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Eine Weihnachtspredigt

24. Dezember 2021

Liebe KRAUTZONE-Gemeinde,

auch wenn dem einen oder anderen von euch die Türen der Weihnachtsgottesdienste aufgrund der Coronaregeln in manchen Gemeinden verschlossen bleiben, sollt ihr das Fest der Geburt unseres Heilandes nicht ohne eine Weihnachtspredigt verbringen müssen. Die wesentliche Botschaft und der Anlass des Weihnachtsfestes wird in dem Alten Weihnachtslied „Es kommt ein Schiff geladen“ so zusammengefasst:

„In Bethlehem geboren,

im Stall ein Kindelein,

gibt sich für uns verloren,

gelobet muss es sein“

An Weihnachten geht es um die Geburt eines Kindes. Natürlich denken wir bei Weihnachten an viele Jahrzehnte brutalster Kommerzialisierung und pseudoemontionalen Kitsch. Auch die Umdeutung heidnischer Bräuche mag zum Weihnachtsfest wie wir es heute kennen beigetragen haben. Aber das ist nicht der eigentliche Kern von Weihnachten. Es geht im Grunde nicht um Geld und auch nicht um Kultur oder Politik. An Weihnachten geht es um die Ankunft eines Kindes, das weder ästhetisch, noch wirtschaftlich oder politisch Einlass in unser Leben erzwingt.

Ein neugeborenes Kind strahlt in der Regel weder Souveränität noch Macht aus. Es ist einfach da und wartet darauf angenommen zu werden. Die Botschaft von Weihnachten ist, dass Gott in dieser Form zu uns gekommen ist und immer noch zu uns kommen möchte. Ohne Zwang, ohne Nudging oder Bestechung. Das Kind in der Grippe liefert sich uns total aus. Es gibt sich für uns „verloren“.

Auch im biblischen Bericht um Jesus bleibt deutlich, dass er Menschen in seine Nachfolge und die Beziehung mit ihm ruft, ohne sie dazu zu drängen oder ihnen aus menschlicher Perspektive besonders viel bieten zu können. Da ist die Geschichte des reichen Jünglings, der ein moralisch ganz integrer Kerl zu sein scheint und den Jesus auffordert, sein Eigentum zu verschenken, um ihm nachzufolgen. Jesus verhandelt nicht mit ihm, er macht ihm kein Sonderangebot für die Gemeinschaft mit ihm, sondern sagt einfach: „Hier bin ich. Wenn du mit mir gehen willst bist du willkommen, aber wenn du mit mir gehen willst kannst du nicht dein Herz an etwas anderes, als an mich hängen.“

Das ist die gleiche Situation, vor der wir auch noch heute stehen. Wer das Kind in seine Arme nehmen will muss alles andere fallen lassen. Der Glaube an Jesus bietet sich uns an. Jesus ist das besondere Weihnachtsgeschenk des Vaters für uns. Jesus als Kind, über das wir uns freuen dürfen. Die Annahme des biblischen Zeugnisses von Jesus und seinen Anspruch, Herrscher und Erlöser der Welt und aller Menschen zu sein kann leicht von uns abgelehnt werden.

Wir haben die Möglichkeit ihn zu ignorieren oder ihn abzulehnen. Für jeden, der Weihnachten feiern möchte, ohne dem Kind in der Krippe sein Herz zu öffnen stehen die Geister der Vergangenheit aus Charles Dickens Weihnachtsgeschichte und die Erzählung des Weihnachtsmannes von Coca-Cola zur Verfügung.

Wer allerdings ehrlicherweise ein christliches Weihnachten feiern möchte, für den gelten auch die weiteren Strophen des oben genannten Weihnachtsliedes:

Und wer dies Kind mit Freuden
umfangen, küssen will,
muß vorher mit ihm leiden
groß’ Pein und Marter viel,

danach mit ihm auch sterben
und geistlich aufersteh’n,
ewig’s Leben zu erben,
wie an ihm ist gescheh’n.

Weihnachten ist für Christen nicht nur ein Kommerz- oder Familienfest. Natürlich dürfen wir Plätzchen und Braten genießen und uns an der Gemeinschaft mit unseren Lieben erfreuen. Die Verwandtschaft, die aber das eigentliche Thema des Weihnachtsfestes darstellen sollte ist die Verwandtschaft mit Gott dem Vater und Jesus seinem Sohn, die entsteht wo ein Mensch seine Arme für das Kindlein in der Krippe öffnet und ein Leben in der Gemeinschaft mit Jesus beginnt.

Diese Gemeinschaft kann manche Unannehmlichkeiten und Unbequemlichkeiten nach sich ziehen, sie ist herausfordernd, aber sie ist nicht nur der wahre Sinn von Weihnachten, sondern auch der wahre Sinn des menschlichen Lebens. Im Annehmen des Kindes werden wir selber zu Gottes Kindern, wie es in der Weihnachtsgeschichte nach dem Evangelisten Johnannes heisst: „Wieviele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht Gottes Kinder zu heißen, denen die nach seinem Namen benannt sind“ (Joh 1,12).

Gott ist Kind für uns geworden, damit wir seine Kinder werden können. Wirst du diese Weihnachten deine Arme für das Kind in der Grippe öffnen?

Autor

Karl Napf

Karl Napf vereint etliche Widersprüche in sich. Er ist badischer Protestant, anarchistischer Demokrat und libertärer Antikapitalist. Er strebt dem Ende seines Theologiestudiums entgegen und hegt große Sympathien für Erweckungsprediger wie Spurgeon, Whitefield oder seinen badischen Landsmann Aloys Henhöfer.


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