Die „Nothing ever happens“-Fraktion der deutschen Rechten musste in den letzten Tagen ordentlich schlucken. Noch mal kurz als Erklärung für den Leser, der mit diesem Begriff gar nichts anzufangen weiß: „Nothing ever happens!“ („Es passiert nie etwas!“) ist ein populäres Meme, das im Grunde nichts anderes aussagt als die frustrierende Tatsache, dass trotz aller bevorstehenden Krisen eben nichts passiert – das heißt, kein wahrnehmbarer (Regime‑) Wechsel stattfindet. Die „Nothing ever happens“-Leute sagen also: Egal was vorfällt, es wird sich an den herrschenden Verhältnissen nichts großartig ändern.
Zugegebenermaßen haben diese Leute irgendwo recht, denn der Regimewechsel wird noch auf sich warten lassen, eine große Neuordnung der politischen Verhältnisse sowohl auf globaler als auch auf nationaler/lokaler Ebene ist in weiter Ferne. Auf der anderen Seite habe ich immer den Eindruck, dass hier eine Art großer Knall erwartet wird, mit dem sich das alles von heute auf morgen ändert – doch den wird es nicht geben. Stattdessen wird die alte, stagnierende Ordnung Stück für Stück abgetragen: Corona war dafür ein Beispiel, der Ukrainekrieg ein weiteres (die Menschen in Kiew oder im Donbogen können wirklich nicht behaupten, dass „nothing ever happens“).
Die Welt ist im Vergleich zu vor 10, 15 Jahren wesentlich aufregender, labiler und damit auch unsicherer geworden. Das unbewusste, gehirntote Vor-sich-hin-treiben-Lassen der 2000er ist lange vorbei, das Ende der Geschichte wurde widerlegt. Mit den Ereignissen des 13. Juni 2025 hat sich das Ende des Endes der Geschichte erneut wiederholt: In einem Überraschungsangriff und Präventivschlag konnten die Israelis große Teile des iranischen Atomprogramms auslöschen. Zwar gab es schon in den vergangenen Monaten, insbesondere seit dem Hamas-Überfall vom 7. Oktober 2023, einige Scharmützel zwischen den beiden Staaten, aber dieser Militärschlag stellt eine völlig neue Dimension dar. Die Antwort der Mullahs erfolgte bald, und dieses Mal durchdrangen die iranischen Raketen die israelische Luftabwehr und schlugen unter anderem in Tel Aviv ein – beide Staaten befinden sich nun in einem offenen Krieg. Passiert also doch etwas?
Kurz zur Chronologie des neuen Krieges: Am Morgen des 13. Juni griff Israel mehrere Ziele im Iran an, darunter die Wohngebiete bekannter iranischer Kernphysiker und Militärs, militärische Stützpunkte sowie mehrere Atomanlagen. Dabei wurden mehrere Physiker, Militärs und Geheimdienstler, aber auch Dutzende Zivilisten getötet. Als Rechtfertigung brachte der israelische Regierungschef Netanjahu die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm ins Spiel, er bezeichnete die Angriffe weiterhin als einen „sehr erfolgreichen Eröffnungsschlag“.
Noch am selben Abend antworteten die Iraner mit Hunderten ballistischen Raketen, die zum Teil in israelischen Wohngebieten einschlugen. Am 14. Juni trafen die Israelis zwei Flughäfen im Iran, am folgenden Tag feuerten die Iraner wieder mehrere Hundert Geschosse gen Israel. Bis jetzt ist keine Deeskalation in Sicht, vielmehr besteht Gefahr, dass sich die USA direkt einmischen könnten. US-Präsident Trump verkündete via Plattform Truth Social, dass der Iran kein Atomprogramm haben dürfe und dass Teheran bald evakuiert werden müsse.
Die genauen Konsequenzen eines sich gerade entzündenden Krieges sind naturgemäß schwer abzusehen. Um der Frage „Was interessiert mich als Deutscher der Iran und Israel?“ zuvorzukommen: Das Gleiche könnte man auch über Syrien und den Irak sagen; als sich dort die „Präventivschläge“ und Militäroperationen zum offenen Krieg entwickelten, bekam das Deutschland spätestens seit 2015 sehr wohl zu spüren. Soll heißen: Ganz zu schweigen davon, dass solche Regime Changes nie von Erfolg gekrönt waren und ein möglicher Iran-Regime-Change von ähnlichem Erfolg gekrönt würde, wäre die Folge eines großangelegten Regime-Change-Krieges, wie er gegen Assad, Hussein oder Gaddafi geführt wurde, angesichts der Geisteskrankheit und Boshaftigkeit unserer herrschenden Eliten eine neue Migrationswelle aus Nahost. Etwas, worauf wir getrost verzichten können.
Möglich ist auch, dass sich die Israelis verschätzt haben: Die meisten Völkerrechtler bezeichnen den Angriff als völkerrechtswidrig (sofern man etwas auf das Völkerrecht geben möchte), die allermeisten Staatsoberhäupter rufen zur Mäßigung auf, und nicht zuletzt seit ihrem harten Vorgehen im Gaza-Streifen verspielen die Israelis immer mehr ihre aus den uns allen bekannten historischen Ereignissen gewonnene Sympathie im Westen. Gewiss, ein Großteil der transatlantischen Elite steht noch bedingungslos hinter Israel – was nicht zuletzt auf den nicht zu unterschätzenden Einfluss der amerikanischen Israel-Lobby zurückzuführen ist –, doch mit der jüngeren Generation, egal ob links oder rechts, schwindet die bedingungslose Zuneigung immer weiter. Auch das ist Teil des Wandels, des Abschieds von der alten Welt der Nachkriegsordnung. Small things are happening – immerhin.


Mir gehen in so einer Debatte ja immer wieder die Leute auf den S*** die meinen Deutschland hätte in diesem Konflikt eine Gestaltungsmöglichkeit. Hat es nicht, Deutschland steht wie so häufig an der Seitenlinie. Soll mir sogar recht sein. Weder können Friedentauben Rechte noch irgendwelche BRDler auf irgendetwas handfestes verweisen was meinen deutschen Interessen dient, noch sind mir Absichten oder Bekundungen aus dem Iran, Israel, Russland, Ukraine die irgendwelche Hoffnungen auf Relevanz stützen.
Das was die Linie der deutschen Rechten sein sollte, sich innenpolitisch auf einen eskalierenden Konflikt vorzubereiten. Sei es durch stellvertreter Schlägerein auf deutschen Straßen oder eine neue Flüchtlingswelle. Anders als in der realen Außenpolitik hat man da eine tatsächliche Wahrnehmung und auch (wenn auch niedrige) Gestaltungsmöglichkeiten,