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Was tun im Kulturkrieg?

2. September 2022

Regelmäßig taucht in den Kommentarspalten oppositioneller Medien die Frage „Was tun?“ auf. Mal trieft sie förmlich vor Ohnmacht, mal prangt sie als Vorwurf dem Autor des entsprechenden Artikels entgegen. Was also ist diese Frage? Ein Ausweis der eigenen Hilflosigkeit? Mangelnde Kreativität? Provokation vielleicht, oder ein berechtigtes Anliegen? „Du hast uns jetzt mit deiner Polemik das zehnte Mal unterhalten, aber jetzt wollen wir mehr lesen.“

Ich kann die Frage nach dem „Was tun?“ nicht ausstehen, eben weil sich in ihr, egal wie sie gestellt ist, Opfermentalität, aber auch diese durch die digitale Anonymität provozierte Rotzigkeit widerspiegelt. Vor allem aber ist „Was tun?“ eine vernutzende Frage. Ein Artikel, ein Video, ein Beitrag, ein Aufruf ist dann nicht mehr ein Ball, den der Leser oder Zuschauer aufschnappt und seinen Gedanken nachhängend vor sich hin trippelt. Nein, der Ball wird stante pede zurückgepfeffert. Wer das für den Beginn eines wundervollen Austauschs hält, irrt in den meisten Fällen. Die Antworten auf „Was tun?“ sind aus Sicht des Ratsuchenden doch sowieso zu beliebig, zu unrealistisch, sie gehen nicht weit genug oder schießen dann doch über‘s Ziel hinaus. Es endet, wie es in der Anonymität des Netzes enden muss: Die Dinge werden zerredet, und am Ende steht man da, wo man angefangen hat. Was tun? Keine Ahnung.

Wenn du „was tun“ willst, dann gründe eine Familie, setze reichlich Nachwuchs in die Welt und nimm deine Pflicht wahr. Konzentriere dich auf das Wesentliche, halte dich und deine Familie fern von den subversiven Einflüsterungen der Postmoderne, schalt die Glotze aus und mache regelmäßig Sport.

„Danke, mein Freund, danke für nichts. Hätte ich einen Kalenderspruch gewollt, hätte ich danach gefragt.“

Nein, mal im Ernst, was tun bei Fällen wie dem Selbstboykott des Ravensburger-Verlags? Was tun, wenn am kulturmarxistischen Feldzug gegen Winnetou jetzt auch das deutsche Staatsfernsehen devot teilnimmt? Ich hielt es anfangs für eine Ente, aber ja: Die ARD wird die „Winnetou“-Filme nicht mehr ausstrahlen. Also, unberechtigt ist die Frage nicht. Und wer sich gerne über die Empörungsbewirtschafter erhebt, der muss dann auch Antworten liefern, statt sich selbst nur zu empören. Also, Freunde, was tun?

Um wirklich nüchtern und realistisch abschätzen zu können, was wir konkret machen könnten, müssen wir zunächst die Verhältnisse klären: Mit welchen Akteuren haben wir es eigentlich zu tun? Welcher Logik unterliegt ihr Handeln? Wie gestaltet sich die Beziehung zwischen ihnen und uns? Welche Einflussmöglichkeiten stehen uns unter dem Strich zur Verfügung?



Das Verhältnis zwischen uns und dem Ravensburger-Verlag ist das zwischen potenziellen Konsumenten und einem Produzenten. Das heißt, das einzig Naheliegende ist für uns erst mal der Boykott dieses Verlags. Ich höre schon förmlich, wie jetzt die Hände über den Köpfen zusammengeschlagen werden. „Danke, darauf wären wir nie gekommen!“ oder „Was soll das bringen?“ Ganz einfach: „It ain‘t much but it‘s honest work.“

Politisch und medial beherrschen die Linken das Feld, unsere Mittel sind also begrenzt und die Auseinandersetzung zwischen uns und denen erfolgt naturgemäß asymmetrisch. Asymmetrisch ist dann auch unsere Reaktion auf Kulturzersetzung – wenn wir deren kulturelle Grundlage nicht in gleichem Maße boykottieren können, dann können wir unsere Kulturgüter wenigstens in Sicherheit bringen. Das bedeutet: Sammeln, sammeln, sammeln. Kollege Vesargo hat bereits auf das Schicksal englischer Bibliotheksbestände verwiesen. Auf die Damnatio memoriae unserer Kulturgüter können wir unmittelbar nur reagieren, indem wir selbst unsere ganz privaten Bibliotheken aufbauen.

Anders ist es beim Rundfunk. Hier stehen wir als Zahlknechte, dort steht ein kleptomanisches System, dem ein Boykott seiner Sendungen, seiner „Produkte“ also, herzlich egal sein kann. Der Widerstand ist hier also ungleich schwerer, aber auch ungleich wichtiger. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass, mal ganz abgesehen von der „Winnetou“-Sache, der Widerstand gegen die Staatsmedien ein essenzieller, unverzichtbarer Widerstand ist.

Ich kann mich in meiner Wohnung über Wochen einschließen und mich damit völlig von den Verwerfungen der bundesrepublikanischen Tagespolitik freimachen. Aber zwei Dinge sind sicher: Sobald ich Radio und Fernseher anschalte, werde ich mit Staatsfunk-Propaganda getriezt. Sobald ich den Briefkasten aufmache, segelt mir das dazu passende Erpressungsschreiben entgegen. Erste Bürgerpflicht ist hier: Verweigern, verweigern, verweigern! Es ist wie mit der Impfung – kann sein, dass sie dich irgendwann rankriegen. Kann sein, dass du irgendwann einknicken wirst. Aber davor und danach hast du die Pflicht, ein Sandkorn in ihrem Getriebe zu sein.

Beim Staatsfunk kommt uns zugute, dass ihn erstens jeder hasst und dass zweitens seit einigen Wochen der Korruptionsskandal breitgetreten wird, der sowieso nur das zeigt, was wir alle längst wussten: dass es sich hierbei um eine Mafia handelt. Der Rundfunk ist die Achillesferse des ganzen Systems, und ich würde sogar so weit gehen und behaupten: Der Herbst wird nur heiß, wenn die Deutschen es endlich schaffen, ihre Rundfunkbescheide anzuzünden.

Autor

Friedrich Fechter

Fechter studiert im Herzen Deutschlands und muss sich an seiner linksversifften Universität den typischen Gängelungen aussetzen. Er interessiert sich für Kunst, Geschichte und ist Meister der Halbsätze. Als Fechter das erste Mal ein Cover der Krautzone sah, hielt er das pixelige Layout für eine durchtriebene Werbestrategie. "Bestimmt", dachte er sich beim Durchblättern, "hier sind verschlagene Profis am Werk."


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