Hierarchie der Opfer? Siegmund hat nichts Falsches gemacht

in 3 min lesen
7

Für die AfDler in Sachsen-Anhalt könnte es momentan wohl kaum besser laufen: Sie haben mit Ulrich Siegmund einen sympathischen Spitzenkandidaten für die kommende Landtagswahl im September 2026 und stehen in den Umfragen bei konstanten 40 Prozent, wobei sie unter dem Umstand, dass BSW und SPD nicht in den Landtag einziehen könnten, sogar die absolute Mehrheit im Parlament erringen könnten. Kein Wunder also, dass viele Vertreter des politisch-medialen Komplexes diese Entwicklung alles andere als mit Wohlwollen betrachten.

Gordon Repinski ist einer dieser Vertreter: Er ist momentan „Executive Editor“ für „POLITICO“ Deutschland (wir erinnern uns vielleicht daran, dass die US-Regierung für acht Millionen Dollar Abos und Produkte von „POLITICO“ erworben hatte) und war davor unter anderem Stellvertretender Chefredakteur sowohl für „The Pioneer“ als auch für das RedaktionsNetzwerk Deutschland und auch Teil der Redaktion der linksradikalen „taz“; „POLITICO“ ist übrigens seit 2021 Teil des Axel-Springer-Verlages. Man kann also durchaus davon ausgehen, dass Herr Repinksi mit den Ansichten eines Ulrich Siegmund nicht ganz einverstanden ist, und das wurde in einem 45-minütigen Interview mit dem AfD-Spitzenkandidaten auch deutlich.

Bei „ein[em] Spaziergang mit Ulrich Siegmund“ versuchte Repinski immer wieder, seinen Interviewpartner unter Druck zu setzen, aus der Reserve zu locken und schließlich in eine Falle zu locken – nämlich die der Holocaust-Relativierung, was in der BRD (völlig unabhängig von Intention oder Inhalt des Gesagten) ein politisches Kapitalverbrechen darstellt. Repinksi kam in dem Interview auf vermeintliche Provokationen verschiedener AfD-Politiker („Alles für D…“), dann auf das Geschichtsbild der Partei und die Rolle des NS-Staates darin, mit dem unterschwelligen Vorwurf, durch die Relativierung desselben gleichzeitig auch Anhänger oder zumindest Sympathisant seiner Ideologie zu sein. Zunächst gibt Siegmund die Antwort, dass der NS-Staat und seine Verbrechen als „Tiefpunkt unserer Geschichte“ gelehrt werden müssen, doch dann kommt die entscheidende Frage (ab circa Minute 29:00 im Interview) von Repinksi: „Würden Sie sagen, das [der Holocaust] ist das schlimmste Menschheitsverbrechen?“ Daraufhin Siegmund:

„Ob der Holocaust das schlimmste Menschheitsverbrechen war, vermag ich mir nicht anmaßen zu bewerten, weil ich die gesamte Menschheit nicht aufarbeiten kann und aus Verbrechen der Menschheit natürlich lernen muss.“

Diese Antwort war es, die den politisch-medialen Komplex so in Wallungen brachte. Dieses harmlose Statement, das weder eine großartige Relativierung, geschweige denn eine Befürwortung des Holocausts ist, sondern lediglich eine Verweigerung eines Bekenntnisses – ein Bekenntnis nämlich zum Glauben der Nachkriegsordnung, zur „Boomer-Truth“, nach der Adolf Hitler und seine Schergen das absolut Böse waren, vom Guten zwar besiegt wurden, aber der Kampf gegen sie auf einer Art geistigen Ebene nach wie vor stattfindet.

Dieser Glaube prägte sich in Ost und West unterschiedlich ein: Im Osten etwa wurde daraus die große antifaschistische Erzählung der heldenhaften Kommunisten, die den „Hitlerfaschismus“ als großen Bund zwischen Industrie, Bürgertum, Nation und Rasse sahen, der im Westen, wenn auch transformiert, fortlebte. Abwandlungen dieser östlichen Lehre finden sich heute noch in russischer Propaganda – etwa, wenn die Invasion von 2022 mit der „Befreiung der Ukraine vom Nazismus“ gerechtfertigt wird.

Im Westen war die „Reeducation“ Teil des Glaubens: die Umerziehung des deutschen Volkes, weg von eigenen nationalen Mythen und eigener Kultur hin zum integralen Bestandteil der Pax Americana. Hierbei wurde und wird bewusst insbesondere die jüngere Geschichte (spätestens seit 1871) als Präludium und Vorbereitung des Nationalsozialismus dargestellt, wodurch sich in Deutschland seit der Boomer-Generation mehr und mehr eine Geschichtsvergessenheit einstellte, die sich mehr und mehr in kollektiven Selbsthass wandelte. Teil dieses Selbsthasses ist dabei ein übertriebener, geradezu unterwürfiger Philosemitismus, der sich gerade bei Vertretern der Springer-Medien finden lässt.

Daher verwundert es auch nicht, dass gerade die „Welt“ als Springer-Medium sich auf die Aussage von Siegmund stürzt, sie sogar zu einem Riss innerhalb der AfD aufbläst, der so nicht existiert – kein AfDler von Bedeutung hat sich (Gott sei Dank!) von ihm distanziert –, und dabei gerne irgendwelche CDUler zitiert, die sich nun ganz empört über das Nichtbekenntnis ihres größten Konkurrenten geben; schließlich ist es Ulrich Siegmund, der den Christdemokraten das Ministerpräsidentenamt in Sachsen-Anhalt streitig machen könnte.

Sein Nichtbekenntnis war ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung, in die Richtung der Überwindung der „Confessio Americana“, der uns lähmenden „Boomer-Truth“ und zur Rückerlangung eines neuen Selbstbewusstseins: als Deutsche, als Europäer, als Weiße. Das Geplärre von Springer und Co. ist daher ein gutes Zeichen, es deutet eine Panik an: Panik nämlich, dass die Kontrolle über die Köpfe der Wähler langsam verloren geht. Welch wonnige Aussichten: Es zeigt, dass man, wie Siegmund, gewisse Teile seiner Geschichte negativ bewerten, ja sogar verurteilen kann, ohne die Glanzstunden zu vergessen – im Gegenteil, Letztere sogar zum eigentlichen Aushängeschild der Geschichte erheben und damit wieder einem gesunden Kollektivbild entgegenstreben kann.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich lese eine gewisse Ablehnung gegenüber der Solidarität mit Israel heraus. Dabei ist ein gesundes, deutsches, kollektives Selbstbild kein Widerspruch dazu. Finde ich.

    • „Wer einen palästinensischen Staat verhindern will, muss die Hamas unterstützen“ Netanjahu 2019 auf Liqud-Parteitag. Und das hat Israel viele Jahrzehnte auch so getan. Wir sollten uns bei diesen zynischen Spiel, wo wir nicht ansatzweise durchblicken komplett raus halten.

    • Wie süß, er ist solidarisch mit Israel. Guter Bürgi, weiter so. Israel bombt den gesamten Gazastreifen kaputt und würde am liebsten die Menschen nach Europa schicken, sehe dazu die Interviews zweier israelischen Regierungsmitglieder in der WSJ „The West Should Welcome Gaza Refugees“. Dass Israels Kriege überhaupt verantwortlich für einen Großteil der Destabilisierung im Nahen Osten sind, wird dir leider keiner bei Axel Springer erzählen. Netanjahu hat ja selber in einem geheim-aufgenommen Video mit einer Siedler Familie zugegeben sämtliche Friedensbemühungen wie das Camp David Abkommen zu untergraben. Der weite Großteil der israelischen Bevölkerung unterstützt den aggressiven Expansionkurs (mal nach „Greater Israel“ suchen). Ohne die USA als Schutzmacht könnte Israel nicht einfach ständig in andere Länder einfallen (Bombardierung in Katar, Panzer im Südlibanon). Dazu mal das Interview von Tucker Carlson mit Thomas Massie angucken wie die israelische Lobby den US Senat kontrolliert.

  2. Solide daß Siegmund sich der Instrumentalisierung der Geschichte verweigert und dem totalitären Schuldkult eine Absage erteilt. Denn die Überhöhung als absoluter Einzelfall samt Sippenhaft über Generationen hinweg dient einzig und allein der Zerrüttung der Bevölkerung der Besatzung, nicht dem Verhindern von Vergehen gegen Völker die in der Vergangenheit wie heute zahlreich geschehen.

    Bleibt zu hoffen daß sich auch die Parteiführung als stabil erweist und nicht wie schon viel zu oft in halbgaren Distanzierungsunterwürfigkeiten erneut über ihre eigenen Füße die sie anderen dazu gereicht hat stolpert.

  3. Deine Palis gehen mir, mit Verlaub, am Hinterteil vorbei, Laus. Das sind nämlich die selben Goldstücke die seit spätestens 2015 in regelmäßigen Abständen ihre Blutspur durch Europa ziehen und das unabhängig davon ob gerade Israel, ‚der Jude‘ oder eben gerade der weiße Europäer ihr Feind ist. Insofern solltest du eventuell Mal den Blick auf das richten was aktuell in unseren Städten so passiert und wie sich Stadtbilder durch das selbe, dir ans Herz gewachsene G.E.S.O.X aus Arabien verändert hat.

    Das Hauptproblem ist: Wir haben keine Eier um uns gegen diese Bedrohung zu behaupten. Ganz anders als Israel. Denn Europas Prioritäten scheinen aktuell von Wokismus über Massenmigration bis hin zu Deindustrialisierung zu reichen, Mal abgesehen davon, dass man an geopolitischen Verhandlungstischen zumeist den Platz am Speiseteller einnehmen darf.
    Solange wir unsere eigenen Hausaufgaben nicht erledigt bekommen, ist es vollkommen irrelevant was rund um uns herum ein Trump, ein Putin, ein Xi, oder auch ein Netanyahu macht.

  4. Ich habe mir diesen bewußten Teil des Interviews mit Herrn Siegmund angehört und, wie im Artikel beschrieben spürt man die Absicht des „Journalisten“, ihn entweder zum Aufsagen des Glaubensbekenntnis‘ des Hauptstroms oder zu einer skandalisierbaren Aussage zu zwingen. Der provokante Eifer war deutlich herauszuhören. Siegmund hat es sehr gut gemacht. Aber natürlich nützt das nichts. Bei Aussagen über die NS Zeit, (zu denen man als AFDler unvermeidlich irgendwann genötigt wird) kann man als Angehöriger der „falschen Partei“ bei den Hauptstrommedien nur verlieren. Wie gesehen.
    Nichtsdestotrotz. Es verfängt längst nicht mehr so gut. Immer mehr Leute erkennen den Trick.
    Leider hat aber der historisch desinteressierte Großteil der Bevölkerung immer noch diese diffuse
    Ahnung verinnerlicht, daß deutsche Geschichte irgendwie die eines verbrecherischen Volkes( auch beim Kaiser mit Pickelhauben und so…) ist. Das ist das Ergebnis zum Einen der Lehrpläne der letzten 5 Jahrzehnte und zum Anderen des begleitenden Medienbombardements.
    Für viele ist „deutsche Geschichte“ inzwischen ein Synonym für die 12 Jahre. Nicht selten mit wenig oder gar keinem detailliertem Wissen über diese Zeit. Das habe ich übrigens hauptsächlich bei „Millenials“ festgestellt. Weniger bei den sog. „Boomern“ oder „Gen X“ (aber das ist meine persönliche Erfahrung).
    Ich begrüße den Versuch Siegmunds das zu sagen, was jedem halbwegs gebildeten Menschen klar ist, nämlich daß deutsche Geschichte mehr als die 12 Jahre ist und sie wieder auf eine Weise vermittelt werden soll, die eine positive Identifikation mit der eigenen Nation fördert.
    Der tatsächlich seit den 60ern zu beobachtende Versuch die deutsche Geschichte spätestens seit 1871 als ein unweigerlich zum NS führenden Kontinuums (eines dann offensichtlich bösen Volkes) darzustellen ist natürlich unhistorisch. Von neueren Veröffentlichungen von Historikern (oft , aber nicht nur, von angelsächsischen) wird auch ein deutlich differenzierteres, manchmal sogar freundliches Bild z.B des Kaiserreiches gezeichnet.
    Und zu Israel: Ich bin weder „Philosemit“, noch „Boomer“, noch „Bürgi“ (was immer das sein soll), halte aber Israel für einen westlichen europäisch geprägten Staat. Die zeigen, wie man sich als solcher gegen arabische Terroristen, gegen Islamisierung, letztlich den Dschihad, wehren muss. Und sie scheinen es zu können.

  5. Meinungsfreiheit: Siegmund hat die ihm gestellte Falle umschifft.Deutschland gehört neben Österreich zu den Ländern , in dem per Gesetz die Meinung zu diversen Themen vorgeschrieben ist.( In Felix Austria sind Bürger schon im Gefängnis gelandet, weil sie die Vereinigung mit Deutschland forderten) In der VS Broschüre Rechte Erkennen , ist detailliert aufgelistet, was untersagt ist und weist noch einen wichtigen Unterschied auf: Beispiel, Krautzone würde ein Hitlerbild mit deutschem Gruß ohne Unterzeile in einem Text abdrucken, könnte dies im Gegensatz zur TAZ zu einer Anzeige führen, da man ersterer eine rechte Gesinnung attestiert.
    Gilt auch für rechte Satiriker.Über diesen Umweg werden Überlegungen angestellt, potentiellen rechten Ministerpräsidenten das aktive und passive Wahlrecht zu entziehen. Die Frage ob , Siegmund nächstes Jahr auch mit absoluter Mehrheit MP wird, kann nur Radio Eriwan wissen.

Comments are closed.