Der Name Tim Schramm ist seit einiger Zeit in aller Munde. Also, „aller Munde“ im Sinne von: Der Name geistert unter rechten Dissidenten herum. Schramm ist AfD-Mitglied und stellvertretender Kreisvorsitzender der AfD Wuppertal. Als Freiwilliger ging er zur ukrainischen Armee und diente mehrere Monate als Soldat an der Front, wenn auch an einem ruhigeren Frontabschnitt. Über seine Erlebnisse dort erzählte er unter anderem im Podcast des „Thymos Magazins“ oder bei „Konsequent Frei“ – wen also die genaue Motivation des jungen Mannes, in den Krieg zu ziehen, oder seine Erfahrungen im Krieg des 21. Jahrhunderts, dem Zeitalter von Smartphones und Drohnen, interessiert, dem seien diese Videos ans Herz gelegt. Sein Auftreten und sein Kriegsdienst polarisieren, vor allem in seiner eigenen Partei, wo es bekanntermaßen einige Leute gibt, die Sympathien für Russland hegen. Offenbar gibt es nun genug Parteifreunde, die genug haben – denn der Landesvorstand NRW will den 22-jährigen Soldaten von der Partei ausschließen.
Wie die „Junge Freiheit“ am 14. Juli berichtete, wurde Schramm zuvor vom Landesvorstand unter Druck gesetzt. Er solle schriftlich erklären, sich nicht weiter zum Ukrainekrieg zu äußern, von seinem Amt als stellvertretender Kreisvorsitzender zurücktreten sowie während der Dauer seiner Parteimitgliedschaft in keinem fremden Krieg mehr kämpfen. Doch Schramm weigerte sich, sich dem Druck zu beugen und unterzeichnete nicht – wodurch das Parteiausschlussverfahren (PAV) in die Wege geleitet wurde. Immerhin, unumstritten ist das Vorgehen der Parteiführung in NRW nicht; Sven Tritschler zum Beispiel, ebenfalls aus NRW, stellte sich auf die Seite Schramms und sprach von einer „maximal unklugen Entscheidung des Landesvorstands“.
Angesichts der Tatsache, dass das PAV mit der Neutralität der Partei im Ukrainekrieg begründet wird, während manch andere Parteikollegen zum 9. Mai nach Russland fahren oder sonst wie ihre Zuneigung den Russen gegenüber kundtun, erscheint der Fall noch viel fadenscheiniger. Kritik an Schramms Dienst in einer fremden Armee mag gerechtfertigt sein – auch wenn meine Sympathien eindeutig bei ihm liegen –, aber der Ton einiger Kritiker hat schon eine Form angenommen, die alles andere als angebracht ist. Zum Beispiel dann, wenn eine Art Schuldkult von „rechts“ aus der Mottenkiste geholt und der Verteidigungskampf der Ukrainer mit dem deutsch-sowjetischen Krieg von 1941 verglichen wird.
Nicht nur der Vergleich an sich ist vollkommen absurd, sondern auch der latent antideutsche Unterton erweckt alles andere als Sympathie.
Man muss Schramm viel lassen: Er hat die Wärme seines Hortes verlassen, hat gekämpft, die ein oder andere Entbehrung miterlebt und damit mehr getan als viele Russen-Sympathisanten in der AfD. Selbst wenn sein Einsatz am Ende umsonst sein sollte: Das Abenteuer, die eigene Überzeugung, den Willen, über sich hinauszuwachsen – den „Krieg als inneres Erlebnis“ eben – kann man ihm nicht nehmen, den freiwilligen Gang in den Kampf gehen nicht viele. Für die Ukraine würde ich ihn auch nie gehen, aber wenn es andere tun – so will ich sie nicht aufhalten. Wie Dr. Rainer Kraft, Mitglied des Bundestages, auf Twitter schrieb: „Tim Schramm hat sich für seine Überzeugungen eingesetzt – nicht für Profit, nicht aus Karrieregründen, sondern als Gewissensentscheidung gegen einen verbrecherischen Angriffskrieg. Wer so handelt, hat kein Parteiausschlussverfahren verdient, sondern Respekt – selbst dann, wenn man seinen Weg nicht teilt.“
Auch wenn ich seine Wortwahl nicht ganz teile, so stimmt der Kern seiner Aussage. Hoffentlich sehen es die meisten anderen Parteimitglieder – und vor allem die Schiedsgerichte der AfD – ähnlich wie Kraft, sodass Schramm seinen Kampfeswillen und ‑mut anerkennt bekommt.


„…. verbrecherische Angriffskrieg“ ?
Das ist eine große Lüge, auf der der
verbrecherische Westen seine Schweinepolitik aufbaut. Deshalb ist
dieses Gebaren von Schramm total „neben der Kappe“.
Im übrigen; bin neu hier und werde mit solchen Artikeln
auf dieser Seite, nicht sehr alt werden !
Wieso nicht „alt werden“? Wollen Sie jetzt für die Gegenseite den Kampfanzug anziehen ? Dann sollte Krautzone mal anfangen von den Kriegsgegnern Vermittlungs-Provisionen einzutreiben – in Euro, solange sich das noch lohnt…
P.S. Bin weder Uraine-noch Russen-Fan sondern wünsche mir nur eine rationale Politik für mein Land
Ich gehe in der „Causa Schramm“ vollkommen mit Dr. Rainer Kraft d’accord. Vor zwei Wochen habe ich Tim für die nächste Ausgabe des Magazins Freilich interviewt. Momentan ist er in der Ukraine, um seiner alten Einheit einen Bus zu übergeben, den er von seinem Sold gekauft hat. Da kann ich nur sagen: Hut ab vor so viel Idealismus!
Am Wort „Idealismus“, wird die Menschheit noch untergehen !
Lieber Herr Hartmut, anderen Menschen immer sofort den
Kampfanzug überstülpen. Habe ich gesagt, dass ich genau
so bescheuert bin, wie Schramm ?
Ich glaube, ich sagte das Gegenteil !
Wann immer der Westler versucht rechts zu sein, kommt am Ende nix als neokonservativer Militarismus und Imperialismus raus.
Lachhaft !