieger” Belgien mit einer Abgabenlast von 53 Prozent. Aktuell besonders problematisch: Die 47,8 Prozent echtes Nettoeinkommen haben im Vergleich zu den 2010er Jahren eine deutlich geringere Kaufkraft. Die Inflation frisst als versteckte Steuer ebenfalls einen Teil des Einkommens weg, da die Löhne zu langsam steigen, um die sinkende Kaufkraft auszugleichen.


Herrschaft des Volkes!

Wir sind ein Printmagazin. Unsere Hefte, attraktive Abonnements, Bekleidung, Bücher und vieles mehr findest Du in unserem Netzladen!


Die OECD vergisst bei ihrer Analyse aber einen weiteren steuerlichen Faktor: Die Mehrwertsteuer. Hierzulande 7 bzw. 19 Prozent, wird sie auf Konsumausgaben fällig. Geht man also davon aus, dass die verbliebenen 52 Prozent voll ausgegeben und mit 19 Prozent versteuert werden, werden hier nochmal insgesamt 9,9 Prozent fällig. Demnach verfügt der durchschnittliche alleinstehende Arbeitnehmer über eine Abgabenlast von 57,7 Prozent. Zusätzlich kommen natürlich noch diverse kleinere offene oder verdeckte Steuern.

Dass es auch anders geht, zeigen die anderen OECD-Länder. Denn das typische Argument “Man bekommt ja auch was für seine Abgaben” der politischen Linken greift nicht, wenn man Deutschland beispielsweise mit den hochentwickelten Ländern Norwegen (35,7), Japan (32,6), Neuseeland (20,1) oder der Schweiz (23,4) vergleicht.

Bezogen sind die Zahlen auf den alleinstehenden Durchschnittsverdiener ohne Kinder. Aber auch Ehepaare oder Familien haben hierzulande Gesamtabgaben von – je nach Konstellation – weit über 30 Prozent. Eine Familie mit zwei Kindern, in der beide Eltern arbeiten, müssen noch immer 40,8 Prozent ihres Einkommens abgeben. Damit sind sie steuerlich nur minimal besser gestellt als der Alleinverdiener ohne Kinder.

6 Comments

  1. Sehr gut erkannt, dass die sogenannten Arbeitgeberanteile auch vom Arbeitnehmer erwirtschaftet werden. Sie kommen schliesslich nicht aus einem unerschöpflichen Geldbeutel des Arbeitgebers. Dies ist tatsächlich Augenwischerei, der Arbeitnehmer sieht so nur weniger als die Hälfte der Sozialabgaben, Unfallversicherung und Insolvenzversicherung sieht er nicht, sind auch nochmal je nach Branche bis zu 2,4 % extra.

  2. Dazu kommen noch unzählige produktbezogene Steuern wie Kfz Steuer, Grundsteuer, Sektsteuer, Tabaksteuer, Hundesteuer, CO2 Steuer, usw… Jedes Produkt was wir kaufen hat neben der allgemeinen 7/19% MwSt auch noch eine versteckte Steuer. Allein jede Tankrechnung ist zu 80% Steuer.

  3. Dazu noch: GEMA und VG Wort auf Datenträger und andere Produkte, GEZ; Unterwegs Kurtaxe in immer mehr Orten, dazu immer mehr Gebühren für Parkplätze, Staßen, etc, Ökosteuer die angeblich die geplünderten Rentenkassen finanziert, Zusatzbeiträge für Krankenkassen, Pflichtversicherungen, dazu Gebühren für Dokumente und Abgaben wie z.B. Abfall die vorgeschrieben sind, evtl. Hundesteuer,…

  4. So ungern ich die Linken in Schutz nehme, Japan als Beispiel anzuführen, dass es auch mit weniger Steuern gehe, ist lächerlich. Ich promoviere aktuell dort, und als Deutscher kann man sich gar nicht vorstellen, wie heruntergekommen das Land abseits der Touristengebiete ist. Müllhaufen, illegale Schrottplätze in den Nothaltebuchten der Nebenstraßen, wo Kühlschränke, Waschmaschinen und Autos einfach abgestellt und vergessen werden, eine Polizei die die Reviere praktisch nicht verlässt (selbst wenn, wie ich hier schon gesehen habe, direkt davor ein Raubüberfall abläuft) und die Sicherheit wo immer möglich an “ehrenamtliche Sicherheitsunternehmen” abgibt, Telefonleitungen die allen Ernstes mit Lüsterklemmen in (deutscher) Kopfhöhe verbunden sind und allerorts Bauruinen, bei denen man in die Wände greifen und die Armiereisen herausziehen kann, sofern sie einem nicht von (vermutlich ungenehmigten) über den Gehweg ragenden Balkonen von selber entgegenfallen. Dazu eine Bebauung, die größtenteils aus blankem Beton, Wellblech und Plastikfolien besteht und massenhaft Autos mit schweren Unfall- und Rostschäden die in keinster Weise mehr verkehrssicher sind, aber noch gefahren werden bis der Shaken (=TÜV) abläuft.

    Die einzigen Dinge, die der japanische Staat effektiv macht, sind die Imagepflege im Westen und die Entrechtung der Bevölkerung durch unnötige Vorschriften, die dann nicht umgesetzt werden.

  5. Ob sich daraus auf die Steuerlast zurückschließen lässt? Was Sie beschreiben findet man so ziemlich ähnlich auch in Süditalien – allerdings mit horrenden Steuern.

    Fakt ist ja, dass Japan fast das gleiche BIP pro Deutschland hat, dafür aber nur die Hälfte der Steuerquote…

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.