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Wir haben den Menschen viel zugemutet

4. Juni 2021

Autofahrend radiohörend fiel es mir wie Schuppen von den Ohren. Ich glaube, der Ministerpräsident von Brandenburg – Name muss man sich nicht merken – wurde mit oben genannten Worten zitiert.

Sofort fiel mir dabei auch der Politikersprech von „den Menschen da draußen“ ein – den Menschen da irgendwo außerhalb der eigenen Selbstwirksamkeit, denen man etwas erklären muss, damit sie irgendetwas besser verstehen. Man sollte sich den Satz ganz langsam selbst vorsprechen: Wir – haben – den – Menschen – viel – zugemutet.

Die da unten

Es fällt uns mittlerweile gar nicht mehr auf, wenn sie uns verhöhnen und über uns wie über die Insassen gesellschaftlicher Experimentierkäfige sprechen. Fehlt nur noch, dass sie von „unseren Menschen“ oder denen „da unten“ sprechen.

Wir werden langsam taub angesichts der politisch korrekten und gegenderten Idiotensprache mit der wir täglich in den Medien vollgetextet werden.

Da wird bei Aufzählungen, wie „unsere Polizistinnen und Polizisten sind Bürgerinnen und Bürger in Uniform“, das „–innen“ genuschelt oder halb verschluckt, es gibt grammatische Konstruktionen wie Kollektiva für Personen und Berufe (Lehrkräfte statt Lehrer) oder zu Eigenleben erweckte Partizipien (Lehrende statt Lehrer).

”Liebe äh Bürger’n un’ Bürger, äh…”

Noch besser die Aussprache von Berufsstands- oder Personenbezeichnungen, die mit dem berühmten großen Binnen-I oder Gendersternchen geschrieben sind, es klingt wie sprachliche Aussetzer, in etwa so, wie eine Bärbockrede. Politisch korrekte Gendersprache ist ein einziges Sprachgestammel, die Sprache von Beklopptseienden.

Die Printmedien wollen auch nicht länger rückwärtsgewandt sein. Manche Texte sehen aus, als wäre ein an Diarrhoe leidendes, besoffenes Huhn über die Seiten gelaufen. Besonders fortschrittlich sind meine Lieblingszeitung „taz“ und unsere Grünen, deren Wahlprogramm schon aufgrund der gegenderten Schreibweise unlesbar ist – was aber sicher auch Absicht ist.

Hauptstrommedienkonsum heute heißt, es tränt das Auge, es blutet das Ohr – und das Gehirn erweicht sowieso.

Der Bürger, das unbekannte Wesen

Alles Absicht. Über Sprache wollen die Dekonstruktivisten das Denken beeinflussen und Macht neu sortieren, faktisch eine neue Welt schaffen. Wer sich ihren Sprachkodizes verweigert, wird ausgegrenzt. Der Konformitätsdruck ist immens.

Durch die Art, wie sie über uns sprechen, als “Menschen da draußen”, denen man etwas zugemutet hat oder denen man wie Begriffsstutzigen etwas erklären muss, machen sie uns klar: Wir, die Menschen, gehören nicht zu ihnen.

Sie stehen außerhalb und über uns, sie sehen und beobachten uns wie Außerirdische. Sie nehmen und sie gewähren mit gönnerhafter Attitüde nach Gutdünken.

Doch wer sind sie? Gute Frage. Sich den Globalisten andienende, subalterne Eliten darf man nicht sagen, das ist Verschwörungstheorie.

Warum das so ist, warum sie uns so behandeln? Ganz einfach. Weil sie es können und weil wir sie lassen.

Udo Holm

Glücklicher Privatier und Hobbyschreiber mit grimmigem Humor und zunehmender Altersmilde. Geboren im grünen Herzen Deutschlands als Grün noch die Farbe der Blätter und nicht die Beschreibung eines Geisteszustandes war. Als guter Beobachter erkennt er seine Schweine am Gang und lässt sich nichts mehr vom Pferd erzählen. Lebt in Berlin und schreibt im "Spiegelsaal".


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