Ravensburger sucht „Sensitivity Reader“

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Es ist nun schon einige Zeit her, dass der Spieleverlag Ravensburger sich entschied, seine Kinderbücher zum gleichnamigen Film „Der junge Häuptling Winnetou“ vom Verkauf zurückzuziehen. Der Grund dafür war das Bedienen von Klischees, die der Verlag trotz der Beschäftigung von „Sensitivity Readern“ nicht für schlimm befunden hat, bis einige vor Moralin strotzende Helden den Verlag weinerlich anriefen, das schrecklich böse Buch aus dem Verkehr zu ziehen. Mit dem Canceln der „Winnetou“-Bücher konnte für die Linksliberalen endlich wieder einmal Gerechtigkeit erzeugt werden.

Bei einem Statement auf Instagram schrieb der Ravensburger Verlag reumütig:

„Wir danken Euch für Eure Kritik. Euer Feedback hat uns deutlich gezeigt, dass wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben. Das war nie unsere Absicht und das ist auch nicht mit unseren Ravensburger Werten zu vereinbaren. Wir entschuldigen uns dafür ausdrücklich.

Unsere Redakteur*innen beschäftigen sich intensiv mit Themen wie Diversität oder kultureller Aneignung. Die Kolleg*innen diskutieren die Folgen für das künftige Programm und überarbeiten Titel für Titel unser bestehendes Sortiment. Dabei ziehen sie auch externe Fachberater zu Rate oder setzen ‚Sensitivity Reader‘ ein, die unsere Titel kritisch auf den richtigen Umgang mit sensiblen Themen prüfen. Leider ist uns all das bei den Winnetou-Titeln nicht gelungen.“

(https://www.instagram.com/p/ChHlYBdsk_A/?utm_source=ig_embed&ig_rid=ae3ee68a-8525-43ec-939e-632284441d7f)

Nun müsste im Grunde jedem geistig Gesunden klar sein, dass dem „Sensitivity Reader“ sofort gekündigt werden sollte. Warum es überhaupt jemanden braucht, der die Diversität in einem Kinderbuch über Indianer sichern muss, ist fraglich. Aber wie ich in meiner Kolumne über die neue „Herr der Ringe“-Serie bereits erwähnt habe, lieben es kapitalistische Unternehmen, ihre Konsumenten im Glanze ihrer Hypermoral über die Gewinnabsichten blenden zu können.

Zurück aber zu denjenigen, die das wirkliche Problem sind. Die kleine linksliberale Kaste, die Verlage, Produktionen und Personen canceln, also durch wilde Beschimpfungen zu Unberührbaren machen können. Durch moralinsaures Geflenne schaffen sie es, immer neue Opfergruppen mit noch weniger Privilegien zu erschließen, bei denen es gilt, Schuld abzuarbeiten. Die so Hofierten müssen schließlich durch Quoten und Förderungen endlich einmal Gerechtigkeit erfahren. Die linksliberale Form der Gerechtigkeit hat allerdings nichts mit dem Recht, sondern mit einer abstrusen Form der Gleichheit zu tun. Je länger etwas gewachsen ist, je stabiler die Kontinuität und je organischer die Struktur, desto schädlicher ist der Versuch, diese linksliberale Gleichheit zu erzeugen. Sie ist links, weil sie sich für „die Schwachen“ einsetzt, und liberal, weil sie Gruppenidentitäten auflösen will.

Deswegen ist alles, gegen das die Linksliberalen ankämpfen, „struktureller“ Natur und jeder Widerstand eine Phobie. Es mögen jetzt Geschlechter, die Sprache und die Nationen sein, an deren Auflösung gearbeitet wird. Wehrt man sich gegen ihre Gleichheit, wird eine unbegründete, abstrakte und pathologische Angst unterstellt, die mit dem Kampfbegriff „Phobie“ die Macht hat, vom öffentlichen Diskurs ausgeschlossen zu werden.

Das Utopia der Linksliberalen ist jedoch eine Welt, in der es gar keine Strukturen mehr gibt. Das austauschbare Subjekt, das auf keine kulturelle oder gruppenbezogene Identität mehr zurückblicken kann, ist eben auch keines, das diskriminieren kann.

Der einfachste Widerstand gegen die Auflösungsfantasien der Linksliberalen ist das Sichbewusstwerden der Selbstverständlichkeit von sinnvollen Kontinuitäten und das aktive Leben von Traditionen, die daran anknüpfen. Nur so bleiben alle Aspekte von Kultur bewahrt, welche die Linksliberalen dekonstruieren, zerstören oder auflösen wollen.

Eine zweite Möglichkeit wäre, den Linksliberalen ihre metapolitische Macht zu entziehen. Solange sie die großen Firmen, die Medien und die Universitäten im Klammergriff halten, wird sich das allerdings relativ schwierig gestalten.



Das Gute an der Causa Ravensburger ist: Aktionen wie diese zeigen dem normalen Menschen auf der Straße die Auswüchse der linksliberalen Ideologie. Inzwischen können nicht mal mehr ältere Menschen diese leugnen, da sie davon nicht verschont bleiben. Die Nachrichten machen den Rest, und Menschen, die normalerweise nichts mit Politik am Hut haben, sehen und kritisieren die Folgen der Kulturzersetzung.

Warum Verlage und Firmen trotz des Unverständnisses des einfachen Volks vor den Linksliberalen einknicken? Bei Ravensburger steht im wahrsten Sinne des Wortes der Name auf dem Spiel. Die Puzzleteile heißen „Diversität“, „Sensitivity“ oder einfach „Werte“. Zusammengesetzt zeigt das Puzzle ein Bild ohne Schwierigkeiten im Verkauf.

Für uns steht allerdings mehr auf dem Spiel: unsere Kultur, unsere Nation oder einfach das verdammte Mannsein, denn selbst das wird bereits als ein Akt des Widerstands empfunden. Das männliche Aufbäumen und eine antagonistische Einstellung sind letztendlich aber auch das Einzige, das uns bleibt: Wimmern, Plärren und Geheule reichen bei uns nicht, um einen „sensiblen Umgang“ mit dem zu erzwingen, was uns wichtig ist.

Aber na ja, „Sensitivity Reader“ werden wir genauso wenig brauchen, wie wir es nötig haben, rumzuheulen – Indianer kennen schließlich keinen Schmerz…

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